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Unzufriedenheit in der Ärzteschaft – Durchschnittseinkommen von Medizinern noch auf Pandemie-Niveau

27. September 2023

Das Einkommen vieler Ärzte ist in der „neuen Normalität“ nach der Pandemie nicht gestiegen, teils kam es zu einem weiteren Rückgang. Die Mitarbeiter im Gesundheitswesen trifft daher die Inflation sowie die Energiekrise hart. Viele Ärzte müssen sparen – auch bei den Gehältern ihrer Mitarbeiter. Die aktuelle Medscape-Umfrage ergab eine alarmierende Unzufriedenheit seitens der Ärzteschaft. So sind 65% der Befragten der Meinung, für ihre Tätigkeit nicht ausreichend entlohnt zu werden. 51% der befragten Mediziner gaben an, dass sich weder ihr Einkommen noch die Zahl der Arbeitsstunden nach der Pandemie wieder normalisiert hätten. 

Der „Medscape Gehaltsreport 2023” hat ergeben, dass Ärzte im vergangenen Jahr im Schnitt ein Brutto-Einkommen von 149.000 Euro durch die Behandlung von Patienten erwirtschaftet haben. Damit hat sich das Brutto-Durchschnittseinkommen seit Pandemiezeiten nicht erhöht (Medscape Gehaltsreport 2021: 150.000 Euro). Ärzte, die bonusberechtigt sind, erhielten im Schnitt eine jährliche Zahlung von 17.000 Euro. Für Tätigkeiten außerhalb der Versorgung von Patienten nahmen Ärzte im Schnitt 8.000 Euro ein. Die genaue Aufschlüsselung der aktuellen Ergebnisse finden Sie hier.

Die Auswirkungen von Covid-19 spüren manche Ärzte bis heute: Fast jeder vierte Arzt klagt in der aktuellen Umfrage über gesunkene Einnahmen (23%). Normalisiert hat sich die Bezahlung nach der Pandemie nur bei 15% der befragten Ärzte.

Während der Corona-Pandemie hatten Faktoren wie reduzierte Arbeitszeiten, Jobverlust oder weniger Patienten für rückläufige Trends beim Einkommen der Ärzte gesorgt. 55% machen laut der aktuellen Umfrage von Medscape auch die weltweite Wirtschaftskrise für Einkommensrückgänge verantwortlich. Die finanziellen Einbußen sorgen in der Ärzteschaft für Ernüchterung. Wie der „Medscape Gehaltsreport 2023” zeigt, sind nur 35% der befragten Ärzte mit ihrer finanziellen Situation zufrieden.

So sparen Mediziner

Weil bei gleichbleibendem Einkommen der Umfrageteilnehmer trotzdem die Kaufkraft sinkt, ist die finanzielle Situation in vielen Kliniken und Praxen angespannt. Während die Lebenshaltungskosten weiter steigen, berichten 41% der Befragten zudem von höheren Kosten für die Berufshaftpflichtversicherung. „Die angespannte Wirtschaftslage macht auch vor der Ärzteschaft nicht Halt. 43% der befragten Ärzte geben an, sparen zu müssen. Optimismus Fehlanzeige, denn ganze 68% sind der Meinung, dass sich die wirtschaftliche Situation in Deutschland in den kommenden zwei Jahren nicht verbessern wird. Ärzte müssen demnach voraussichtlich in Zukunft vermehrt zu Sparmaßnahmen greifen“, so Claudia Gottschling, Chefredakteurin von Medscape Deutschland.

Bevorzugt gespart wird laut Umfrage von 76% vor allem bei der Energie. Doch die Sparmaßnahmen betreffen auch die Gehälter. Aufgrund des Kostendrucks erhielten 35% der Ärzte keine Gehaltserhöhung. Zudem mussten 7% der Ärzte die Gehaltserhöhungen ihrer Angestellten vertragen oder gar ganz streichen. Den Schritt zu Personalentlassungen gingen jedoch nur 3% der Praxisleiter.

Darüber hinaus würden Ärzte auch im Privatleben Abstriche machen. So geben 52% an, weniger zu shoppen, 30% achten darauf, weniger zu reisen und 29% versuchen, auf Autofahrten zu verzichten. Hinsichtlich finanzieller Investments herrscht ebenso Skepsis, denn 47% der Ärzte rechnen mit Verlusten in ihren Portfolios.

Zufriedenheit bei der Berufswahl

Trotz des dichten Arbeitsalltags und den finanziellen Herausforderungen bleibt eine gute Nachricht: Die deutliche Mehrheit der befragten Ärzte ist nach wie vor mit ihrem Beruf zufrieden. 72% gaben an, dass sie sich wieder für ein Medizinstudium entscheiden würden. Etwas mehr als jeder 3. ist sogar noch immer so motiviert wie zu Beginn seiner Berufstätigkeit. „Das zeigt, dass bei vielen Ärzten der Beruf tatsächlich auch eine Berufung ist“, kommentiert Claudia Gottschling, Chefredakteurin von Medscape Deutschland.

Für den aktuellen „Medscape Gehaltsreport 2023“ nahmen von Ende Dezember 2022 bis März 2023 mehr als 1.000 Ärzte und Ärztinnen, die in Deutschland leben und arbeiten, an einer Online-Umfrage teil.

Quelle: medscape.com
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