AKG

Kommt die MDK-Reform noch vor dem Koalitionsbruch?

4. März 2019

Misstrauenskultur vernichtet wertvolle Ressourcen - AKG fordert zügige Reform des MDK als Grundlage zur gemeinsamen Weiterentwicklung der Krankenhausabrechnung

Laut gebrüllt ist nicht gewonnen

Noch immer vergeht kaum eine Woche, in der den Selbstverwaltungspartnern beim Gedanken an die unzähligen Klagen der Krankenkassen aus dem Herbst des vergangenen Jahres nicht verbal der Kragen platzt. Dabei hat der Gesundheitsminister bereits im November des vergangenen Jahres im Rahmen des Deutschen Krankenhaustages in Düsseldorf die Parteien zu einem gemeinsamen Vorschlag zur grundlegenden Vereinfachung der Krankenhausabrechnung aufgefordert. Leider muss man davon ausgehen, dass konkrete Konzepte dafür fehlen. Die kommunalen Großkrankenhäuser wissen bereits seit vielen Jahren, klagen allein löst die Probleme nicht.

Der Minister in der Pflicht

„Unsere Mitarbeiter gehen weiterhin jeden Tag in Vorleistung während kontinuierlich steigende Prüfquoten, willkürliche Verrechnungen und hohe Rückstellungen für Prüfrisiken die Liquidität und Wirtschaftlichkeit der Häuser gefährden. Die inzwischen manifestierte Misstrauenskultur zwischen den Vertragspartnern führt zu einem unverantwortlichen Ressourceneinsatz und einer unerträglichen Arbeitsbelastung bei den Mitarbeitern“, beschreibt der AKG-Vorsitzende Dr. Matthias Bracht die Situation an der Basis. Dabei wurde eine Reform des MDK bereits im Koalitionsvertrag der aktuellen Bundesregierung auf die Agenda gehoben. „Die unzähligen Gesetzesvorhaben aus dem Gesundheitsministerium binden die politischen Akteure in Berlin derzeit dermaßen, dass völlig unklar erscheint, wie und wann dieses Thema noch Einzug in die Gesetzgebung erhält“, konstatiert Helmut Schüttig, Geschäftsführer der AKG. „Dabei wäre eine Reform des MDK eine wertvolle Basis um die Misstrauenskultur zwischen den Selbstverwaltungspartnern zu durchbrechen und die Grundlage für eine echte Reform der Krankenhausabrechnung zu ermöglichen. Wir werden dieses wichtige Thema daher wieder ins Bewusstsein der Fachöffentlichkeit bringen“, stellt der AKG-Geschäftsführer heraus.

Interdisziplinäre Versorgung besonders belastet

Die kommunalen Großkrankenhäuser sehen sich nach einer aktuellen Auswertung in den beteiligten Krankenhäusern einer durchschnittlichen Reklamationsquote von rund 22 Prozent aller stationären Krankenhausfälle ausgesetzt. Dabei gehen einzelne Kassen immer stärker auch dazu über, schon bei der sachlich rechnerischen Prüfung kleinste Korrekturen – ohne Auswirkungen auf die Rechnungsstellung - zu fordern, um die fälligen Aufwandsentschädigungen zu umgehen. Die höchsten Prüfquoten sind hingegen bei den Komplextherapieleistungen zu finden. Hier sind detaillierte Strukturanforderungen zu erfüllen, die vielfach nur die großen Einrichtungen und Maximalversorger bereitstellen können. In diesem Bereich nutzt der MDK bereits minimale Dokumentationsversäumnisse der Leistungserbringer (z.B. vergessenes Handzeichen einer Therapiesitzung), um bei vollständig erbrachter Leistung die regelhaft aufwendigen und teuren Therapien aus rein formalen Gründen gesamthaft aus der Abrechnung zu streichen. Es sind gerade diese hochpreisigen Fälle, die die Verluste der Krankenhäuser durch nachträgliche Korrekturen zwischenzeitlich auf über 3 % der Umsatzerlöse ansteigen lassen.

Eine unabhängige Prüfinstanz ist im Sinne der Krankenhäuser

Vor diesem Hintergrund fordert die AKG eine zügige Umsetzung der im Koalitionsvertrag der aktuellen Regierungsparteien verankerten Reform des MDK als sachliche Basis für eine neue Vertrauenskultur zwischen den Selbstverwaltungspartnern und eine grundlegende Neuordnung der Krankenhausabrechnung.

  • Der MDK ist als Bundesbehörde zu einer vollständig unabhängigen Institution mit erweitertem Handlungsspielraum und unparteiischer Partner der Selbstverwaltung weiterzuentwickeln.
    Gemeinsam mit den Selbstverwaltungspartnern sorgt der neue MDK für rechtssichere und auslegungsfreie Kodierrichtlinien mit gemeinsamer Kommentierung aller Verhandlungspartner.
    Die Arbeit des neuen MDK wird einem bundeseinheitlichen Prüfverfahren unterworfen. Dabei ist im Einzelfall auch die tatsächliche Versorgungssituation vor Ort in die Erwägungen mit einzubeziehen.
    Ihm obliegt die Überwachung aller Prüfverfahren gemäß der geltenden Verfahrensverordnungen inkl. entsprechender Sanktionierung bei Nichteinhaltung.
    Der neue MDK kann sowohl von Seiten der Kassen als auch durch die Leistungserbringer beauftragt werden. Jeder Auftraggeber hat die jeweiligen Bearbeitungskosten durch den MDK selbständig zu tragen.
    Darüber hinaus wird der neue MDK dazu verpflichtet, auf Hinweise zu systematischer Falschabrechnung der Krankenhäuser oder zur systematischen Rechnungskorrektur auf Seiten der Krankenkassen mit eigenen Prüfungen und statistischen Analyse der Abrechnungsdatensätze aller Krankenhäuser zur reagieren. Auf Basis seiner Analyseergebnisse ist er berechtigt, bei systematischen Auffälligkeiten eine Klarstellung der Kodierrichtlinien zu beantragen, Sanktionen auszusprechen und/ oder regelhafte Stichprobenprüfungen durchzuführen. In diesen Fällen muss der neue MDK von Amts wegen tätig werden.
  • Für eine grundlegende Vereinfachung der Krankenhausabrechnungen sind die bestehenden Strukturprüfungen und Prüfung von Strukturanforderungen bei Komplexcodes zu einer Art Zulassungsverfahren mit tragfähiger Planungssicherheit und maßvollen Stichprobenprüfungen umzustellen. Durch die konsequente Weiterentwicklung dieser Strukturanforderungen als Grundlage für Qualitäts- und Abrechnungskriterien können bei allen Vertragspartnern erhebliche Ressourcen eingespart werden.
  • Als letzte Instanz muss der Klageweg für die Leistungserbringer wieder zu einem funktionsfähigen Mittel des Rechtsschutzes werden, wobei die Sozialgerichte vor bürokratischem Mehraufwand zu schützen sind. Wir fordern daher die Einführung von Musterfeststellungsklagen bzw. Sammelklagen analog dem Verbraucherrecht zu prüfen.
     

Die AKG

Die AKG ist ein Interessenverbund von 22 Großkrankenhäusern und Krankenhausverbünden aus dem gesamten Bundesgebiet mit einem Umsatz von insgesamt gut 8,6 Milliarden Euro. Sie repräsentiert derzeit ca. 40.500 Betten und vertritt damit rund 8,5 % des gesamtdeutschen Krankenhausmarktes. Gut 1,7 Millionen Patienten im Jahr werden in den Häusern der AKG von nahezu 110.000 Mitarbeiter/innen vollstationär behandelt. Alle Mitglieder sind Maximalversorger in kommunaler Trägerschaft und decken damit das gesamte medizinische Spektrum ab. Als kommunale Krankenhäuser erbringen die Mitglieder der AKG eine wichtige Leistung für die Versorgung der gesamten Bevölkerung, von der Grund- bis zur Maximalversorgung. Damit leisten sie einen wichtigen gesundheitspolitischen Beitrag. Die Gewinne werden reinvestiert und nicht an Investoren abgeführt. So bleiben die Gelder den Regionen erhalten.

Quelle: akg-kliniken.de
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