Minister für Arbeit, Gesundheit und Soziales des Landes Nordrhein-​Westfalen zu Gast bei den Alexianern in Münster

22. September 2021

Ein nahezu schon alter Bekannter stattete den Alexianern in Münster einen Besuch ab: Karl-Josef Laumann, Minister für Arbeit, Gesundheit und Soziales des Landes Nordrhein-Westfalen, nahm sich rund anderthalb Stunden Zeit, um mit Vertretern der Alexianer ins Gespräch zu kommen. Mit dabei war auch Dr. Stefan Nacke, Vorsitzender des Vereins Domfreunde Münster und Mitglied des Landtages der CDU in NRW.

„Wir freuen uns, Sie bei uns in Münster-Amelsbüren begrüßen zu dürfen“, sagte Dr. Martina Klein, Leitung Referat Fundraising der Alexianer GmbH, die den Termin über die Domfreunde koordiniert hatte. Erika Tertilt, Hauptgeschäftsführerin der Alexianer GmbH, spielte darauf an, die Alexianer nicht mehr groß vorstellen zu müssen, da sich Laumann ja bereits einige Male mit hohem Interesse und großer Begeisterung Alexianer-Einrichtungen in Münster angeschaut habe.

Fehlende Vorlaufzeit
Dirk Reining, Leiter Referat Altenhilfe/außerklinische Pflege der Alexianer GmbH, argumentierte bei dem Austausch zum Thema Generalistische Pflegeausbildung, dass Trägern bei der Umsetzung politischer Entscheidungen nicht viel Vorlaufzeit bleibe. So wurde der Rahmenlehrplan am 1. August 2019 veröffentlicht und sollte bereits zum 1. Januar 2020 umgesetzt werden. „Um eine gelungene Verzahnung von Lernort Schule und Lernort Praxis zu gewährleisten, ist die Sicherstellung eines ausreichenden Stellenschlüssels von Pflegepädagogen notwendig“, so Reining. „Der im Pflegeberufsgesetz geforderte Stellenschlüssel von 1:20 wurde für das Land NRW bis Ende 2030 ausgesetzt und auf 1:25 angehoben. Aber nur die sofortige Umsetzung eines Stellenschlüssels von 1:20 ermöglicht die Entwicklung fundierter Schulcurricula in Verbindung mit konkreten Ausbildungsplänen und Instrumenten für die Lernortkooperation.“

Prüfen muss sein
Kritische Worte in Richtung Politik gab es von Bernhard Sandbothe, Einrichtungsleiter Haus Heidhorn GmbH: „Nach einer Corona-Pause ist der Medizinische Dienst der Krankenversicherung (MDK) wieder unterwegs, um in Pflegeeinrichtungen die Pflegequalität zu prüfen. Vereinfacht und konkret gesagt treffen hier ausgeruhte Prüfer auf ausgelaugte Pflegekräfte. Zusätzlichen Druck von außen auf unsere Pflegekräfte können wir derzeit überhaupt nicht gebrauchen.“ Dazu komme, dass der Prüfkatalog überarbeitet wurde. „Leider wurde der alte Prüfkatalog verschlimmbessert. Stichwort: Alter Wein in neuen Schläuchen. Wir müssen jetzt zusätzlich zu den Prüfungen zweimal im Jahr eine Selbsterhebung machen, die grundsätzlich zu begrüßen ist, da es hier um eine evidenzbasierte Prüfung der Pflegequalität geht. Diese Erhebungen würden aus meiner Sicht völlig ausreichen“, so Sandbothe weiter.

Dem entgegnete Karl-Josef Laumann, dass die Alexianer in ihren Einrichtungen einen sehr hohen Qualitätsstandard hätten, was aber leider nicht bei allen Pflegeeinrichtungen anderer Träger der Fall sei. „Deshalb müssen wir prüfen“, so der Minister. Das deutsche Gesundheitssystem habe eben grundsätzlich ein Problem: Es herrsche keine Vertrauenskultur. „Dabei beneiden uns viele inner- und außereuropäische Partner um unsere Leistungen. Gerade die Pandemie hat gezeigt, dass wir auch stolz auf unser System sein können.“

Curriculum entwickelt
Um der Abwanderung des Fachpersonals bereits in der Ausbildung entgegenzuwirken, hat Eckhard von Hirschhausen gemeinsam mit seiner Stiftung „Humor hilft heilen“, der Ruhr-Universität Bochum und den Alexianern ein Pionierprojekt entwickelt: ein Curriculum mit Themenschwerpunkten, die in der klassischen Ausbildung oft zu kurz kommen.

„Laut Umfragen denken rund 20 Prozent der jüngeren Pflegekräfte darüber nach, den Beruf zu wechseln. Die hohe energetische Belastung, die Auseinandersetzung mit Tod, Leid und Trauer, aber auch die Erfahrungen mit unfreundlichen oder schwierigen Patienten führen dazu, dass viele Pflegende ihrem Beruf am liebsten den Rücken kehren würden“, brachte es Eckhard von Hirschhausen bei einer anderen Veranstaltung der Alexianer auf den Punkt. Seit Mitte 2019 werde das Unterrichtskonzept „Freude pflegen“ in sechs Modulen mit Auszubildenden der Kranken- und Altenpflege an der Alexianer-Pflegeschule in Münster getestet. Mit großem Erfolg!

Humor für Pflegende
„Erste Zwischenergebnisse der Studie zeigen deutlich eine positive Entwicklung im Umgang mit Humor als Stresskompensation für die Pflegende“, sagte Regula Toellner, Schulleitung und stellvertretene Leitung Fachseminar Altenpflege der Alexianer Zentralschule für Gesundheitsberufe GmbH, die das Projekt über Jahre begleitet hat.

Karl-Josef Laumann betonte daraufhin die sehr gute Bezahlung der Pflegeschülerinnen und Pflegeschüler, die es so in keinem anderen Ausbildungsberuf geben würde.

Beate Mens, Pflegedirektorin des Clemenshospitals und der Raphaelsklinik in Münster, betonte abschließend, dass es grundsätzlich richtig und wichtig sei, die Rahmenbedingungen für Pflegende zu verbessern sowie bedarfsgerecht anzupassen. Zudem sei die interdisziplinäre Zusammenarbeit zwischen den verschiedenen Berufsgruppen zu fördern und zu stärken.

Dem hatte Karl-Josef Laumann nichts hinzuzufügen. Zum Abschied ließ der Minister wissen, dass er wieder sehr gern bei den Alexianern vorbeigeschaut habe.

Quelle: Pressemeldung – Alexianer St. Hedwig Kliniken Berlin GmbH
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