Brandenburgs Geburtskliniken schließen vor der Reform: Wirtschaftsdruck überholt die Planung

Wirtschaftlicher Druck zwingt Brandenburger Krankenhausträger zur Schließung von Geburtskliniken noch vor der Krankenhausreform. Lange Anfahrtswege gefährden die Versorgung im ländlichen Raum…

17. Juli 2026
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In Brandenburg bauen Krankenhausträger ihre Geburtshilfe ab, noch bevor die Krankenhausreform greift. Wirtschaftlicher Druck treibt Schließungen voran, die eigentlich erst durch die Reform kommen sollten. Betroffen sind unter anderem Templin, Eisenhüttenstadt, Forst, Ludwigsfelde, Strausberg und zuletzt das Potsdamer St. Josefs-Krankenhaus.

Gesundheitsminister René Wilke (SPD) bestätigt diesen Mechanismus. Manche Träger warteten die Reformvorgaben nicht ab, weil sie bereits wüssten, dass bestimmte Leistungen künftig nicht mehr finanziert würden. Anfahrtswege von bis zu 40 Minuten zur nächsten Geburtsklinik bezeichnet Wilke selbst als grenzwertig.

Die sinkende Geburtenzahl liefert den strukturellen Hintergrund. In ganz Brandenburg kamen 2026 rund 15.000 Kinder zur Welt, 2016 waren es noch knapp 21.000. Allein im Klinikum Neuruppin lag die Zahl in den 1980er Jahren noch weit über dem Doppelten des heutigen Wertes von rund 500 Geburten pro Jahr. Chefarzt Thomas Schmitz hält die Bündelung von Ressourcen und Fachkräften an weniger, dafür besser ausgestatteten Kliniken grundsätzlich für richtig.

Hebamme Sylke Barthel, seit über 40 Jahren am Ruppiner Klinikum tätig, warnt dagegen vor den Folgen langer Anfahrtswege, besonders im ländlichen Raum. Für manche Frauen seien 50 oder 60 Minuten schlicht zu weit, auch mit dem Rettungswagen. In Potsdam hingegen bleibt die Versorgung geografisch nah, die Wahlfreiheit sinkt jedoch, da die Geburtshilfe nun am Klinikum Ernst von Bergmann konzentriert wird. Proteste sind geplant.

Quelle:
rbb24.de

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