Ev. Diakoniekrankenhaus gewinnt Förderpreis „Patient Blood Management“

11. August 2022

Blut ist ein sehr wertvolles Organ und transportiert auch den lebensnotwendigen Sauerstoff durch unsere Gefäße. Als medizinisches Konzept zur Stärkung der körpereigenen Blutreserven trägt „Patient Blood Management (PBM)" wesentlich zu Steigerung der Patientensicherheit bei und wird deshalb bereits seit 2011 von der Weltgesundheitsorganisation für den medizinischen Alltag eingefordert. Das vom deutschen Netzwerk Patient Blood Management 2019/2020 mit dem Silber-Zertifikat und 2020/2021 mit dem Gold-Zertifikat ausgezeichnete Ev. Diakoniekrankenhaus Freiburg ist jetzt auch Gewinner des Förderpreises der pbm Academy Stiftung. Das PBM-Konzept zur „Optimierung bei Schwangerschaftsanämie“ (Blutarmut) wurde von einem unabhängigen Expertenbeirat unter vielen eingereichten Projekten ausgewählt und bekam im Rahmen des Hauptstadtkongresses in Berlin einen Förderbetrag in Höhe von € 20.000 zugesprochen.

Mit „Vergesst die werdenden Mütter nicht!“ initiierte das Ev. Diakoniekrankenhaus unter der Leitung von Prof. Dr. Christoph Wiesenack, Chefarzt der Anästhesiologischen Klinik, ein PBM-Projekt, das die Diagnostik und Therapie des Eisenmangels und der Eisenmangelanämie während der Schwangerschaft verbessern soll. Eisenmangel ist die häufigste Ursache für eine Anämie in der Schwangerschaft. „Eine Eisenmangelanämie in der Schwangerschaft kann sowohl für die Entwicklung des Kindes als auch für die Mutter negative Folgen haben“, erläutert Prof. Dr. Dirk Watermann, Chefarzt der seit dem Jahr 2003 bereits sechs Mal von WHO und UNICEF mit dem Qualitätssiegel „Babyfreundlich“ ausgezeichneten Frauenklinik am Diakoniekrankenhaus. Das interdisziplinäre Konzept "Patient Blood Management" setzt auf die Optimierung einer bestehenden Blutarmut vor einem operativen Eingriff, blutsparende OP-Techniken zur Achtung der körpereigenen Ressourcen und den kontrollierten Einsatz von Fremdblut. „Blut sollte daher wie jedes Medikament nur bei klarer Indikation und im Bewusstsein der durchaus relevanten Nebenwirkungen genutzt werden, da im Grunde jede Bluttransfusion eine kleine Organtransplantation darstellt“, betont Prof. Dr. Christoph Wiesenack. Dieses inzwischen bewährte Konzept wurde jetzt im Rahmen des ausgezeichneten Projektes erstmals in der Geburtshilfe umgesetzt, da es auch unter der Geburt zu starken Blutverlusten kommen kann, die von der Mutter bei einer vorbestehenden Eisenmangelanämie oftmals nicht mehr kompensiert werden.

Statt die Blutarmut (Anämie) großzügig mit den ohnehin oft knappen Blutkonserven zu behandeln, setzt das Ev. Diakoniekrankenhaus bereits seit vielen Jahren auf ein modernes „Patient Blood Management“. So konnte innerhalb weniger Jahre die Anzahl der pro Jahr verwendeten Blutkonserven um die Hälfte reduziert werden. Schließlich birgt ein zu liberaler Umgang mit Blut große Risiken: Bereits die Gabe von einer einzigen Blutkonserve erhöht das Sterblichkeitsrisiko um das Sechsfache. Das Risiko für Wundinfektion verdoppelt sich und das für Lungenkomplikationen verfünffacht sich. Je mehr Blut gegeben wird, umso höher ist die Komplikationsrate. Wie vor einem operativen Eingriff soll mit diesem multidisziplinären "Behandlungskonzept zur Reduktion nicht indizierter Bluttransfusionen" auch bei der Entbindung die bei vielen Patientinnen erforderliche Behandlung einer Eisenmangelanämie vor der Geburt, die Minimierung des Blutverlustes während der Geburt sowie die Optimierung der Anämiebehandlung/-toleranz im Wochenbett verbessert werden. Um dieses Ziel zu erreichen, wird das Ev. Diakoniekrankenhaus zusammen mit den niedergelassenen FrauenärztInnen ein Netzwerk etablieren, dass die Sicherheit der werdenden Mütter in den Vordergrund stellt.

Quelle: Pressemeldung – Evangelisches Diakoniekrankenhaus Freiburg
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