Reinigungskräfte fordern Gleichbehandlung und Anerkennung

5. Dezember 2022

An vorderster Front und trotzdem aus dem Blick

Ohne diese Berufsgruppe würde im Krankenhaus gar nichts gehen. Nicht sichtbar, aber unverzichtbar schaffen sie tagtäglich die Grundbedingungen dafür, dass Menschen gesund werden können: Die rund 120 Beschäftigten des Reinigungsdienstes im St. Vincenz-Krankenhaus. Keine Operation könnte durchgeführt werden, kein Patient behandelt, wenn vorab nicht eine gründliche Reinigung nach strengen hygienischen Kriterien durchgeführt worden wäre. Mit viel Sorgfalt und Umsicht sind die Reinigungsfachkräfte in den verschiedensten Bereichen der Klinik 365 Tage im Jahr für Patient:innen und Mitarbeitende im Einsatz – seit Beginn der Pandemie unter besonders erschwerten Bedingungen.

Dass sie beim aktuellen Bonus, für dessen Auszahlung die Bundesregierung strenge Kriterien vorgegeben hat, (erneut) gänzlich durchs Raster gefallen sind, lässt viele von ihnen enttäuscht und frustriert zurück. „Wir gönnen dem Bonus jedem, der ihn erhalten hat“, so die einstimmige Meinung der Reinigungsfachkräfte. „Aber wir standen und stehen nach wie vor genauso an der Front wie die Kolleg:innen aus Pflege und Ärzteschaft. Dass dies von der Politik völlig ignoriert wird, macht uns traurig und wütend zugleich.“

Rund eine viertel Stunde benötigt eine geschulte Reinigungskraft, um ein Patientenzimmer zu reinigen und herzurichten. 15 Minuten, die sie in Isolationszimmern in direktem Kontakt zu infektiösem Material verbringt. Angst sich anzustecken hätten seine Mitarbeitenden nicht, erzählt Karim Benali, Leiter Gebäudemanagement und Reinigung, sie seien durch die Schutzausrüstung gut geschützt. Doch die Schutzmontur mache die ohnehin teils schwere körperliche Arbeit noch anstrengender: Über acht Stunden tragen die Reinigungskräfte in jedem Fall FFP2-Masken. Je nach dem, in welchen Bereichen sie eingesetzt sind, wird die Schutzausrüstung um Kittel, Kopfhaube, Brille, Handschuhe (teils doppelt übereinander getragen) und mit Schuhüberziehern ergänzt.

Neben den physischen Anstrengungen trägt das Team der Reinigung ein hohes Maß an Verantwortung, schließlich müssen sie die hohen Hygiene- und Qualitätsstandards, die in der Klinik gelten, lückenlos erfüllen. „Es ist ein Irrglaube, dass Reinigen eine Tätigkeit sei, die jedermann ausführen könne und die keinerlei Qualifikation oder Expertise bedarf“, klärt Benali auf.  „Insbesondere im Kontext des Krankenhausalltages gibt es spezielle Schulungen, sogenannte Hygieneunterweisungen, in denen die Reinigungskräfte auf die verschiedenen Einsatzgebiete in der Klinik vorbereitet werden." Darüber hinaus brauche man in diesem Job ein Auge für Details und müsse aktiv mitdenken – schon allein angesichts der spezifischen Reinigungsvorgänge beispielsweise in OP-Sälen, auf Intensivstationen oder in Isolationszimmern. Neben der Reinigung der Patientenzimmer, der Stationen und Eingriffsräume oder OP-Säle, gehört auch die Aufbereitung der Patientenbetten zum Tagesprogramm des Reinigungsteams.

Fakt ist: Ohne den Einsatz der Reinigungskräfte kann der Krankenhausbetrieb nicht aufrechterhalten werden. „Auch wir haben an unserem Platz, entscheidend dazu beigetragen, die Pandemie zu bewältigen. Das ist es wert, anerkannt zu werden!“  fordert Benali. Neben der Berücksichtigung bei Bonuszahlungen wünscht sich das Team vor allem eines grundsätzlich: Dass sie und ihre Arbeit gesehen werden. „Manchmal fühlen wir uns wie Menschen zweiter Klasse. Denn es kommt nicht selten vor, dass wir nicht einmal gegrüßt werden, wenn wir ein Patientenzimmer betreten – man nimmt uns gar nicht wahr“, berichten sie aus ihrem Arbeitsalltag. Dabei sind sie ebenso entbehrlich, wie das Orchester in der Oper. Nicht sichtbar, aber unverzichtbar eben. Und das, sagt Karim Benali, muss einfach etwas wert sein.

Quelle: vincenz-diez.de
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