Freie Ärzteschaft: Tarifabschluss des Praxispersonals muss von den Kassen finanziert werden, so wie es bei den Kliniken der Fall ist!

26. Februar 2024

„Um es klar zu sagen – eine Tariferhöhung um 7,4%, wie sie zum 1. März mit den medizinischen Fachangestellten (MFA) in den Arztpraxen vereinbart wurde, haben die Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen verdient“, kommentiert Wieland Dietrich, Vorsitzender der Freien Ärzteschaft e.V. (FÄ), den jüngsten Tarifabschluss zwischen den Ärztinnen und Ärzten und den medizinischen Fachangestellten.

Aber: Diese Tariferhöhungen werden in den Praxen – im Gegensatz zu den Kliniken – weder von den gesetzlichen Krankenkassen noch von den privaten Krankenversicherungen refinanziert. Minister Karl Lauterbach verweigert den Fachärzten weiter das Ende der jahrzehntealten Budgetierung – und auch bei den Hausärzten ist die Entbudgetierung noch längst nicht angekommen“, kritisiert Dietrich. „Es ist eine absurde Politik des Ministers: Einerseits bestätigt und beklagt er selbst lange Wartezeiten bei Ärztinnen und Ärzten – und andererseits führt er kein Ende der Budgetierung herbei – einer Budgetierung, die vor Jahrzehnten eingeführt wurde, um eine angebliche, übermäßige Ausdehnung ärztlicher Tätigkeit zu verhindern.

„Aber es ist noch schlimmer: Der Minister verweigert allen Ärzten die seit inzwischen 28 Jahren überfällige Erhöhung der Gebührenordnung der Ärzte (GOÄ) – der Gebührenordnung für Privatpatienten und Selbstzahler. Das bedeutet, dass auf keiner Honorarebene der Ärztinnen und Ärzte Tarifsteigerungen für medizinische Fachangestellte abgebildet werden.“

Ärztinnen und Ärzten im Gegensatz zu Tierärzten und anderen Freiberuflern in der GOÄ fast 3 Jahrzehnte lang eine Honoraranpassung zu verweigern, sei beispiellos, und inzwischen auch Gegenstand einer Klage vor dem Verwaltungsgericht, ergänzt der Vorsitzende der Freien Ärzteschaft. „Diese Klage wird von uns unterstützt“.

„Arztpraxen werden gezwungen sein, ihr Sprechstundenangebot einzuschränken, um ihr verbleibendes Personal halten zu können“, klärt Dietrich über die Folgen auf. An die Neueinstellung von Mitarbeitern sei kaum zu denken, zumal in anderen Bereichen wie für Verwaltungstätigkeiten bei Krankenkassen deutlich höhere Vergütungen bezahlt würden. Auch bei der Tarifhöhe stehe Bürokratie vor der Behandlung kranker Menschen, und dies schwäche die Behandlungsmöglichkeiten in der ambulanten Medizin. Wieland Dietrich: „Die Folge ist, dass die Wartezeiten für gesetzlich versicherte Patienten sowie für alle Patienten insgesamt weiter zunehmen. Jede von Minister Lauterbach ins Spiel gebrachte Initiative zur Verkürzung von Wartezeiten in der ambulanten Medizin ist vor diesem Hintergrund unglaubwürdig. Und auch die Nummer 116117 wird keine Entlastung schaffen, wenn in den Arztpraxen künftig weniger Behandlungskapazitäten zur Verfügung stehen“.

Quelle: freie-aerzteschaft.de
Render-Time: 0.273768