Neuroradiologie-Nachwuchs verfolgt komplexe Eingriffe virtuell - Ausbildung durch Telemedizin

16. August 2021

Universitätsklinikum Bonn (UKB) eines von fünf ausbildenden Zentren

Die Klinik für Neuroradiologie am UKB bildet ihren Nachwuchs als eines von deutschlandweit wenigen Ausbildungszentren per Live-Übertragung aus dem OP-Saal aus. Im Rahmen der virtuellen Interventionsausbildung „eFellowship“ können Assistenzärztinnen und-ärzte komplexe Eingriffe nun ortsunabhängig in bester Qualität verfolgen.

Der Bedarf an interventionell ausgebildeten Neuroradiologinnen und Neuroradiologen, die gezielte Eingriffe am Gewebe vornehmen können, wächst. Deswegen geht die Klinik für Neuroradiologie am Universitätsklinikum Bonn (UKB) gemeinsam mit der Deutschen Gesellschaft für Neuroradiologie (DGNR) und der European Society of Minimal Invasive Neurosurgery (ESMINT) neue Wege in der Ausbildung junger Nachwuchskräfte. Während bisher nur ein oder maximal zwei Assistenzärztinnen und -ärzte in der Angiografie (Darstellung von Gefäßen mithilfe diagnostischer Bildgebungsverfahren) bei komplexen Eingriffen ausgebildet werden konnten, soll eine neue Kamera nun neue Möglichkeiten eröffnen. Die hochauflösende Kamera wird oberhalb des Angiografietisches platziert, sodass mehrere Assistentinnen und Assistenten an verschiedenen Orten gleichzeitig eine Intervention verfolgen können.

Im Rahmen des sogenannten „eFellowships“ wurde die Klinik für Neuroradiologie am UKB neben der Technischen Universität München, der Uniklinik Heidelberg, dem Katharinenhospital in Stuttgart und dem Klinikum Dortmund als eines von fünf ausbildenden Zentren in Deutschland ausgewählt. Während des fünfmonatigen eFellowships können junge Neuroradiologinnen und Neuroradiologen mithilfe eines ferngesteuerten Kamerasystems mit Sprech- und Tonverbindung aus der Ferne live an komplexen Neurointerventionen teilnehmen und dabei ihren erfahrenen Mentorinnen und Mentoren im wahrsten Sinne des Wortes über die Schulter schauen.

Während der Behandlungen, die über das System der Firma Tegus Medical live gestreamt werden, können Mentorinnen, Mentoren und eFellows außerdem direkt kommunizieren und über Fälle und technische Details diskutieren. „Unsere ersten Erfahrungen mit dem System sind sehr gut, die Qualität der Übertragung ist exzellent und die Kommunikation mit den Fellows macht großen Spaß“, berichtet Prof. Franziska Dorn, Stellvertretende Direktorin und Leiterin der Neurointervention der Klinik für Neuroradiologie am UKB, die das Projekt am UKB leitet. „Das System eröffnet ganz neue Möglichkeiten in der Ausbildung und Supervision, da die eFellows jeden Handgriff über die Kamera aus optimaler Perspektive verfolgen können“.

Die Ausbildung der eFellows wird ferner begleitet von interaktiven Falldiskussionen und virtuellen Meetings und soll den intensiven fachlichen Austausch zwischen den Kliniken fördern. „Über die Ausbildung der Assistenzärztinnen und -ärzte hinaus werden videogeführte Systeme in der interventionellen Neuroradiologie im Rahmen komplexer Eingriffen eine sehr viel größere Bedeutung erlangen“, prognostiziert Prof. Alexander Radbruch, Direktor der Klinik für Neuroradiologie am UKB. Es sei für die Interventionalisten insbesondere in schwierigen Notfall-Situationen sehr hilfreich, wenn sich eine Expertin oder ein Experte aus der Ferne unmittelbar durch das Videosystem hinzuschalten könne. „Die neue Technik kann hier einen wesentlichen Beitrag zur Optimierung der Behandlungsqualität leisten“, betont Prof. Radbruch.

Quelle: ukbonn.de
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