Vom Ehrenamt zur Demenzbegleiterin

11. August 2022

Gertrudis-Hospital legt Fokus auf Begleitung Demenzerkrankter

Mit dem ehrenamtlichen Besuchsdienst einmal wöchentlich im Westerholter Gertrudis-Hospital fing alles an: „Damals habe ich gemerkt: Das ist meins! Ich beschäftigte mich schon immer gern mit älteren Menschen, aber die eine Stunde in der Woche im Ehrenamt war knapp und ich spürte, dass ich mehr machen möchte“, so Sabine Faber-Tiemann, die neue Demenzbegleiterin im Westerholter Krankenhaus. „Dann hörte ich von der Ausbildung zur Betreuungsassistentin und wusste: Hier werde ich nicht nur Erfüllung finden, sondern mich auch persönlich weiterentwickeln.“ 

Gesagt, getan: 2021 startete sie ihre Ausbildung mit einem Orientierungspraktikum bei den Maltesern und kann sich nun nach viel Theorie und praktischen Einsätzen „Betreuungsassistentin“ nennen. Wie sich mittlerweile herausgestellt hat: ein wahrer Segen für Patienten und Mitarbeiter des Gertrudis-Hospitals, in dem sie nun seit Anfang Juli als Teil des Teams demenziell Erkrankte mit sehr viel Engagement und einem offenen Ohr für Sorgen und Nöte begleitet.

Mit Freude und Herzblut

„Ich war von Anfang an mit Freude und Herzblut dabei“, schwärmt die gelernte Bürokauffrau und Mutter einer Tochter – und das hat das Team des Westerholter Gertrudis-Hospitals sofort bemerkt. „Schon als sie ehrenamtlich bei uns tätig war, sah ich, dass das genau ihr Ding ist: Die Chemie stimmte, sie passte super ins Team und brachte die Persönlichkeit und Begeisterung mit, die es für diesen Job braucht“, berichtet Ehrenamtskoordinatorin Regina Kruse, die das Potenzial der 58-Jährigen von Anfang an erkannt und sie auf ihrem Weg unterstützt hat. Gemeinsam mit Geriatrie-Chefärztin Dr. Anette Borchert sorgte sie dafür, dass Sabine Faber-Tiemann zum 1. Juli eine Teilzeitstelle als Betreuungsassistentin im Gertrudis-Hospital antreten konnte. Die Ausbildung zur Betreuungsassistentin wurde vom „Förderkreis der Palliativmedizin am Gertrudis-Hospital Herten-Westerholt e.V.“ finanziert. „Wir haben Frau Faber-Tiemanns empathischen Umgang mit den Patienten schätzen gelernt und waren begeistert, sie für unser Team gewinnen zu können“, so Dr. Anette Borchert. „Mit ihrer Unterstützung planen wir zusätzlich eine interdisziplinäre Demenzstation aufzubauen“, führt Dr. Borchert fort. Denn die Zahl der Demenzerkrankten nimmt kontinuierlich zu: Allein in Deutschland sind jüngsten Schätzungen zufolge rund 1,6 Millionen Menschen betroffen und nach aktuellen Vorausberechnungen soll sich die Krankenzahl bis zum Jahr 2050 auf 2,4 bis 2,8 Millionen erhöhen (Quelle: Deutsche Alzheimer Gesellschaft). „Eine rechtzeitige Diagnose und professionelle Behandlung gewinnt aufgrund des demografischen Wandels also von Tag zu Tag immer mehr an Bedeutung“, weiß Dr. Borchert.

Ganzheitliche Versorgung im demenzsensiblen Krankenhaus


Seit über einem Monat unterstützt Betreuungsassistentin Sabine Faber- Tiemann ihre Patienten nun schon dort, wo sie nur kann. Für das Gertrudis-Hospital Westerholt als demenzsensibles Krankenhaus ist sie wie Therapiebegleithund Oskar ein weiterer Baustein für die ganzheitliche gesundheitliche Versorgung von Demenzerkrankten. Sabine Faber Tiemann liest nicht nur ihren Patienten aus der Zeitung vor, singt und spielt mit ihnen, macht gemeinsam mit ihnen Spaziergänge, sondern begleitet diese auch zu Untersuchungen oder Behandlungen im Krankenhaus. So entlastet sie nicht nur Pflegekräfte und Ärzte, sondern auch Angehörige. Kommt ein dementer Patient aus dem Seniorenheim oder von zu Hause aus in das Krankenhaus, ist sie jedes Mal sofort zur Stelle. Geplant ist die Begleitung von der Ankunft im Gertrudis-Hospital über die Zentrale Notaufnahme bis beispielsweise hin in den OP und nach dem Eingriff im Aufwachraum: Im Gertrudis-Hospital ist Sabine Faber-Tiemann Bezugsperson Nummer eins für demente und orientierungslose Patienten und gibt ihnen Halt.

Aber das beruht auf Gegenseitigkeit, denn von den Patienten bekommt sie viel zurück: „Dieser Beruf erfüllt mich einfach – die Patienten spüren, dass ich ihnen helfe und geben mir viel Dankbarkeit zurück. Am liebsten würde ich den Job noch machen, bis ich 100 oder selbst auf Hilfe angewiesen bin“, strahlt die Demenzbegleiterin.

Quelle: Pressemeldung – kkrn.de
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