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MHH sucht nach Behandlungsstrategie für seltene Gallengangserkrankung

7. Mai 2021

DFG fördert multizentrische Studie mit 1,3 Millionen Euro

Mit wachsenden Fortschritten in der Intensivmedizin überleben immer mehr Patientinnen und Patienten schwerste Erkrankungen, Unfälle oder massive chirurgische Eingriffe wie etwa eine Organtransplantation. Gleichzeitig steigt das Risiko für eine gefährliche Komplikation: Weil bei Schwerkranken oft der Blutdruck sinkt und die Gefäße somit weniger gut durchblutet sind, können die feinen Gallengänge in der Leber verstopfen und die Galle kann nicht mehr abfließen. Die sogenannte sekundär sklerosierende Cholangitis bei kritisch kranken Patienten (SSC-CIP) führt zur fortschreitenden Zerstörung des Gallengangsbaums und endet bei jedem zweiten Patienten tödlich. Auch schwer an COVID-19 Erkrankte sind betroffen, da intensive mechanische Beatmung und Bauchlagerung diese Entwicklung offenbar zusätzlich befördern. Weil SSC-CIP zu den seltenen Erkrankungen gehört, fehlen bislang jedoch verbindliche Empfehlungen zu Diagnose und Therapie. Diese Lücke soll jetzt eine multizentrische klinische Studie unter der Leitung von PD Dr. Torsten Voigtländer, leitender Oberarzt der Endoskopie an der Klinik für Gastroenterologie, Hepatologie und Endokrinologie der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH), schließen. Die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) fördert das Projekt über drei Jahre mit rund 1,3 Millionen Euro.

Überlebenschancen von SSC-CIP-Patientinnen und -Patienten verbessern

„Wir sammeln die Daten von SSC-CIP-Fällen aus zehn Kliniken in ganz Deutschland, um die genauen Mechanismen der Krankheitsentwicklung zu verstehen und daraus Rückschlüsse auf geeignete Behandlungsstrategien zu ziehen“, sagt PD Dr. Voigtländer. Der derzeit häufigste therapeutische Ansatz ist, die verengten Gallengänge mit Hilfe eines speziellen Endoskops zu reinigen, zu erweitern und vorhandene Verstopfungen zu entfernen. „Trotz dieser Behandlung schreitet die Cholangitis aber mitunter weiter fort, die Gallengänge verhärten sich und im Endstadium versagt die Leber und es bleibt nur noch eine Organtransplantation als letzte Möglichkeit“, erklärt der Gastroenterologe. Zudem ist unklar, ob die wiederholten endoskopischen Eingriffe in die Gallengänge für den Verlauf der Erkrankung überhaupt hilfreich sind. Denn jedes Mal, wenn Endoskope, Katheter oder Führungsdrähte in das eigentlich sterile System eingeführt werden, erhöht sich die Gefahr einer bakteriellen Infektion bis hin zur Blutvergiftung. „Unsere Studie ist die erste, die klärt, ob eine regelmäßige endoskopische Reinigung des Gallengangssystems den Verlauf einer SSC-CIP tatsächlich verbessert oder verschlimmert“, betont der Mediziner.

Das Ziel der Studie ist, eine auf nachgewiesene Wirksamkeit ausgerichtete Standardtherapie zu entwickeln, die die Überlebenschancen der Patienten verbessert. Und das ist aus Sicht des Gastroenterologen umso erforderlicher, als SSC-CIP vermutlich gar nicht so selten ist wie bislang angenommen. „Die Erkrankung ist eher unbekannt und daher wird die Zahl der Fälle vermutlich unterschätzt“, sagt der Oberarzt. Das zeigen auch Erfahrungen aus der MHH. Wurden von 2001 bis 2011 noch 54 Patienten mit SSC‑CIP identifiziert, waren es zwischen 2012 und 2020 bereits 120 Betroffene. Und dabei sind schwerkranke COVID-19-Patienten noch gar nicht erfasst.

Weitere Informationen erhalten Sie bei PD Dr. Torsten Voigtländer, voigtlaender.torsten@mh-hannover.de, Telefon (0511) 532-2406

Quelle: mhh.de
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