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Moderne Versorgung in strukturschwachen Regionen flankieren durch: Aufbau regionaler Gesundheitszentren, gezielte Digitalisierung, mehr Delegation

24. Januar 2022

Um die flächendeckende ambulant-ärztliche Versorgung zukunftssicher zu gestalten und Versorgungsengpässe in ländlichen Regionen zu vermeiden, schlägt der Verband der Ersatzkassen e. V. (vdek) ein Paket aus drei Maßnahmen vor: erstens der verstärkten Delegation ärztlicher Aufgaben auf Pflegekräfte bzw. auf medizinische Fachangestellte etwa bei der Wundversorgung oder bei Hausbesuchen; zweitens einer konsequenten Nutzung digitaler Angebote wie Videosprechstunden und drittens dem Aufbau regionaler Gesundheitszentren in ländlichen Gebieten. In diesen Zentren arbeiten Haus- und Fachärzte gemeinsam mit Gesundheitsfachberufen wie Physiotherapeuten unter einem Dach zusammen und bieten bei Bedarf auch einfachere Operationen, wie Leisten- oder HNO-OPs mit Übernachtungsangebot, an. Hierfür sollten auch kleinere und nicht mehr ausgelastete Krankenhäuser umgewidmet werden. „Es geht darum, die Gesundheitsversorgung stärker zu bündeln“, betonte Ulrike Elsner, Vorstandsvorsitzende des vdek. „Wichtig ist, dass auch die Menschen in strukturschwachen Regionen eine hochwertige Basisversorgung erhalten, ohne allzu lange Fahrtwege in Kauf nehmen zu müssen.“

Was die GKV-Versicherten davon halten: Ergebnisse der Forsa-Umfrage

Eine vom vdek in Auftrag gegebene Umfrage zeigt, dass auch die Versicherten der GKV diesen Vorschlägen offen gegenüberstehen. Befragt wurden 1.004 gesetzlich Krankenversicherte ab 18 Jahren in Form einer Online-Befragung.

75 % der GKV-Versicherten sprechen sich für die Etablierung eines regionalen Gesundheitszentrums in ländlichen Regionen aus. Bei einer einfachen Operation würden 71 % eine Übernachtung in einem regionalen Gesundheitszentrum bevorzugen. 17 % würden lieber einer entfernten Klinik den Vorzug geben.

Erst 5 % der Befragten haben eine Videosprechstunde genutzt, obwohl 86 % grundsätzlich die technischen Möglichkeiten dazu hätten. Hier gibt es also noch ein deutliches Potenzial. Von den Befragten, die noch keine Videosprechstunde genutzt haben, können es sich aber 60 % vorstellen. Hier zeigt sich eine hohe Abhängigkeit vom Faktor Alter und Bildung. „Für diese Menschen müssen wir die digitale Gesundheitskompetenz stärken; die Ersatzkassen entwickeln entsprechende Angebote“, so Elsner.

Was die Delegation ärztlicher Leistungen anbelangt, so könnten sich 82 % der GKV-Versicherten eine Versorgung durch besonders qualifizierte Pflegekräfte bei leichteren medizinischen Fällen vorstellen. Ähnliches gilt auch für das Thema Impfen in Apotheken: 76 % der Befragten könnten sich Standardimpfungen bei Erwachsenen in Apotheken vorstellen.

Hohe Zufriedenheit mit den Haus- und Fachärzten, aber Wartezeit auf Termin und Individuelle Gesundheitsleistungen (IGeL) bleiben problematisch

94 % der GKV-Versicherten sind mit der medizinischen Versorgung ihrer Hausärzten sehr bzw. eher zufrieden. Bei den Fachärzten sind es je nach Fachgruppe zwischen 83 % und 98 %. Elsner: „Wir freuen uns über den hohen Zuspruch gerade auch in Zeiten der Corona-Pandemie. Die Ärztinnen und Ärzte halten die Versorgung aufrecht und leisten einen entscheidenden Beitrag zur Impfkampagne.“

Lange Wartezeiten auf einen Termin, vor allem im fachärztlichen Bereich, sind für die Patienten aber weiterhin ein Problem. 38 % der Befragten mussten mindestens einen Monat lang auf einen Termin in einer Facharztpraxis warten, etwa jeder sechste sogar drei Monate oder länger. Und dies, obwohl mit der Errichtung der Terminservicestellen mit der Rufnummer 116 117 durch die Kassenärztlichen Vereinigungen seit Mitte 2019 eine schnellere Terminvergabe innerhalb von vier Wochen ermöglicht werden sollte. Elsner wies darauf hin, dass die Krankenkassen allein zur Verkürzung der Wartezeiten zwischen Mitte 2019 und Anfang 2021 fast 800 Millionen Euro Extrahonorar an die Vertragsärzte gezahlt hätten. Das Sprechstundenangebot müsse jetzt weiter ausgebaut und das Terminmanagement durch vermehrte Online-Angebote verbessert werden.

Quelle: Verband der Ersatzkassen e. V.
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