Crailsheim: "Defizit im Rahmen halten"

10. August 2022

Das Crailsheimer Kreisklinikum hat 2021 ein Rekord-Defizit von fünf Millionen Euro erwirtschaftet. An welchen Stellschrauben muss der Landkreis als Betreiber ansetzen, damit das Krankenhaus wirtschaftlicher arbeitet?

Stephen Brauer: Mit der Entscheidung, ein Haus dieser Größe zu betreiben, hat sich der Landkreis dafür entschieden, jährlich ein großes Defizit zu schultern. Denn entgegen der ursprünglich von der Verwaltung in Aussicht gestellten „Schwarzen Null“ ist auch weiterhin mit einem negativen Ergebnis zu rechnen. Die Rahmenbedingungen der Krankenhausfinanzierung machen ein wirtschaftliches Betreiben dieses medizinisch gut geführten Hauses nahezu unmöglich. Jetzt gilt es, das Defizit im Rahmen zu halten, um nicht eines Tages zweistellige Millionenbeträge nachschießen zu müssen.

Das ebenfalls vom Landkreis betriebene Medizinische Versorgungszentrum schreibt hingegen erstmals schwarze Zahlen. Wäre das nicht ein Anlass, mehr Ärzte einzustellen, um zum Beispiel die Versorgung im Bühlertal zu verbessern?

Das MVZ des Landkreises hat auch die Aufgabe, die Versorgung in den Landgemeinden sicherzustellen. Dass dies nur teilweise gelingt, hat aber keinen finanziellen Hintergrund. Es gibt schlicht und ergreifend keine Ärzte, die man einsetzen könnte. Deshalb hat der Kreistag ja auch auf Anregung der FDP-Fraktion ein Landarztstipendium ausgelobt, das gut angenommen wird. Das positive Ergebnis des MVZ ist zudem Corona und dem Betreiben eines Impfbusses geschuldet. Dieser Sondereffekt fällt in Zukunft weg.

Was kann die grün-schwarze Landesregierung tun, um die medizinische Versorgung im ländlichen Raum zu verbessern?

Von einer Landarztquote, wie sie die CDU will, halte ich nichts. Hier müssten sich Studierende verpflichten, auf dem Land zu arbeiten, um einen Studienplatz zu erhalten. Solche Zwangsmaßnahmen führen zu Ärzten zweiter Klasse. Vielmehr geht es darum, die Zahl der Studienplätze zu erhöhen und auch Abiturienten mit einer Zwei vor dem Komma die Aufnahme des Studiums der Allgemeinmedizin zu ermöglichen. Nachlaufende Studiengebühren, die bei einem Einsatz im Ländlichen Raum erlassen werden könnten, wäre ein weiterer Schritt in die richtige Richtung. Vor allem aber muss der Druck auf die Kassenärztliche Vereinigung erhöht werden, damit diese die Arztsitze bedarfsgerechter verteilt.

Die Fragen stellte Gottfried Mahling

Quelle: Pressemeldung – klinikum-crailsheim.de
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