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Universitätsklinikverbund Heidelberg / Mannheim: große Chancen durch Zusammenschluss für das Land und die Region - geprüft und zur schnellen Realisierung empfohlen

28. November 2022

Nach einem zweieinhalbjährigen Prüfprozess des Zusammenschlusses der beiden Universitätsklinika Heidelberg und Mannheim, sind die Ergebnisse eindeutig. Wie bereits internationale Wissenschaftsexperten zuvor, haben nun auch renommierte Beratungsunternehmen die Wirtschaftlichkeit und medizin-strategische Sinnhaftigkeit eines solchen Verbunds ausgiebig untersucht und nachdrücklich empfohlen: Ein Zusammenschluss bietet große Chancen für das Land und die Region. Und: Er muss schnell erfolgen

Das Ziel einer unternehmerischen Verschränkung beider Institutionen wurde von den regionalen Akteuren für eine gemeinsame Gesundheitsregion Rhein-Neckar – der Universität Heidelberg, dem Universitätsklinikum Heidelberg, der Stadt Mannheim und dem Universitätsklinikum Mannheim – bereits vor Monaten konsentiert und vielfach kommuniziert: Es geht darum, die historische Chance zu nutzen und in Baden-Württemberg eine international herausragende Region der Gesundheitswirtschaft und der Gesundheitsforschung aufzubauen. Das Vorhaben adressiert dabei alle Ziele, die sich die Landesregierung im Prozess des Forums Gesundheitsstandort BW selbst gesteckt hat: 

  • Neue Industrien aufzubauen, die zukunftsweisende Strukturen mit neuen Arbeitsplätzen und Steuereinnahmen generieren. 
  • Eine Diversifizierung der Industriestruktur und eine Stärkung der ökonomischen Resilienz. 
  • Eine Stärkung der Innovationsdynamik im Gründungsbereich. 
  • Die Gewinnung von internationalen Spitzenkräften in Forschung und Industrie. 
  • Ein verbessertes Angebot in der Hochleistungsmedizin durch weitere Spezialdisziplinen, gepaart mit einer Stabilisierung der Versorgung in der Fläche durch Netzwerkbildung.

Ein wichtiger Baustein hierzu ist die „Health + Life Science Alliance Heidelberg und Mannheim“, der Zusammenschluss der exzellenten wissenschaftlichen Einrichtungen in den Bereichen Gesundheit und Life-Sciences zu einem starken Verbund mit eigener Verfasstheit. Die Realisierung der Allianz ist mit Unterstützung der Landesregierung (Innovationscampus Rhein-Neckar) und der Gründung einer gGmbH bereits weit vorangeschritten.

Für den Erfolg der Allianz ist gleichwohl ein starker Verbund der beiden Universitätskliniken unabdingbar. Der Großklinikverbund ist ein ausschlaggebender Faktor dafür, die Ergebnisse in der Grundlagenforschung direkt in klinischen Studien in die Patientenversorgung einbringen zu können. Translationale Forschung benötigt hohe Fallzahlen, einen großen Datenschatz mit der Chance zu stärkerer inhaltlicher Differenzierung sowie internationale Spitzenkräfte.

Bei dem Zusammenschluss der beiden Universitätsklinika mit zusammen rund 18.000 Mitarbeitenden handelt es sich zweifellos um eines der strukturell relevantesten Projekte der vergangenen und künftigen Jahre für unser Land.

Bei der erforderlichen Grundsatzentscheidung der Landesregierung geht es um eine beträchtliche, auch materielle Verantwortungsübernahme des Landes. Die am Prozess beteiligten Ministerien – das 
Ministerium für Soziales, Gesundheit und Integration, das Ministerium für Finanzen sowie das Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst – haben deshalb verständlicherweise eine sehr ausgiebige wirtschaftliche, medizinische und rechtliche Prüfung eines solchen Zusammenschlusses angemahnt. Dem wurde durch die Akteure Rechnung getragen.

Für die Untersuchung des Universitätsklinikums Mannheim sowie der Potenziale und der Machbarkeit eines Verbunds mit Heidelberg wurden deshalb in einem europaweiten Vergabeverfahren mehrere international renommierte und hochspezialisierte Unternehmensberatungsgesellschaften beauftragt. Die Ausschreibung enthielt zudem ein besonderes Sicherheitsmoment – einen „double check“: So wurde eigens eine weitere Beratungsgesellschaft beauftragt, die Ergebnisse der ersten Prüfung zum Medizinkonzept und zur Businessplanung zu untersuchen und nochmals zu bestätigen.

Die Ergebnisse aus vielen Monaten intensiver Prüfungsarbeit sind bestechend klar: Von Beraterseite wird die Bildung eines universitätsmedizinischen Verbunds zwischen Heidelberg und Mannheim nachdrücklich empfohlen. Ausdrücklich wird eine schnelle Umsetzung des Vorhabens angemahnt.

Dann könnte ein solcher Verbund, so das Ergebnis, bereits 2030 ein ausgeglichenes wirtschaftliches Ergebnis vorweisen. In diese Berechnungen sind die wirtschaftlichen Vorteile, die durch den dringend benötigten Neubau in Mannheim erzielt werden können, noch nicht berücksichtigt. Durch den neuen zentral geplanten Baukörper ist nach Fertigstellung mit weiteren jährlichen Einsparungen in einem mittleren zweistelligen Millionenbereich zu rechnen.

Genau wie die Grundsatzentscheidung für das Gesamtvorhaben steht die Genehmigung für den Neubau in Mannheim noch aus. Beide Entscheidungen führen zu erheblichen Verbesserungen der betrieblichen Ergebnisse und sind insofern eilbedürftig.

Die Stadt Mannheim ist mit der Trägerschaft eines Universitätsklinikums dieser Größe dauerhaft überfordert. Die weiteren 35 Universitätsklinika in Deutschland befinden sich deshalb nahezu ausnahmslos in Landesträgerschaft. Einzige weitere Ausnahme ist das Universitätsklinikum Gießen-Marburg, das sich in einer vergleichbaren finanziellen Notlage befindet. Rund 1800 Studierende der Humanmedizin nutzen aktuell die klinischen Strukturen in Mannheim auf Basis einer seit 1964 bestehenden Rahmenvereinbarung mit dem Land und der Universität. Die Stadt kofinanziert so seit Jahrzehnten u.a. die baden-württembergische Ärzteausbildung. Die Universitätsmedizin, gekennzeichnet durch Forschung, Lehre und Patientenversorgung, ist mit dem Betrieb und den finanziellen Bedarfen eines kommunalen Maximalversorgers nicht vergleichbar.

Alle Arbeiten, die ohne eine Grundsatzentscheidung des Landes getätigt werden können, sind erfolgt. Ein Fortgang des Prozesses, hierzu gehört beispielsweise die kartellrechtliche Prüfung des Vorhabens, setzt nun einen richtungsweisenden Beschluss des Landes in der Sache voraus. Auch der vertiefte Informationsaustausch zwischen den beiden Universitätskliniken, eine zwingende Voraussetzung für eine medizinstrategische Detailplanung, ist wettbewerbsrechtlich erst dann gestattet, wenn eine klar definierte, vom Land unterstützte Absicht für einen Zusammenschluss besteht. Alle beteiligten Akteure in der Region sind sich in der Sache einig.

Ein Blick auf weitere Standorte in Deutschland zeigt, dass an mehreren Standorten in die Gesundheitswirtschaft investiert wird: Rheinland-Pfalz, Brandenburg, Schleswig-Holstein, Niedersachsen und Bayern sind engagiert auf dem Weg, ihre Standorte zu Technologietreibern und Industrieschwerpunkten für die kommenden Dekaden auszubauen und könnten Baden-Württemberg damit auf die Plätze verweisen.

Das Land steht vor einer großen, aber zugleich intensiv geprüften und klar befürworteten Entscheidung. Die beteiligten Akteure bitten Landesregierung und Landtag nun um den Auftrag zur Umsetzung.

Quelle: klinikum.uni-heidelberg.de
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