Ambulante Versorgung häufiger genutzt als Statistiken zeigen
Gängige Kennzahlen der vertragsärztlichen Abrechnung unterschätzen die tatsächliche Inanspruchnahme ambulanter Arztleistungen systematisch, zeigt eine neue Zi-Studie…
- Ökonomie
Das Zentralinstitut für die kassenärztliche Versorgung (Zi) hat nachgewiesen, dass die ambulante ärztliche Versorgung in Deutschland häufiger genutzt wird, als etablierte Kennzahlen ausweisen. Die Studie erschien 2026 im Versorgungsatlas (DOI: 10.20364/VA-26.02).
Für die Analyse verglichen die Autoren selbstberichtete Arztkontakte von rund 27.000 Teilnehmern des Sozio-oekonomischen Panels (SOEP) des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) mit vertragsärztlichen Abrechnungsdaten von knapp 74 Millionen gesetzlich Versicherten für das Jahr 2024.
Das Ergebnis zeigte, dass Befragte durchschnittlich 8,4 Arztkontakte pro Jahr berichteten. Die Abrechnungsdaten wiesen 8,0 Behandlungsfälle, 8,1 Arztgruppenfälle und 9,5 Arztfälle aus. Die Zahl der Behandlungstage lag mit 14,2 deutlich höher. Ursache der Diskrepanz ist die Vergütungsstruktur der vertragsärztlichen Versorgung, die mehrere Kontakte innerhalb eines Quartals in einer Praxis als einen Behandlungsfall zusammenfasst.
Zi-Vorstandsvorsitzender Dominik von Stillfried plädiert dafür, Behandlungstage stärker in die gesundheitspolitische Bewertung einzubeziehen, da sie der Versorgungsrealität am nächsten kämen. Regionale Unterschiede zeigten sich unter anderem in Berlin, Hamburg, Bremen und dem Saarland. Von Stillfried warnte jedoch davor, diese vorschnell als Über- oder Unterversorgung zu interpretieren. Versorgungsstrukturen, Bevölkerungsalter, Morbidität und regionale Rahmenbedingungen müssten stärker berücksichtigt werden.
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