DBfK

Pflegenotstand in München: mehr in die Personalbindung investieren

25. April 2018

Die jüngste Berichterstattung über den Pflegemangel in Münchner Kinderkliniken ist nur ein Aspekt des mittlerweile dramatischen Versorgungsengpasses in der Pflege: „Es sind fast alle Kliniken gleichermaßen betroffen. Wir weisen seit vielen Jahren auf den sich zuspitzenden Pflegemangel gerade in Ballungsräumen hin.

Leider gibt es keine kurzfristigen Lösungen für ein Problem, das sich seit langem abzeichnet“, sagt Dr. Marliese Biederbeck, Geschäftsführerin des DBfK Südost e.V. Gezielte Rückkehrerprogramme, ein entsprechendes Gehalt und bezahlbarer Wohnraum könnten aus Sicht des DBfK als Interessensvertreter der professionellen Pflege jedoch Linderung verschaffen.

„Die Pflegenden wurden lange Zeit als Kostenfaktor gesehen, jetzt haben wir die Quittung“, sagt Dr. Marliese Biederbeck. In einem System, das nur die Fallzahlen kennt, wurde über viele Jahre Pflegepersonal eingespart, um den Gewinn noch zu steigern. Ein jahrelanger Stellenabbau hat zur Ausdünnung und damit zur chronischen Überlastung der Pflegefachpersonen geführt. „Es zeigt sich jetzt, dass diese Politik kurzsichtig ist, denn ohne professionelle Pflege können die Häuser zusperren“, so Dr. Biederbeck.

Als ersten Schritt empfiehlt der DBfK Pflegefachpersonen, die in andere Berufe geflüchtet sind oder auf eine Teilzeitstelle reduziert haben, gezielt anzusprechen. „Einrichtungen müssen jetzt alle Hebel in Bewegung setzen und Pflegende zur Rückkehr bewegen. Das ist aus unserer Sicht die einzige Strategie, an der man wirkungsvoll ansetzen kann. Wir sind davon überzeugt, dass viele bereit sind, wenn die Arbeitsbedingungen stimmen“, so Dr. Biederbeck weiter.

Verlässliche Dienstpläne und ausreichend Pflegepersonal auf den Stationen ist aber auch nicht alles. Das Gehalt ist im Vergleich zu der großen Verantwortung und Belastung insgesamt zu gering. Viele haben noch Nebenjobs, um ihre Existenz zu sichern. „Pflegende müssen so viel Geld verdienen, dass sie sich das Leben in München leisten können. Neben einem angemessenen Verdienst ist aus unserer Sicht bezahlbarer Wohnraum ausschlaggebend“, so Dr. Biederbeck. Sie fordert die Kliniken dazu auf, wieder mehr Personalwohnungen zur Verfügung stellen, nicht nur für Singles sondern gerade auch für Familien. „Die Wahl für oder gegen eine Klinik steht und fällt damit, was der Arbeitgeber bietet“, so Biederbeck. Und weiter: „Wer Wohnraum, Kinderbetreuungsmöglichkeiten oder eine gute Work-Life-Balance garantieren kann, hat einen klaren Wettbewerbsvorteil.“

Das gilt übrigens auch für Pflegefachpersonen aus dem Ausland: „Sie verlassen München wieder, wenn die Bedingungen nicht stimmen und ziehen in attraktivere Länder wie Dänemark oder die Schweiz weiter. Das ist leider bittere Realität.“

Langfristig müsse man dringend den Pflegeberuf aufwerten, um ihn so attraktiver zu machen. Pflegende aus dem Ausland sind übrigens in vielen Fällen besser ausgebildet und verlassen Deutschland auch aus diesem Grund wieder. Denn die Aufgabengebiete entsprechen nicht ihrer Qualifizierung und auch die Wertschätzung und die Anerkennung für den in ihrer Heimat hochangesehenen Beruf fehlen.

Quelle: Pressemeldung – dbfk.de
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