Kampagne für mehr Respekt gegenüber Ärzt:innen, Therapeut:innen, Pflegefachkräften und Servicemitarbeitenden

15. Mai 2024

Das Thema ist kein leichtes; es ist auch schwer zu greifen, aber erlebt haben es schon viele Beschäftigte im Gesundheitswesen und auch in den Kliniken und Einrichtungen im Recura Verbund. Es geht um verbale Übergriffe gegenüber Ärzt:innen, Therapeut:innen, Pflegefachkräften und Servicemitarbeitenden. Verbale Übergriffe werden unter psychischer Gewalt zusammengefasst und meint z. B. Beleidigungen oder Herabwürdigungen. In den Kliniken und Einrichtungen des Recura Verbunds startete deshalb vor kurzem eine Respekt-Kampagne, welche für das Thema Sensibilität und Bewusstsein im Umgang mit dem Klinikpersonal schaffen soll.

Psychische Gewalt meint Handlungen, die darauf abzielen, emotionalen oder psychologischen Schaden bei einer Person zu verursachen oder ihr Wohlgefühl zu beeinträchtigen. Diese Form der Gewalt kann ebenso schädlich sein wie körperliche Gewalt, ist jedoch schwerer zu erkennen, da keine sichtbaren Verletzungen entstehen.

Sind Patient:innen wegen der Behandlung einer Krankheit in einem Krankenhaus ist das für Betroffene und deren Angehörige oftmals eine sehr emotionale Situation, welche schnell zu einer Überlastung oder Überforderung führen kann. Der psychische Umgang mit der eigenen Erkrankung und die Verarbeitung ist für Betroffene und deren Umfeld nicht einfach. Für manche Betroffene ist es im Zuge der Behandlung, der Pflege oder Therapie zum Beispiel unverständlich warum man selbst nicht schneller behandelt, versorgt, betreut oder therapiert wird oder warum die Ärzte, Therapeuten, Pflegefachkräfte oder Servicemitarbeitende für Angehörige nicht gerade in dieser akuten Situation ausreichend Zeit haben, um beispielweise ausführlich für Fragen oder Wünsche zur Verfügung stehen. Aus dem situativen und subjektivem Eindruck entstehen leider manchmal Übergriffe, in denen die Beschäftigten der Kliniken und Einrichtungen verbal angegriffen oder herabgewürdigt werden; aber auch Einschüchterungen, Drohungen, dauerhafte Kritik oder emotionaler Missbrauch sind Formen der psychischen Gewalt, welche die Mitarbeitenden leider schon erleben mussten.

In der Klinikumgebung kann sich psychische Gewalt gegenüber dem Fachpersonal in Form von Respektlosigkeit, Übergriffen auf die Privatsphäre, Wortwahl, Lautstärke oder auch in Form von Mobbing äußern. Diese Übergriffe können schwerwiegende Auswirkungen auf die psychische Gesundheit des Opfers haben. Die Folgen können Angststörungen, Depressionen oder sogar posttraumatische Belastungsstörungen sein. Physische Übergriffe hinterlassen zusätzlich auch noch körperliche Wunden.

„Alle unsere Mitarbeiter:innen verrichten ihren Beruf mit Respekt, Wertschätzung, Empathie, Leidenschaft und Taktgefühl den Patient:innen und deren Angehörigen gegenüber. Und egal wie herausfordernd eine Situation auch gerade ist, unsere Belegschaft ist mit Feingefühl in der jeweiligen Situation am Patient:innen, bewahrt dabei dessen Würde und erledigt die notwendigen medizinischen, therapeutischen, pflegerischen oder serviceorientieren Maßnahmen mit Kompetenz und Feingefühl,“ betont Dr. Matthias H. Lakotta, Geschäftsführer des Recura Verbunds.

„Leider müssen wir auf den Stationen häufiger erleben, wie mit unseren Mitarbeitenden verbal umgegangen wird. Sie erleben viel zu oft mangelnden Respekt und mangelnde Wertschätzung für ihre Arbeit, welche sie an 24 Stunden pro Tag, an sieben Tagen in der Woche, an Wochenenden, Geburtstagen, Familienfeiern oder Feiertagen leisten. Und es ist egal ob man bei uns im medizinischen, therapeutischen, pflegerischen oder im Servicebereich tätig ist, jeder Beruf und jede einzelne Mitarbeiterin und jeder Mitarbeiter ist uns wichtig, da können wir verbale Gewalt – von körperlicher ganz zu schweigen – an unseren Kliniken nicht tolerieren. Ich denke, dass jeder Übergriff, genau einer zu viel ist“, stellt sich Enrico Ukrow, Geschäftsführer der Kliniken Beelitz, vor seine Beschäftigten. „Auf der anderen Seite haben wir als Arbeitgeber auch eine Fürsorgepflicht, welche uns dazu verpflichtet die physische und psychische Unversehrtheit unserer Mitarbeitenden zu schützen.“

Um hier auf das Thema aufmerksam zu machen und Patient:innen sowie Besucher:innen der Kliniken Beelitz im Umgang mit allen Mitarbeitenden der unterschiedlichen Berufsgruppen zu sensibilisieren, startete in der Neurologischen Rehabilitationsklinik, dem Fachkrankenhaus für neurologische Frührehabilitation, dem Neurologischen Fachkrankenhaus für Bewegungsstörungen / Parkinson (alle am Standort Beelitz-Heilstätten, Brandenburg),  den Neurokliniken Waldeck (Schwaan bei Rostock, Mecklenburg-Vorpommern), dem Zentrum für Altersmedizin (Fachkliniken Radeburg in Sachsen), dem Fachkrankenhaus Coswig (Sachsen) sowie den zum Recura Verbund gehörenden MVZ (Medizinisches VersorgungsZentrum) in Berlin, Brandenburg und Sachsen vor kurzem die Respekt-Kampagne. Zusätzlich zu der Kampagne starten in den Kliniken Beelitz für alle Beschäftigten Trainings zur Konfliktbewältigung und Deeskalation, um regelmäßig zu üben wie man selbst in unterschiedlichen Situationen angemessen einwirken und reagieren kann.

Seinen Beruf in den Dienst am Menschen zu stellen, ist für viele mehr als ein Beruf – häufig ist der Job eine Berufung. Auch deswegen: Respekt und Wertschätzung sind keine Einbahnstraße.

Quelle: recura-kliniken.de
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