87 Prozent fordern neue Leitlinien: Ärztinnen und Ärzte wollen mehr Blick aufs Geschlecht
Eine forsa-Umfrage im Auftrag des AOK-Bundesverbandes zeigt deutliche Lücken bei geschlechtsspezifischer Medizin in Studium, Fortbildung, Leitlinien und Arzneimittelstudien. 87 Prozent wünschen stärkere Leitlinien-Berücksichtigung…
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Die Umfrage zeichnet insgesamt ein Bild unzureichender Verankerung geschlechtsspezifischer Inhalte in der deutschen Medizin, vom Studium über Fortbildungen bis zu Leitlinien und Zulassungsstudien. 32 Prozent geben an, im Medizinstudium seien gar keine Inhalte dazu vermittelt worden, dass sich Erkrankungen bei Frauen und Männern unterschiedlich äußern können. Frauen berichten das häufiger als Männer, nämlich 39 Prozent gegenüber 25 Prozent. Auch im Berufsalltag empfinden Ärztinnen die geringe Vermittlung öfter als Nachteil, 54 Prozent sagen „schon oft“ oder „manchmal“, bei Männern sind es 34 Prozent.
Unterschiede zeigen sich auch nach Alter. Unter 45 Jahren sagen 20 Prozent, solche Inhalte seien im Studium gar nicht vermittelt worden, ab 55 Jahren 45 Prozent. AOK-Vorstandsvorsitzende Dr. Carola Reimann fordert, geschlechtsspezifische Aspekte in Forschung, Lehre und Versorgung konsequent zu verankern und Strukturen für Gleichberechtigung in medizinischen Karrierepfaden zu schaffen.
Bei Fortbildungen sieht die Umfrage Lücken. 67 Prozent haben noch nie eine Fortbildung zur unterschiedlichen Behandlung von Männern und Frauen besucht. Als Gründe nennen 44 Prozent mangelnde Angebote, 38 Prozent fehlende Relevanz für das eigene Fachgebiet und 29 Prozent wichtigere Themen.
Beim Thema Zulassungsstudien von Arzneimitteln sehen viele Handlungsbedarf. In Deutschland gibt es keine Verpflichtung, Frauen in frühen Studienphasen entsprechend ihres Anteils an Erkrankten einzuschließen und Ergebnisse geschlechtsspezifisch auszuwerten, ebenso wenig eine Verpflichtung für Phase-3-Studien. 81 Prozent der Befragten finden das sehr oder eher problematisch. Reimann sieht die Politik in der Pflicht und fordert eine bessere Datengrundlage sowie geschlechtsspezifische Auswertungen, um Nebenwirkungen und teils ernsthafte, dauerhafte Folgeschäden zu minimieren.
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