Die Woche 32 | 2018 – Zahlen statt Parolen

10. August 2018

Da muss er wohl kurz Pause machen – der allseits so beliebte Medienzug, und kurz innehalten für die neusten Zahlen und Fakten. Was der Spahnplan für die nahe Zukunft anpeilte, ist in den Jahren 2016 und 2017 schon nahezu erreicht worden. Im Jahr 2017 versorgten 328.500 Pflegevollkräfte knapp 19,5 Millionen stationär im Krankenhaus behandelte Fälle. Wie das Statistische Bundesamt (Destatis) nach vorläufigen Ergebnissen weiter mitteilt, waren das 3 400 Pflegevollkräfte oder 1,0 % mehr als im Jahr zuvor. Bei Vollkräften handelt es sich um die auf die volle tarifliche Arbeitszeit umgerechneten Beschäftigten im Pflegedienst.

Für die Jahre 2016 und 2017 sind es insgesamt rund 8.000 Pflegevollkräfte. Die durchschnittliche Bettenauslastung lag bei 77,8 %. Der Krankenhausaufenthalt dauerte im Durchschnitt 7,3 Tage. 

Die Zahlen machen deutlich, dass die Krankenhäuser in dem Maße einstellen, wie der Arbeitsmarkt es möglich macht. „Die immer wieder vorgetragene Behauptung, Krankenhäuser würden aus Gründen der „Gewinnmaximierung“ Stellen nicht besetzen, ist schlichtweg falsch und wird durch Wiederholung nicht besser. Die Kliniken stellen ein und würden gerne noch mehr einstellen. Aber der Arbeitsmarkt gibt das nicht her“, betonte Georg Baum, Hauptgeschäftsführer der Deutschen Krankenhausgesellschaft.

In allen Bereichen des Personals findet ein Zuwachs statt. Im nichtärztlichen Personal, das auch andere pflegeunterstützende Tätigkeiten umfasst, beträgt der Zuwachs 3,6 Prozent. Alleine 2017 sind hier 26.000 neue Stellen geschaffen worden.

Das ist den Deutschen aber nicht genug. Gerade was die Pflege angeht, werden große Zweifel gegenüber den neuen Gesetzesentwürfen gehegt, genauso wie an ihren Schöpfern. Jens Spahn polarisiert, seine Gesundheitspolitik spaltet die Professionen und die Themen, zu denen er sonst noch eine feste Meinung hat  ... nunja - Er polarisiert. Bezogen auf die neueste Verabschiedung: Laut dem am Freitag veröffentlichten ARD-Deutschlandtrend geben 84 Prozent der Befragten an, sie glaubten nicht dass sich durch konkrete Vorgaben für Krankenhäuser die Situation der Patienten verbessert. Hierbei geht es um das diese Woche vom Kabinett beschlossene Maßnahmenpaket für eine bessere Personalsituation in der Pflege. Wie schon häufig von uns berichtet, sollen in Deutschlands Kliniken ab 2020 Personaluntergrenzen eingeführt werden, die sich am Pflegeaufwand bemessen. Bei Unterschreitung der noch nicht bestimmten Grenze drohen einem Krankenhaus Honorarkürzungen. Der ARD-Deutschlandtrend zeigt auch, dass die Pflege- und Gesundheitspolitik für die Deutschen zum Top-Thema geworden ist. Ganze 69 Prozent informieren sich, wollen informiert werden, halten diesen Bereich für sehr wichtig.

Dass Zahlen nicht immer wegweisend sein müssen, gibt aktuell Professor Gerd Antes, Co-Direktor von Cochrane Deutschland und wissenschaftlicher Vorstand der Cochrane Deutschland Stiftung in Freiburg, zu bedenken. Er warnt davor, dass das Thema Big Data und die damit zu erwartenden valideren Erkenntnisse und damit bessere Diagnose- und Therapiemöglichkeiten im Gesundheitswesen viel zu unkritisch betrachtet wird. Warum mehr Daten eben nicht unbedingt mehr Wissen bedeuten und wie ein verantwortungsvoller Umgang damit aussehen sollte, legt er in seiner mit Spannung erwarteten Keynote „Big Data – Datenrauschen auch in der Geriatrie?“ dar.

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Quelle: Sophie Kühnhausen - medinfoweb.de
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