Die Woche 05 | 2018 - Die Pflege - immerwährende Herausforderung

1. Februar 2019

So langsam wird die Frage doch immer präsenter: Woher die Pflegekräfte nehmen? Nehmt so viele Fachkräfte wie nötig, die Kosten werden nun anderweitig getragen. Doch die Praxis zeigt: Der Weg ist gut, doch die Menschen für eine erfolgreiche Umsetzung müssen wir erst noch finden – bzw. in den Unternehmen halten können.

„Um mehr Pflegekräfte zu gewinnen, müssen wir sie besser bezahlen und ihre Ausbildungs- und Arbeitsbedingungen verbessern…“

Bundesgesundheitsminister Spahn, Bundesfamilienministerin Giffey und Bundesarbeitsminister Heil haben am 3. Juli 2018 die Konzertierte Aktion Pflege in Berlin gestartet.

„…Auch das Gesundheitsministerium wird sich an der Ausbildungsförderung beteiligen. Wer sich vom Pflegehelfer zur Pflegefachkraft weiterqualifizieren möchte, soll künftig weiter das Pflegehelfergehalt bekommen können…“

Nun zeigt die Aktion erste Erfolge: Bis zum Jahr 2023 soll die Zahl der Auszubildenden in der Pflege um zehn Prozent steigen. Außerdem werden mehr Ausbildungsplätze und Weiterbildungsplätze geschaffen

„…Mit dem Pflege-Paket heute legt die Konzertierte Aktion erste Ergebnisse vor. Das ist ein Anfang, um Pflege attraktiver zu machen. Mitte des Jahres folgt dann das Gesamt-Paket…“ Bundesgesundheitsminister Jens Spahn.

Im Beisein von drei Bundesministern wurde die Ausbildungsoffensive Pflege für die kommenden vier Jahre gestartet. Sie soll mithilfe von 111 Maßnahmen Menschen für die Pflegeberufe begeistern und die Bedingungen der Ausbildung verbessern. Darunter sind folgende Kernpunkte zu verzeichnen:

  • Mehr Ausbildungs-, Weiterbildungs-, Schul- und Studienplätze werden geschaffen.
  • Eine bundesweite, Informations- und Öffentlichkeitskampagne für den Pflegeberuf startet.
  • Krankenhäuser und Pflegeeinrichtungen werden gefördert, die Vereinbarkeit von Pflege, Familie und Beruf zu verbessern. Auch die     betriebliche Gesundheitsförderung soll verbessert werden.
  • Die Weiterbildung von Pflegehelferinnen und –helfern zu Pflegefachpersonen wird besser gefördert.
  • Die Verbände der Pflegeeinrichtungen stellen mindestens 5.000 Weiterbildungsplätze für die Ausbildung von Pflegehelferinnen und -helfern zur Verfügung.

Wir begrüßen die Ergebnisse ausdrücklich. Mit der Ausbildungsoffensive für Pflegeberufe ist ein wichtiger Schritt auf dem Weg zur Gewährleistung der künftigen pflegerischen Versorgung verabschiedet worden“, kommentiert Peter Bechtel, Vorstandsvorsitzender des Bundesverbands Pflegemanagement. "Unsere Forderung geht jedoch weiter. Für eine nachhaltige Umsetzung ist ein entsprechendes Geschäftsmodell mit Projekt- und Budgetplan sowie entsprechenden Prozessen und Controlling über alle Maßnahmen hinweg erforderlich. Aus unserer Sicht kann dies nur durch ein Bundesinstitut für Pflege sichergestellt werden“, so Bechtel weiter.

In einem Gespräch mit dem MDR-Magazin "Hauptsache Gesund" äußern Pflege-Experten ebenfalls ihre Zweifel an den von der Bundesregierung vorgestellten Plänen für die Pflege-Ausbildung. Laut den Experten müsse es dringend ein politisches Umdenken geben. Anstatt mehr Stellen zu schaffen sei es wichtiger bestehende Pflegekräfte zu unterstützen und den Beruf für Wiedereinsteiger attraktiv zu machen.

Die jährliche Umfrage von Roland Berger zeigte auch, dass die Besetzung offener Stellen in der Pflege darüber hinaus für mehr als 80 Prozent der befragten Krankenhausmanager eine große Herausforderung darstellt. Denn auch wenn mehr Plätze geschaffen werden sollen: Etwa 40 Prozent der Krankenhäuser gaben an, für die Besetzung einer Pflegestelle üblicherweise mehr als drei Monate oder sogar mehr als ein halbes Jahr zu benötigen.

„Der daraus resultierende Engpass kann sowohl zu einer Unterversorgung von Patienten, zu höheren Belastungen für das Stammpersonal durch Überstunden oder auch einer steigenden Inanspruchnahme von Zeitarbeit führen“, betonten die Autoren.

Auch DBfK-Präsidentin Prof. Christel Bienstein hat eine klare Meinung zu den Vorhaben. „...Es reicht allerdings bei weitem nicht aus, nur die Zahl der Ausbildungsplätze zu steigern und die Jobsicherheit der Branche zu betonen. Solange die Voraussetzungen für eine Ausbildung auf gutem Niveau und ein Verbleiben im Beruf nicht stimmen, wird die Offensive wenig ausrichten können. Die Arbeitsbedingungen, insbesondere die Pflegefachpersonalbesetzung, sind sofort und spürbar zu verbessern

Die Pflege als Beruf, die Herausforderung Menschen langfristig für die Pflege zu begeistern und Arbeitszeitmodelle, die auf Dauer keinem biologischen Rhythmus etwas Gutes tun –

Wir können unsere Energie sowohl in neue Konzepte bei der Ausbildung als auch in die Umverteilung von Arbeitsprozessen investieren. Es wird immer eine Herkulesaufgabe bleiben unsere Gesundheit langfristig qualitativ abgesichert zu wissen. Wohl, weil nichts so unsicher ist wie die Zukunft des Gesundheitswesens.

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Quelle: Sophie Kühnhausen - medinfoweb.de
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