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Ein System unter Druck – Gesundheitsversorgung braucht klare Leitplanken und mehr Eigenverantwortung

15. Mai 2024

Unser solidarisches Gesundheitssystem gerät zunehmend unter Druck.

Um die vorhandenen Strukturen sinnvoll zu nutzen, statt immer mehr Geld in ein krankes System zu stecken, fordert der BKK Dachverband gemeinsam mit dem Hartmannbund eine grundlegende Neustrukturierung des Gesundheitssystems und eine effizientere Nutzung der vorhandenen Ressourcen. Die Gesundheitsversorgung müsse stärker auf dringende Patientenfälle und Prävention ausgerichtet werden, mit klaren Leitplanken für die Steuerung der Patientinnen und Patienten durch das Versorgungssystem und mit mehr Eigenverantwortung bei der Erbringung und Inanspruchnahme medizinischer Leistungen, sind sich der Vorstandsvorsitzende des BKK Dachverbandes, Franz Knieps, und der Vorsitzende des Hartmannbundes, Dr. Klaus Reinhardt, einig.

Viele der heutigen Versorgungsprobleme haben ihre Ursache in strukturellen Defiziten. So beruht der Personalmangel im Gesundheitssystem vor allem auf einem Verteilungs- und Zuordnungsproblem von Patientinnen und Patienten, die mehr oder weniger ungesteuert auf dafür nicht vorbereitete Strukturen treffen. Daraus resultieren unnötige Arztkontakte in Praxen, Notaufnahmen und Krankenhäusern und damit die Bindung von Zeit und Ressourcen des Systems, was wiederum Auswirkungen auf die Versorgung anderer Patientinnen und Patienten hat. Kurzum: Das gegenwärtige Versorgungssystem stößt an seine Grenzen.

„Halbherzige Reformversuche, die ein krankes System immer wieder mit mehr Geld und alten Ideen kurieren wollen, stattdessen aber Fehlanreize und Verteilungsprobleme zementieren, helfen nicht mehr weiter“, so Franz Knieps. „Unser solidarisches Gesundheitssystem braucht endlich einen großen Wurf und einen völlig neuen, innovativen Ansatz. Nur, wenn wir den Zugang zum System intelligent steuern, die Prävention stärken und die vorhandenen Ressourcen optimal nutzen, können wir die Gesundheit aller und die Resilienz des Systems verbessern und damit unser solidarisches Gesundheitssystem fit für die Zukunft machen.“

Der BKK Dachverband und der Hartmannbund fordern daher ein Umdenken aller Beteiligten im Gesundheitswesen. Strukturen und Angebote müssen mit aller Kraft auf Prävention und sinnvolle, intuitive Zugangswege ausgerichtet werden. Dies reduziert Versorgungsbedarfe in der Zukunft und ermöglicht eine effiziente und zielgerichtete Verteilung der knappen Ressourcen dorthin, wo sie am dringendsten benötigt werden. „Das Gesundheitswesen braucht künftig Patientinnen und Patienten, die aufgeklärter und bewusster im Gesundheitssystem agieren können. Dazu ist auch ein Mindset-Wandel notwendig, der die Nutzen-Schaden-Bilanz in Bereichen wie Datennutzung oder auch eine fortwährende Lebenszeitverlängerung durch medizinischen Fortschritt neu justiert“, sagt Dr. Moritz Völker, Vorsitzender des Arbeitskreises Junge Ärztinnen und Ärzte im Hartmannbund und Mitautor des Papieres.

„Wir brauchen eine bessere Führung der Patientinnen und Patienten im Versorgungssystem auf klar erkennbaren Behandlungspfaden“, sagt Dr. Klaus Reinhardt. „Das System muss so gestaltet sein, dass dringende Patientenfälle schneller abgeklärt und behandelt werden und die Versorgungsebene der Komplexität des Falles entspricht. Menschen mit Abklärungsbedarf müssen möglichst intuitiv und automatisiert die passende Versorgungsebene finden. Dazu bedarf es einer primär digitalen Versorgungsebene Null, die bei dieser Suche unterstützt und eine Brücke zu allen Versorgungsbereichen bildet. Sogenannte Symptom-Checker zur Selbsteinschätzung spielen hierbei eine wichtige Rolle, indem sie Patientinnen und Patienten bedarfsorientiert weiterleiten und das System entlasten können.“

Quelle: hartmannbund.de
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