Das Thema Qualität rückt weiter in den Mittelpunkt – Zeit zu handeln

29. Juni 2011

Am 22.06.2011 ist der Beschluss des Gemeinsamen Bundesausschusses (G-BA) vom 19.05.2011 bekanntgegeben worden, wonach in den Qualitätsberichten der Krankenhäuser künftig 182 Qualitätsindikatoren (QI) zu veröffentlichen sind. Damit rückt das Thema Qualität weiter in den Mittelpunkt. Waren bisher 28 Indikatoren aus elf Leistungsbereichen zu veröffentlichen, so sind es nunmehr 182 Indikatoren aus 25 Leistungsbereichen. Damit hat sich die Anzahl der zu veröffentlichenden Indikatoren fast versechsfacht! Dies ist ein weiterer wichtiger Schritt, um medizinische Qualität von Krankenhäusern vergleichbar zu machen. Der G-BA ist damit den Forderungen von Patientenvertretern und Krankenkassen nachgekommen, mehr Transparenz bei der Leistungserbringung von Krankenhäusern zu schaffen. Es kann dahinstehen, ob die ausgewählten Indikatoren in einer unkommentierten Form für die Information von Patienten geeignet sind.

Auf zwei Entwicklungen müssen sich Krankenhäuser schon jetzt vorbereiten:

  • Die Krankenkassen werden die Informationen mit großem Interesse zur Kenntnis nehmen und hieraus ihre Schlüsse ziehen. Sie werden relevante Abweichungen in den Budgetverhandlungen 2012 thematisieren.
  • Das Thema Gesundheit und Qualität der Leistungen rückt immer mehr in den öffentlichen und somit auch in den Fokus der Medien. Die Veröffentlichung der QI in den Qualitätsberichten wird die Presse zu entsprechenden Analysen motivieren. Diese Ergebnisse werden auf jeden Fall für ein Ranking zwischen den Krankenhäusern genutzt werden, wie dieses bereits einige Internetportale praktizieren.

Hintergrund
Die Beschlüsse im Rahmen der gesetzlichen Qualitätssicherung nach §137 SGB V sind für alle zugelassenen Krankenhäuser unmittelbar verbindlich. Hierzu müssen die Krankenhäuser, parallel zu den Abrechnungsdaten, für definierte Leistungsbereiche klinische Daten erheben. Je nach Leistungsbereich schwankt dies zwischen 18 Datenfeldern beim Dekubitus bis hin zu 64 Feldern bei Koronarangiographie und Perkutaner Koronarintervention (PCI) und Interventionen. Die Daten werden jährlich auf Landes- bzw. Bundesebene ausgewertet. Hierzu müssen die Krankenhäuser bisher 80% aller Fälle eines Jahres dokumentieren und für die Auswertung zur Verfügung stellen. Das Nichterfüllen der 80%-Quote ist rechtlich sanktioniert. Nach Übermittlung der Daten erhalten die Krankenhäuser zwischen April und Juni des Folgejahres ihre Ergebnisse. Wenn Abweichungen von den Zielvorgaben bestehen, müssen diese im Rahmen von strukturierten Dialogen zwischen dem Krankenhaus und Fachexperten erläutert werden.

Auch wenn das Verfahren der Qualitätssicherung nach §137 SGB V technisch und organisatorisch zwischen den Beteiligten etabliert ist, gibt es aufseiten der Krankenhäuser immer noch Schwächen. Denn in vielen Krankenhäusern erfolgt die Datenerhebung „notgedrungen“ und eine Qualitätssicherung der Datenhebung selbst beschränkt sich auf die Vollständigkeit der Dokumentation unter Beachtung möglicher finanzieller Sanktionen. Die große Überraschung erfolgt für viele Krankenhäuser, wenn die Ergebnisse bereitgestellt werden. Im Ergebnis bedeutet dies, dass in solchen Strukturen Dokumentations- und Qualitätsprobleme erst nach über einem Jahr auffallen. Bis dann Maßnahmen zur Qualitätsverbesserung umgesetzt sind, vergehen so schnell bis zu zwei Jahren. Damit verlieren die Krankenhäuser wertvolle Zeit; diesen „Luxus“ wird man sich zukünftig nicht mehr erlauben können.

Neuerungen
Die 182 Indikatoren mit Veröffentlichungspflicht beziehen sich auf insgesamt 25 der 30 Leistungsbereiche des QS-Verfahren nach 137 SGB V. In den 25 Leistungsbereichen sind auch die Kardiochirurgie und Transplantationschirurgie enthalten, die nur Maximalversorger mit entsprechenden Fachabteilungen betreffen. Die verbleibenden 15 Leistungsbereiche aus der Chirurgie, Endoprothetik, invasiven Kardiologie, Gynäkologie/Geburtshilfe sowie Pneumologie und Dekubitus mit über 100 Indikatoren betreffen fast alle deutschen Krankenhäuser.

Notwendige Handlungsfelder für Krankenhäuser
Bisher beschränkte sich die Veröffentlichungspflicht auf wenige, in der Regel unkritische, Indikatoren. Das hat sich geändert. Die Entscheidung des G-BA zwingt die Krankenhäuser, hier zu handeln. Um vor Überraschungen gefeit zu sein, müssen bereits im Erfassungsjahr die Daten zeitnah und entsprechend der Vorgaben analysiert werden. Die Voraussetzung hierfür ist, dass die Daten parallel oder direkt nach Abschluss der Leistungserbringung erfasst werden. Die Erfahrung zeigt, dass die Qualität der Daten in der Regel besser ist und leidige Dokumentationsproblem, wie z. B. die Angabe der falschen OP-Seite, bei der Indikationsstellung deutlich reduziert werden.

Mit der DRG-Einführung haben die Krankenhäuser feste Strukturen für die Leistungsabrechnung aufgebaut. Es verlässt in keinem deutschen Krankenhaus mehr ein Abrechnungsdatensatz das Haus, ohne dass er mehrfach geprüft wurde. Vergleichbare Strukturen und Kompetenzen, die wie im Kodierprozess über eine bloße technische Prüfung hinausgehen, sind nunmehr auch im QS-Verfahren notwendig.

Dabei sind die Besonderheiten der Qualitätssicherung zu berücksichtigen. Zunächst sind die Algorithmen zur Bildung von Qualitätsindikatoren zum Teil hochkomplex. Des Weiteren wird bei der Qualitätssicherung die Summe der Fälle betrachtet. Hieraus ergeben sich eine Vielzahl von Wechselwirkungen. Ein Krankenhaus ist daher gut beraten, wenn es seine Daten unter den gleichen Routinen wie die externen Stellen auf Landes- und Bundesebene prüft. Dies geht aufgrund der Komplexität der QIs nur mit EDV-gestützen Werkzeugen, die neben der bloßen Abbildung der Indikatoren auch eine Analyse der einzelnen QS-Vorgänge ermöglichen. Das Erfüllen dieser technischen Voraussetzungen allein genügt jedoch nicht. Es ist von besonderer Bedeutung, dass eine interne Kommunikationsstruktur unter Einbindung der Geschäftsführung und der Kliniker geschaffen wird. Ein bloßes Versenden von QS-Reports erzeugt in der Regel keine Akzeptanz. Es ist ein institutionalisierter Dialog zwischen Klinikern und QS-Verantwortlichen notwendig. Denn nur durch die technische und inhaltliche Organisation kann Qualitätsmanagement zu einem gelebten Prozess werden.

Zusammenfassung
Der Beschluss des G-BA wird mit Sicherheit nicht der letzte Schritt in Sachen Qualitätstransparenz im Gesundheitswesen gewesen sein. Gesetzgeber, Patientenvertreter und auch die Krankenkassen werden darauf drängen, weitere Indikatoren zu veröffentlichen. In den nächsten Jahren werden daher mehr als 80% der Fälle erfasst werden und die QS-Daten werden durch die Verprobung mit Abrechungsdaten validiert werden.

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Quelle: ANDREE CONSULT
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