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VKD: Versorgung mit Schutzkleidung nach wie vor sehr kritisch

Die Lage ist angespannt, aber bisher in den Krankenhäusern zu bewältigen. In vielen Kliniken wurde die Zahl der Intensivbetten erheblich vergrößert, teilweise um das Doppelte der bisherigen Zahl, planbare Behandlungen wurden abgesagt, so dass Kapazitäten für Corona-Patienten frei sind. Außerdem übernehmen Rehabilitationskliniken inzwischen auch Akutpatienten. In den meisten Häusern sind derzeit nur noch 50 Prozent der Betten belegt und damit frei für Corona-Patienten. Über die aktuelle Situation in den Krankenhäusern, Rehabilitationskliniken und zu Kliniken gehörenden Pflegeheimen ihrer Mitglieder tauschten sich gestern die Vorstände der VKD-Landesgruppen im Rahmen einer Telefonkonferenz aus.

“Fehlende Beatmungsgeräte konnten nur zum Teil neu beschafft werden. Durch Geräte aus anderen Bereichen, auch bereits ausgemusterte Geräte, wurden die Zahlen zum Teil aufgestockt. Dadurch hat sich die Lage inzwischen etwas entspannt“, so VKD-Präsident Dr. Josef Düllings. Nicht vergessen werden dürfe, dass für die aufgestockten Intensivkapazitäten auch immer das nötige Personal da sein müsse.

Nochmals prekärer ist die Lage in den Einrichtungen der ambulanten Rehabilitation, die vom Schutzschirm ebenso wenig erfasst werden wie die Mutter-Vater-Kind-Einrichtungen. Hier muss zwingend nachgesteuert werden.

Als nach wie vor kritisch wird von den meisten die Versorgung mit Schutzkleidung gesehen. Es sei essenziell, dass Ärzte und Pflegende vor Ansteckung geschützt werden könnten. Atemschutzmasken reichten nicht und würden in Krankenhäusern zum Teil rationiert bzw. wiederaufbereitet und erneut genutzt. Die Kliniken suchten selbst nach Lieferanten, aber bei einigen sei die Lage so prekär, dass sie die Versorgung in absehbarer Zeit drosseln müssten – gerade dann, wenn vielleicht die erwartete große Zahl an Patienten käme. Zentral geliefertes Material komme nur schleppend und in ungenügenden Stückzahlen an.

Hier sehe man insbesondere die Länder in der Pflicht, die rechtlich den Sicherstellungsauftrag für die stationäre Versorgung hätten, diesen in der aktuellen Krise aber nicht erfüllen könnten. Nach der Krise müsse zwingend eine versorgungspolitische Bilanz gezogen werden - zum Investitionsniveau, zur Ausstattung, Medizintechnik und Personalvorhaltung der Krankenhäuser und zu Pandemieplänen, die offenbar nur auf dem Papier stünden. Gesundheitsämter und regionale Bezirksstellen kassenärztlicher Vereinigungen seien an vielen Stellen überfordert, während die Krankenhäuser das Heft in die Hand genommen hätten und für die Bevölkerung die Versorgung bislang uneingeschränkt sicherstellten.

„Wenn die Bundesregierung auch erst spät auf die Corona-Pandemie reagiert hat, so sehen wir inzwischen erhebliche Anstrengungen, gegenzusteuern“, so Dr. Josef Düllings. Zufrieden ist man mit dem für die Krankenhäuser und Rehakliniken aufgespannten Schutzschirm im VKD-Vorstand allerdings nicht. Denn ein erheblicher Teil der Kosten wird nicht finanziert. Budgets müssen dennoch mühsam ausgehandelt werden. Die Bürokratie bleibt auf hohem Niveau und belastet vor allem die Ärzte auch in dieser Ausnahmesituation zusätzlich. Der Medizinische Dienst prüft weiter. Teilweise würden Strukturprüfungen aber nicht durchgeführt, etwa für die Geriatrie, und in diesem Jahr erbrachte Leistungen auch nach drei Monaten nicht bezahlt.

Für Pflegeheime ist im Corona-Hilfspaket die Übernahme aller Kosten für das Einrichten von Schleusen, Desinfektion und zusätzliches Personal durch die Pflegeversicherung zugesagt. Aber auch hier stellt sich die Frage, ob z.B. das nötige Schutzmaterial überhaupt zu bekommen ist.
Wir brauchen zwingend aber auch einen Ausstiegsplan für die Zeit nach der Corona-Krise. Beim Weg in die Normalität muss berücksichtigt werden, dass dann auch die vielen Patienten, deren Behandlungen und Operationen verschoben werden mussten, in die Kliniken kommen und versorgt werden müssen. Der VKD wird dafür aus Sicht der Praxis Vorschläge erarbeiten.

Die Krankenhäuser zeigen sich trotz aller Widrigkeiten in der Krise einmal mehr als Anker der Gesundheitsversorgung. Die zusätzlich in den Rehakliniken geschaffenen Kapazitäten sieht man im VKD-Vorstand ebenfalls als wichtigen, notwendigen Teil der Versorgung in der Pandemie. „Unsere Mitarbeiter arbeitenmit großem Engagement sowie dem angesichts der großen Versorgungslücken oft notwendigen Erfindergeist an vorderster Front. Es ist schön, wenn die Bundestagsabgeordneten für sie alle klatschen. Wir hoffen, dass sie nach der Pandemie aber nicht vergessen, wer hier die Kohlen aus dem Feuer geholt hat – so das Fazit des Gremiums.

Der Verband der Krankenhausdirektoren Deutschlands e.V. (VKD) vertritt mit rund 2.250 Mitgliedern das Management fast aller deutschen Krankenhäuser einschließlich der Rehabilitationskliniken und Pflegeeinrichtungen. Er versteht sich als Ansprechpartner insbesondere in Fragen der Krankenhauspraxis und des Klinikmanagements. 

Quelle: vkd-online.de
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