Bremen startet Studium für Hebammen

6. Oktober 2020

Praxisteil führt Studierende in verschiedene geburtshilfliche Kliniken / Klinikum BremerhavenReinkenheide übernimmt Koordinierungsstelle / Start zum Wintersemester 2020

Bremerhaven, 5. Oktober 2020.
Im Bundesland Bremen werden Hebammen ab diesem Jahr eine akademische Ausbildung durchlaufen. Bremen setzt damit die europarechtlichen Vorgaben für die Ausbildung von Hebammen als eines der ersten Bundesländer in Deutschland zeitgerecht um. Das ist möglich durch die enge Zusammenarbeit zwischen der senatorischen Behörde, der Hochschule, den geburtshilflichen Kliniken und den Krankenkassen als Kostenträger. Die Praxis-Koordinierungsstelle des Studiums übernimmt das Klinikum Bremerhaven-Reinkenheide (KBR).

Seit Anfang des Jahres ist das neue Hebammengesetz in Kraft, das die von Hebammen seit vielen Jahren geforderte Vollakademisierung der Ausbildung umsetzt. Ein Studium soll den hohen Anforderungen dieses besonderen Berufs Rechnung tragen. Im Land Bremen gibt es zum Wintersemester die Möglichkeit, ein Studium zur Hebamme zu beginnen. Das Besondere daran: Es ist ein Studium, das sich durch einen hohen Praxisanteil auszeichnet. Die Hebammen lernen verschiedene geburtshilfliche Kliniken und ambulante Einsatzbereiche kennen. Das Klinikum BremerhavenReinkenheide erklärte sich bereit, in Vertretung für alle Bremer geburtshilflichen Abteilungen, die verantwortliche Koordinierung der praktischen Studiumsanteile zu übernehmen.

Das neue Hebammengesetz stellt Hochschulen und Krankenhäuser vor die Herausforderung, für die Studierenden eine ausreichende Zahl an Praxisplätzen zu finden – sowohl in den Kliniken, als auch in niedergelassenen Hebammenpraxen. Daher sucht in den anderen Bundesländern häufig jedes Krankenhaus für sich nach Praxispartnern für die zukünftigen Studierenden. „Wir wollten in Bremenerreichen, dass nicht jede Klinik alleine Netzwerke für die Koordination der Ausbildung aufbauen muss. Mit der zentralen Koordination ist uns das gemeinsam sehr gut gelungen“, betont Claudia Bernhard, Senatorin für Gesundheit, Frauen und Verbraucherschutz. Dafür haben sich bereits in 2019 Vertreter der geburtshilflichen Kliniken getroffen und entschieden, dass man in Bremen eine eigene, zentrale verantwortliche Praxis-Koordinationsstelle einrichtet. Dort werden dann gemeinsam mit der Hochschule die Praxiseinsätze geplant – in allen Kliniken.

Die Vorbereitungen für die Konkretisierung und Koordination der praktischen Teile des Hebammenstudiengangs laufen seit Anfang des Jahres in enger Zusammenarbeit mit der Hochschule. Heidi Giersberg, Hebamme am KBR und Koordinatorin für den praktischen Teil des Studiums: „Ein Vorteil hierbei ist, dass viele Kontakte schon aus der langjährigen Tätigkeit als Hebamme in der Geburtshilfe bestanden. Dieses und die Kooperationsbereitschaft der kooperierenden Kliniken und der Kolleginnen erleichtern das zu bildende Netzwerk in Bremen. Für die Planung der Praxiseinsätze d er
zukünftigen Hebammen werden eine enge Zusammenarbeit aller Beteiligten und eine gelingende Kommunikation weiterhin unerlässlich sein“

Möglich wurde die innovative Lösung für das Land Bremen aber auch nur, weil die Umsetzung einer verantwortlichen Praxiskoordination durch die Krankenkassen unterstützt und begleitet wurde. „Seit der Idee im Herbst 2019 haben die Kostenträger die Vision mitbegleitet und auch mit uns erfolgreich verhandelt“, so Dr. Witiko Nickel, Pflegedirektor am Klinikum. Am Ende ist ein Studienangebot herausgekommen, das inhaltlich und strukturell den gesetzlichen Vorgaben und dem Bedarf der zukünftigen Studierenden sehr gut gerecht wird. Diese Lösung realisiert den Beginn des internationalen Studiengangs Hebamme BSc. zum Wintersemester 2020. „Wir freuen uns, dass der Beruf der Hebamme mit diesem Studiengang weiter an Attraktivität gewinnt. Gerade in Bremen ist immer wieder der Bedarf nach weiteren niedergelassenen Hebammen bekundet worden – und wir hoffen, dass möglichst viele ausgebildete Hebammen dann auch im Bundesland Bremen bleiben“, sagt Olaf Woggan, Vorstandsvorsitzender der AOK Bremen/Bremerhaven. „Die AOK hat sich deshalb auch für die Umsetzung der notwendigen Refinanzierung in den Krankenhausbudgets eingesetzt.“

Die zentrale Koordinierungsstelle für die Hebammenstudierenden ist übrigens nicht in Bremerhaven verortet. Praxis und Theorie müssen eng zusammenarbeiten – daher wurde auch die Koordinierung nach Bremen verlagert, direkt in die Räume des hochschulischen Lernlabors am Brill.

Quelle: Pressemeldung – klinikum-bremerhaven.de
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