Expertentagung „Klinikbau und Prozessmanagement“

12. Mai 2011

Am 5. Mai 2011 fand in Zusammenarbeit mit der Forschungsstelle für Sozialrecht und Gesundheitsökonomie an der Universität Bayreuth die Expertentagung „Klinikbau und Prozessmanagement“ statt.

Angesichts der zunehmenden finanziellen Engpässe im Gesundheitswesen aufgrund der demografischen Entwicklung und des medizinisch-technischen Fortschritts wird die Diskrepanz zwischen Erlös und Kosten immer größer. Angesicht dieser Situation sind die Leistungserbringer im Allgemeinen und die stationären Einrichtungen im Besonderen gezwungen, Kosten zu reduzieren. In diesem Zusammenhang spielen insbesondere bauliche Maßnahmen sowie prozessuale Veränderungen eine entscheidende Rolle.

Nach einer kurzen Einführung und dem Aufriss der Problemstellung durch Prof. Dr. Dr. h.c. Peter Oberender zeigte Prof. Dr. Christoph Doth (Klinikum Bogenhausen-München) wie es durch eine Präklinik zu Verbesserungen der Versorgungs- und Prozessqualität im stationären Bereich kommen kann. Hierbei wurde insbesondere betont, dass nur durch eine interdisziplinäre Zusammenarbeit mit dem Ziel einer Generalisierung zur Last einer Spezialisierung solche Verbesserungen erreicht werden können. Daran anschließend gaben Landrat Gerhard Kaiser (Landkreis Oberallgäu) sowie Andreas Ruland (Kliniken Kempten-Oberallgäu) einen Erfahrungsbericht über die Strukturentwicklung in ihrer Region. Hierbei zeigte sich, dass durch einen politisch sehr mutigen Schritt, indem Krankenhäuser im Oberallgäu zusammengelegt wurden, sowohl die Qualität als auch die Effizienz der Versorgung erhöht werden konnten. Ein wichtiger Punkt war hierbei, dass die Kirchturmpolitik der einzelnen Politiker hinter die ökonomischen Notwendigkeiten zurücktrat.

Nach der Mittagspause beschrieb Dr. Werner Pauls (UK S-H Standort Lübeck), wie durch ein IT-Outsourcing zum Festpreis die Struktur und die Versorgung der Patienten im Gesundheitswesen nachhaltig verbessert werden können. Interessant ist hierbei, dass es sich um ein PPP-Projekt mit Vamed handelt. Frank-Michael Frede (Vamed Berlin) legte in seinem Beitrag dar, wie Dienstleistungspartnerschaften im stationären Bereich erfolgreich arbeiten können. Hierbei wurde insbesondere anhand von vier Schritten erläutert, wie eine Geräteoptimierung im Rahmen einer Selbstfinanzierung ablaufen kann.

Frank Dzukowski (UKE Hamburg) zeigte sehr überzeugend auf, wie Servicegesellschaften einen Lösungsansatz für optimale Prozessstrukturen in Universitätsklinika sein können. Eine wichtige Rolle spielt hierbei das mitarbeiterorientierte Change-Management.

Rainer Schoppik (UK Ulm) demonstrierte anhand des Neubaus der Chirurgie am Universitätsklinikum Ulm, welche Herausforderungen und welche Lösungsansätze es bei einem Neubau im universitären Bereich gibt. Hierbei trat immer stärker in den Vordergrund, dass die öffentliche Hand durch die Bedenken der Bürokratie sehr häufig einen Hemmungsfaktor darstellt.

Zum Abschluss fasste Prof. Dr. Dr. h.c. Peter Oberender die Ergebnisse der Tagung zusammen und bewertete sie. Er wies darauf hin, dass der Gesundheitsmarkt der Wachstums- und Beschäftigungsmotor insbesondere auch angesichts der demografischen Entwicklung ist. Die öffentlichen finanziellen Mittel werden hierbei weiter zurückgehen. Der Markt wird dennoch expandieren und der Wettbewerb unter den Leistungserbringern wird zunehmen. Im Rahmen der DRG wird eine zunehmende schleichende Monistik der Finanzierung der Investitionen platzgreifen.

Als Strategie schlägt er vor, mutig und konstant die Ziele der Unternehmen zu verfolgen. Hierbei spielt ein Neubau sowohl unter internen als auch externen Aspekten eine wichtige Rolle. Die Struktur muss dabei den Prozessen folgen, um auch hier die vorhandenen Rationalisierungsreserven zu realisieren. Oberender schätzt diese gegenwärtig auf 20-30 % der Ausgaben im stationären Bereich, diese sind also zu beziffern auf 20 bis 30 Milliarden Euro. Eine wichtige Rolle werden hierbei Kooperationen spielen, wobei er darauf hinweist, dass es keine Patentrezepte gibt, sondern dass in jedem einzelnen Fall geprüft werden muss, wie solche Kooperationen in der Realität auszusehen haben und umgesetzt werden können. Zum Schluss dankt er den Referenten und den Teilnehmern für ihr Kommen, dem Hauptsponsor Vamed sowie den Partnern Hannover Mobilien Leasing und BPM für die finanzielle Unterstützung, ohne die diese Tagung in dieser Form nicht durchzuführen gewesen wäre.

Quelle: oberender-online.de
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