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Die Woche 34 | 2018 – Die Bedeutung der Marke

Seit ein paar Monaten nun darf sich Schleswig-Holstein mittels Pflegekammer zu pflegerelevanten, politischen Themen äußern oder selbst relevante Themen ansprechen. Also machte das Land jetzt darauf aufmerksam, dass die Versorgungssituation in den kommenden 10 Jahren drastische Veränderungen durchleben muss. Um diese Entwicklung abzumildern oder sogar verhindern zu können, braucht die Pflegekammer mehr politischen Einfluss. Die Kammer stützt sich in ihrer Prognose auf eine Analyse der Altersstruktur ihrer registrierten Mitglieder. Von den derzeit 21.441 Mitgliedern sind 40 Prozent mindestens 51 Jahre alt, aber nur 6,5 Prozent älter als 61. "Es ist also anzunehmen, dass der überwiegende Anteil der über 60-Jährigen den Beruf vor der Regelaltersgrenze verlässt", warnte die Kammer. Der Mehrwert durch mehr politischen Einfluss müsste dann relativ zügig deutlich werden.

Den negativen 10-Jahres-Trend spürt man in der Kinder- und Jugendmedizin schon heute. „Die meisten Kinderkliniken und Fachabteilungen für Kinder- und Jugendmedizin befinden sich in einer bedrohlichen Lage. Sie werden immer häufiger zu Verlierern in einem System, das auf die Bedürfnisse ihrer kleinen Patienten aus wirtschaftlichen Gründen kaum noch Rücksicht nimmt“, stellt Professor Dr. Berthold Koletzko, Vorsitzender der Stiftung Kindergesundheit, fest. „Kinderkliniken sind chronisch unterfinanziert und machen Verluste. Die Pflegekräfte und Ärzte sind überlastet und es fehlen massiv Arbeitskräfte, um die Versorgung in der bisher gewohnten und für Kinder so wichtigen hohen Qualität aufrecht zu erhalten.“ ... „Besonders deutlich verschlechtert haben sich in den vergangenen Jahren die Bedingungen in den Schwerpunkt- und Universitätskliniken für Kinder- und Jugendmedizin. „Die Personalkapazität für die Versorgung gerade dieser Kinder ist heute deutlich schlechter als noch vor zehn Jahren und viel schlechter als in einigen europäischen Nachbarländern“, so Koletzko.

Doch was machen, wenn die Ökonomisierung ohne Einbeziehung an einem vorbeizieht, oder man die numerischen Fakten besser nicht mehr ignorieren sollte? Als Arbeitgeber sollte man zumindest nicht nur situativ handeln, sondern vor allem strategisch in die Zukunft blicken. Denn es scheint, als wäre die Bedeutung der erfolgreichen Rekrutierung im ´war of talent´ nie größer gewesen. Die Talente, die man rekrutieren kann, muss man also erstmal von sich als Arbeitgeber überzeugen, sich also professionell vermarkten. Im Gesundheitswesen sind wir an diesem Punkt angekommen. Somit stellen sich immer mehr Kliniken die Frage: Wie kann das Erfolgspotenzial von Employer Branding im eigenen Unternehmen realisiert werden?

Genau damit hat man sich in Dortmund auseinandergesetzt. Das Klinikum ist für den „ZEIT Karriere Award 2018“ in der Sonderpreis-Kategorie „Innovative Employer Branding Kommunikation außerhalb Wissenschaft“ nominiert worden. Die hochkarätige Jury lobt bereits mit der Nominierung konkret das Klinikum-Projekt „Rhythmus von Teamarbeit“, in dem Marc Raschke, Leiter der Unternehmenskommunikation, gemeinsam mit dem Orchesterzentrum NRW aus OP-Geräuschen eine percussionartige Musik geschaffen und diese als Video online gestellt hatte. „Das Video überträgt mit einem Augenzwinkern das Thema Orchester und Zusammenspiel auf die OP-Welt und dient uns zur Image-Bildung und natürlich auch zur Mitarbeiter-Rekrutierung“, so Raschke.

Ausgezeichnet werden ebenfalls die besten Stellenanzeigen (innerhalb und außerhalb Wissenschaft) sowie die beste Imageanzeige.

Wie obskur die Ideen allerdings werden können, wenn nicht nur das Personal, sondern auch die nötigen Betten fehlen, zeigt uns Großbritannien. Anstatt eines Klinikaufenthalts überlegt das britische Gesundheitsministerium nun, operierte Patienten in Privathaushalten unterzubringen. Im Gespräch ist, privaten Vermietern "rund 50 Pfund pro Nacht" (umgerechnet knapp 60 Euro) zu bezahlen. Maximal soll es einem Vermieter möglich sein, "1000 Pfund monatlich" (1150 Euro) mit der Unterbringung von Klinikpatienten zu verdienen. Landesweite Proteste und harte Kritik von allen Seiten sind Folge des skurrilen Einfalls, denn trotz der tausenden fehlenden Betten und dem schlechten ambulanten Versorgungsangebot, die Gefahr einer zu frühen Entlassung und dem damit einhergehenden Nichteinhalten des Versorgungsauftrages, ist sehr hoch.

Denken in Jahrzehnten.

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Quelle: Sophie Kühnhausen - medinfoweb.de
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