BÄK-Präsident Reinhardt verteidigt ausländische Ärzte und widerspricht AfD-Forderungen
BÄK-Präsident Reinhardt fordert eine stärkere Steuerung von Patienten über Hausärzte, verteidigt ausländische Ärzte als notwendig und kritisiert die geplante Krankschreibungspflicht ab dem ersten Tag…
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Der Präsident der Bundesärztekammer, Klaus Reinhardt, hat sich für ein geregeltes Primärversorgungssystem ausgesprochen, in dem der Hausarzt als erste Anlaufstelle fungiert. Wer diesen Weg umgeht und direkt einen Facharzt aufsucht, solle mit längeren Wartezeiten rechnen. Finanzielle Konsequenzen schloss Reinhardt nicht aus, bezeichnete sie aber als nachrangig.
Hintergrund ist ein Gesetzesvorhaben der Bundesregierung zur Primärversorgung sowie das Anfang Juli von Bundestag und Bundesrat verabschiedete GKV-Beitragssatzstabilisierungsgesetz. Das milliardenschwere Sparpaket soll die GKV entlasten und Beitragserhöhungen für Versicherte verhindern. Reinhardt warnte, die Einschnitte würden für alle spürbar sein. Deutschland verzeichne 9,7 Arzt-Patienten-Kontakte pro Jahr und rund 220 stationäre Fälle je 1.000 Einwohner, beides europäisch und weltweit an der Spitze.
Kritik kommt von der Deutschen Stiftung Patientenschutz. Vorstand Eugen Brysch bezeichnete den Primäransatz als widersinnig, da eine bedarfsgerechte regionale Verteilung niedergelassener Praxen nicht gegeben sei. Der Hausärzteverband forderte klare Regeln und Konsequenzen bei bewusstem Umgehen des Versorgungswegs. Vorsitzender Markus Blumenthal-Beier sprach sich dafür aus, dass Patienten während der regulären Praxisöffnungszeiten stets zuerst ihre Hausarztpraxis kontaktieren müssen.
Vor dem Hintergrund der Landtagswahlen in Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern im September widersprach Reinhardt AfD-Positionen, die ausländische Ärzte als kaum geeignet bezeichnen. Ausländische Kolleginnen und Kollegen seien in Krankenhäusern, Reha-Kliniken und der ambulanten Versorgung bereits heute nicht zu ersetzen. Die AfD-Forderung „Medizinstudenten statt Importärzte“ wies Reinhardt als plakative Zuspitzung zurück. Deutschland brauche ausreichend Studienplätze, müsse aber auch Ärztinnen und Ärzten aus dem Ausland die Möglichkeit geben, hier zu arbeiten.
Die geplante Krankschreibungspflicht ab dem ersten Krankheitstag lehnte Reinhardt grundsätzlich ab. Die telefonische Krankschreibung solle erhalten bleiben, da sie Praxen entlaste und lediglich rund 1,2 Prozent der Krankheitstage ausmache. Den Krankenstand beeinflussten vor allem Betriebsklima, Arbeitsbedingungen und Wertschätzung.
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