Ambulant vs. Stationär: Was wollen die Patienten?

21. Juni 2023

Warum werden diejenigen, die es betrifft, nicht gefragt?

Einmal im Jahr befragen die Asklepios Kliniken in der Studie „Gesundheit und medizinische Versorgung heute und morgen“ Patienten nach ihren Behandlungswünschen. Dabei zeigt sich: Das Vertrauen in ambulante Operationen wächst. Allerdings zeigt die Studie auch, dass Patienten die Sektoren ambulant und stationär immer noch stark getrennt denken. Dabei verbinden Praxiskliniken längst die Vorteile beider Sektoren und sind damit der Schlüssel für ein Gelingen der Ambulantisierung des OP-Wesens.

Rund drei von vier Befragten begrüßen den Trend zur Ambulantisierung von medizinischen Behandlungen und Operationen „sehr“ oder „eher“. Zu diesem Schluss kommt eine im Mai 2023 veröffentlichte Studie der Asklepios Kliniken. Dabei würden sich sogar 60 Prozent der Befragten eher für eine ambulante Operation entscheiden, bei der sie am gleichen Tag wieder nach Hause zurückkehren könnten, statt für die Möglichkeit eines stationären Aufenthalts.

Wo genau die ambulante Behandlung stattfinden soll, darin sind sich die Patienten jedoch uneins. Rund die Hälfte der Patienten würde die ambulante Behandlung im Krankenhaus durchführen, die andere Hälfte lieber in einer Praxis durch einen niedergelassenen Facharzt. Entscheidendes Kriterium für die eine oder andere Seite ist vermutlich die persönliche Einschätzung der Patienten darüber, wer über die bessere Ausstattung verfügt und wo eventuelle Komplikationen besser versorgt werden können. Klinik oder Praxis? Das ist hier die Glaubensfrage. Oder etwa doch nicht?

„Seit mehr als 20 Jahren stellen sogenannte Praxiskliniken und ambulante OP-Zentren unter Beweis, dass sich die Vorteile beider Welten – Praxis und Krankenhaus – ohne Probleme bündeln lassen.“, weiß Dr. Rüdiger Söder, Präsident der Deutschen Praxisklinikgesellschaft (PKG). Die Gesellschaft setzt sich seit Jahren für die Überwindungen der überholten Sektorengrenzen in Deutschland ein. In Praxiskliniken operieren niedergelassene Fachärzte ambulant und sind – dank einer kleinen Bettenzahl – in der Lage, Patienten bei größeren ambulanten Eingriffen für eine erweiterte Nachsorge für ein bis zwei Tage in der Praxisklinik zu behalten. „Praxiskliniken haben ähnlich wie ein Krankenhaus mehrere Fachabteilungen unter einem Dach. Sie bieten höchste medizinische Standards und modernes Equipment. Hinzu kommen motivierte Ärzte und Pfleger, die sich dank eines niedrigeren Pflegeschlüssel, wirklich um die Patienten kümmern können. Wenn wir die Sektorengrenze im Gesundheitswesen tatsächlich überwinden wollen, dann reicht es nicht, ambulante OPs in Krankenhäuser zu ziehen. Wir müssen stattdessen die Praxiskliniken ausbauen und noch besser mit den Krankenhäusern vernetzen.“ Söder versteht nicht, warum Politiker immer wieder sagen, dass sie die Sektorengrenze überwinden wollen, sich aber dann kaum oder gar nicht mit den Playern beschäftigen, welche die Grenze in der klinischen Praxis längst überwunden haben.

Zu den großen politischen Denkfehlern der geplanten Reformen gehört die Annahme, dass sich die Effizienz ambulanter Operationen 1 zu 1 in ein Krankenhaus integrieren lasse. Dies sei jedoch nicht der Fall. „Das ambulante Operieren erfordert einen eigenen Prozess und eine eigene Infrastruktur. Darauf sind Krankenhäuser nicht ausgelegt. Wenn Sie das ambulante Operieren einfach nur in die Kliniken bringen, ist es, als würden Sie mit einem riesigen Öltanker durch die kleinen Kanäle Venedigs manövrieren. Das funktioniert nicht. Sie brauchen ein kleineres Boot.“, erklärt Stefan Elmshäuser, Geschäftsführer der PKG. Genau hier kämen die Praxiskliniken ins Spiel, die seit 20 Jahren Knowhow bezüglich sogenannter krankenhausersetzender Operationen aufgebaut haben.

Bereits in der Vergangenheit wurde versucht, die Weichen im Gesundheitswesen Richtung Ambulantisierung zu stellen. Doch trotz des großen Drucks auf die Krankenhäuser, werden Patienten weiterhin ambulante Eingriffe vorenthalten, die in den Praxiskliniken bereits standardmäßig ambulant durchgeführt werden. Dazu zählen zum Beispiel Kreuzbandplastiken, Schulteroperationen, ein Großteil der Leistenhernien-, Krampfader-Operation, ein Großteil der gynäkologischen Operationen und viele mehr.

Mit all diesen Operationen lassen sich in einem stationären Setting höhere Erlöse erzielen. Kein Wunder, dass Krankenhäuser wenig motiviert sind, den Weg der Ambulantisierung zu beschreiten, wie die Praxisklinik es längst getan haben.

Laut § 122 des SGB V sollte die Möglichkeiten der stationsersetzenden Behandlung der Praxisklinik auch schon längst in einem eigenen Leistungs- und Rahmenvertrag festgehalten werden. Ein solcher Vertrag wurde jedoch bisher vom Spitzenverband der Krankenkassen mit Blick auf die finanzielle Versorgung der Krankenhäuser immer wieder ausgebremst. Dabei würden vom Ausbau der ambulanten OP-Wesens nicht nur die Patienten profitieren, sondern auch das Gesundheitswesen insgesamt. Das sagen mittlerweile sogar 88 Prozent der befragten Patienten der zuvor bereits zitierten Asklepios-Studie. „Fest steht: Die Ambulantisierung des Gesundheitswesens ist von den Patienten nicht nur gewollt, sondern auch verstanden.“, führt Stefan Elmshäuser von der PKG aus. „Ohne die konsequente Förderung der Praxisklinken wird dieser Schritt jedoch nicht zu den gewünschten Ergebnissen führen. Die Pläne, wie Praxiskliniken und Krankenhäuser ihre Synergien bündeln können, liegen seit Jahren auf dem Tisch. Es ist höchste Zeit, sie gemeinsam umzusetzen und in unserem Gesundheitssystem nicht mehr nur einseitig auf das klassische Krankenhaus zu fokussieren.“

Quelle: Press Network
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