Mit integriertem Navigationssystem Rhythmusstörungen finden: Deutschlandpremiere am HDZ NRW

10. April 2024

Von der häufigsten Form der Herzrhythmusstörung, dem Vorhofflimmern, sind knapp 4 Mio. Menschen betroffen. Dank High-Tech-Medizin können die Rhythmologen um Professor Dr. Philipp Sommer am HDZ NRW in Bad Oeynhausen der Erkrankung künftig noch sicherer und schneller als bisher begegnen.

Die erfolgreiche Deutschlandpremiere des ersten Pulsfeldablations-Systems mit vollständig integriertem Echtzeit 3D-Mapping fand am 2. April 2024 im Herz- und Diabeteszentrum NRW (HDZ NRW) in Bad Oeynhausen statt. Das System ist eine neue Kombination zweier bewährter Methoden: Die Pulsfeldenergie erzeugt ein elektromagnetisches Feld im Herzgewebe – und gleichzeitig können jetzt die Läsionen präzise in der gewohnten „Landkarte des Herzens“ angezeigt werden. Klinikdirektor Prof. Philipp Sommer und sein Team setzen diese Medizintechnik der neusten Generation ab sofort im Herzkatheterlabor ein und können schwere Herzrhythmusstörungen noch schneller und schonender behandeln.

Vorhofflimmern ist eine der häufigsten Herzrhythmusstörungen und wird von Störimpulsen im Herzgewebe ausgelöst. Wenn bei Patienten trotz Medikamenten noch erhebliche Beschwerden auftreten, ist eine Katheterablation derzeit das bewährte Standardverfahren. Hierbei wird ein dünner, flexibler Katheter meist von der Leiste des Patienten ins Herzinnere geführt.

Mit „Feuer, Eis oder Strom“ gegen Vorhofflimmern

Es gibt verschiedene Katheterverfahren, um die Störungen mit der Spitze des Katheters zu beheben. Traditionelle Verfahren benutzen Kälte (Kryoablation) oder Wärme (Radiofrequenzablation), aber seit ein paar Jahren steht den Rhythmologen auch die Pulsfeldablation (auch: „Elektroporation“) zur Verfügung, die mit elektrischen Impulsen sehr gezielt gegen die Störungen vorgeht. „Durch das gezielte Einbringen mikroskopisch kleiner Poren in die Zellmembran können wir rhythmusstörende Impulse ultraschnell eliminieren“, erläutert Professor Sommer diesen Prozess der Pulsfeldablation. „Diese Methode ist besonders sicher, da nur sehr geringe Risiken bestehen, umliegendes Gewebe zu schädigen oder Verletzungen zu verursachen.

Navigationssystem zur Störungsquelle

Ein hochmodernes kardiales Mappingsystem erstellt mithilfe von speziellen Sensoren eine dreidimensionale detaillierte Karte („Map“) der Herzkammern. Dadurch können die Herzrhythmusstörungen effizient identifiziert werden. Bei umfassenden Rhythmusstörungen müssen sich die Spezialisten während der Untersuchung genauer auf den Weg machen, die Störungsquellen zu identifizieren. Das komplexe Mapping-Verfahren dient dem Untersucher wie ein Navigationssystem und weist den Weg.

Sicherheit kombiniert mit gewohnter Genauigkeit

Die Besonderheit des neuen Pulsfeldablations-Systems besteht darin, dass das bereits bestehende computergestützte dreidimensionale Mappingsystem integriert ist. Bisher gab es dies nur in Kombination mit Radiofrequenzablationen.

Auf diese Weise können die Herzspezialisten mit ihrem gewohnten Mappingsystem, welches schon seit über 15 Jahren im HDZ NRW eingesetzt wird, sehr präzise die elektrischen Signale identifizieren, die die Herzrhythmusstörungen auslösen. Von den damit verbundenen effizienteren Arbeitsabläufen profitieren die Patienten, weil sich mit so integrierter Technik die Bildgebungszeiten verringern, mögliche Risiken vermieden und die Aufenthalte im Herzkatheterlabor verkürzen lassen. Eine wissenschaftliche Studie mit 186 Patienten in Kanada und Europa belegt eine hohe Sicherheit und Wirksamkeit der neuen Therapieform (VARIPULSETM), die jetzt erstmals in Europa zugelassen und in Bad Oeynhausen im Einsatz ist.

„Ob die Pulsfeldablation das jeweils am besten geeignete Verfahren zur Behandlung des Vorhofflimmerns ist, das wägen wir im Einzelfall stets nach sehr sorgfältiger Beurteilung ab“, betonen Prof. Sommer und sein stellvertretender Klinikdirektor Prof. Christian Sohns. Es wird zukünftig all den Patienten angeboten, bei denen die Kombination aus Art des Vorhofflimmerns (anfallsartig oder anhaltend), klinischer Kenngrößen (Vorhofgröße, Begleiterkrankungen) sowie anatomischer Voraussetzungen diese Methode als ideal erscheinen lässt. „Beim Vorhofflimmern müssen wir allerdings davon ausgehen, dass die Erkrankungszahlen auch in Zukunft weiter steigen werden. Wir sind daher auf ebenso sichere wie effiziente Behandlungslösungen angewiesen und dankbar, diese innovative Lösung als erstes Herzzentrum in Deutschland anbieten zu können.“

Quelle: hdz-nrw.de
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