Pflegeschule geht mit Virtueller Brille innovative neue Wege

21. Juni 2023

Virtuelle Wirklichkeit unterstützt Auszubildende in der Pflege im St. Marien- und St. Annastiftskrankenhaus beim Lernen

Der Pflegeberuf wird immer komplexer. Neue Techniken und Innovationen gehören zum Alltag. Aber auch beim Erlernen des Berufs gibt es neue Möglichkeiten. Unter anderem setzt das St. Marien- und St. Annastiftskrankenhaus in seiner Pflegeschule modernste Technologie ein, um die Pflegeausbildung auf ein neues Niveau zu heben.

Mit dem Einsatz einer virtuellen Brille wird ein innovativer Ansatz verfolgt, der den Auszubildenden ein interaktives Lernumfeld bietet. Die Auszubildenden zur Pflegefachfrau/mann haben seit Kurzem die Möglichkeit, mithilfe einer virtuellen Brille komplexe Abläufe in der Medikamentengabe oder beim Absaugen der Luftwege eines Patienten in der virtuellen Welt zu üben. Anatomiemodule zum Herzen, Sehsinn, Gehörsinn und passivem Bewegungsapparat ermöglichen neue Erlebnisse und anderes Lernen durch Eintauchen in den Körper. 

„Unser Ziel ist es, dass die Auszubildenden neues Wissen multisensorisch erfassen und dieses so besser verankern. Die virtuelle Brille, auch bekannt als Virtual Reality (VR) Brille, ermöglicht es den angehenden Pflegefachkräften, realistische Szenarien zu erleben, die sie in ihrer zukünftigen beruflichen Praxis antreffen werden. Durch diese immersive Lernmethode können sie wertvolle praktische Erfahrungen sammeln und ihre Fähigkeiten verbessern, ohne dabei direkt mit Patienten arbeiten zu müssen. Unsere Auszubildenden nehmen dieses Angebot durchweg begeistert an“, berichtet Hans-Peter Graber.

Der stellvertretende Schulleiter ist für das Projekt verantwortlich und kennt keine Pflegeschule im Umkreis, die bereits mit der wegweisenden virtuellen Wirklichkeit arbeitet. Auch seine Begeisterung an der modernen Lernmethode und den damit verbundenen Möglichkeiten ist im deutlich anzumerken. Dabei steht er in regelmäßigem Austausch mit dem Anbieter und hat schon die nächsten Lernmodule Blutzuckerbestimmung, Katheterpflege (Hämodialyse) und Herz-Kreislauf-System ausgewählt.

„Der Einsatz der virtuellen Brille ermöglicht es den Auszubildenden, komplexe Situationen zu erleben, in denen sie kritische Entscheidungen treffen und ihre Handlungsfähigkeiten trainieren können, ohne dabei Risiken für die Patientensicherheit einzugehen“, schildert der Verantwortliche. Dadurch können sie Sicherheit gewinnen und Ängste vor anspruchsvollen Situationen im Pflegealltag werden abgebaut, führt er weiter aus.
 
„Unsere Vision ist es, eine hochwertige und moderne Ausbildung zu bieten, die es unseren Pflegeauszubildenden ermöglicht, sich auf realistische Weise auf ihre berufliche Laufbahn vorzubereiten“, sagt Schulleitung Monika Heuvelmann. Sie freut sich über die nicht selbstverständliche hochwertige Ausstattung der Pflegeschule. Neben der virtuellen Brille kommen Smartboards in allen Klassenräumen, selbst von den Auszubildenden produzierte Lehrfilme oder interaktive Lehrpuppen, die echte Patienten (sowohl Erwachsene als auch Säuglinge) simulieren, zum Einsatz. Gearbeitet wird mit Tabletts und Netbooks und über eine Plattform können die Auszubildenden von überall auf eine Auswahl an Fachliteratur als E-Books zugreifen. Die klassischen Schulbücher entfallen.

„Wir sind begeistert von den Möglichkeiten, die sich durch den Einsatz moderner Technik und der virtuellen Brille in der Pflegeausbildung ergeben“, fügt Monika Heuvelmann an. Die Qualität der Ausbildung sei mit dem Einsatz der virtuellen Brille nochmals gestiegen, betont sie. Sie bietet eine Vielzahl von Szenarien, die es den Auszubildenden ermöglichen, in unterschiedlichen Pflegesituationen zu agieren, auch wenn es stressig wird. Durch die interaktive Natur der virtuellen Brille erhalten die Auszubildenden direktes Feedback und können ihre Entscheidungen reflektieren, um ihre Fähigkeiten kontinuierlich zu verbessern. "Die Kombination aus visuellen, auditiven und emotionalen Eindrücken sorgt für eine langfristige Speicherung der Informationen im Gedächtnis“, ergänzt ihr Kollege. Darüber hinaus ermögliche der Einsatz den Ausbildern, den Lernfortschritt besser zu überwachen und gezielt individuelle Unterstützung anzubieten.

„Diese innovative Technologie wird nicht nur die Qualität der Ausbildung verbessern, sondern auch dazu beitragen, dass unsere zukünftigen Pflegefachkräfte besser auf die komplexen Anforderungen des Gesundheitswesens vorbereitet sind“, ist sich Pflegedirektor Dirk Schmidt sicher. „Das St. Marien- und St. Annastiftskrankenhaus hat sich in den letzten zehn Jahren sehr stark weiterentwickelt und ist ein wichtiger Schwerpunktversorger für Ludwigshafen und die Region Vorderpfalz. Auch unsere Auszubildenden in verschiedenen Pflegeberufen spielen dabei eine große Rolle“, betont er. Er ist stolz darauf, dass die Pflegeschule des St. Marien- und St. Annastiftskrankenhauses Vorreiterin in der Anwendung modernster Lernmethoden ist und so die Ausbildung in der Pflege vorantreibt. Bisher hat der Träger rund 7.500 Euro in die Anschaffung der Brille und das dazugehörige Lehrmaterial investiert.

Und was sagen die Auszubildenden? „Die virtuelle Brille hat mir geholfen, mein Selbstvertrauen weiter aufzubauen. Es ist eine großartige Möglichkeit, praktische Erfahrungen mit kniffligen Anwendungen zu sammeln, bevor man tatsächlich mit Patienten arbeitet“, berichtet Nena, Auszubildende zur Pflegefachfrau im 3. Ausbildungsjahr. „Das Lernen ist interaktiver. Es ist spannend, in einer simulierten Umgebung zu üben und sofort Feedback zu erhalten. Man kann seine Fehler analysieren und daraus lernen. Diese Erfahrungen kommen mir in meiner beruflichen Praxis zugute“, ergänzt Max, Auszubildender zum Pflegefachmann im 3. Ausbildungsjahr.

Quelle: st-marienkrankenhaus.de
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