Deutscher Krankenhaus-Controllertag: Wirtschaftliche Auswirkungen der Ambulantisierung aktiv steuern
Die Ambulantisierung verändert die wirtschaftliche Steuerung von Krankenhäusern, weil Verlagerungen stationärer Leistungen in Hybrid-DRG-Strukturen Erlöse, Prozesse, Personalplanung und Medizintechnik gleichzeitig betreffen. Auf dem Deutschen Krankenhaus-Controllertag 2026 stand deshalb im Mittelpunkt, wie Krankenhäuser diese Effekte aktiv planen und steuern können…
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Die zunehmende Verlagerung stationärer Leistungen in den ambulanten Bereich stellt Krankenhäuser vor erhebliche wirtschaftliche und prozessuale Herausforderungen. Hybrid-DRGs führen vielfach zu Erlöseinbußen gegenüber bisherigen stationären Vergütungen – mit der Anforderung, Prozesse, Personal und Medizintechnik für die Ambulantisierung neu aufzustellen. Wie die Auswirkungen der Ambulantisierung auf Erlöse, Kosten und Prozesse aktiv gesteuert werden können, war eine zentrale Fragestellung auf dem Deutschen Krankenhaus Controllertag 2026.
Leistungsgruppen, Erlöslogik und Produktivität zusammen denken
Die mit dem KHVVG eingeführten Leistungsgruppen verändern zudem die strategische Ausrichtung vieler Häuser grundlegend. Entscheidungen über Leistungsportfolios, Schwerpunktsetzungen oder Kooperationen lassen sich jedoch nicht isoliert treffen. Sie beeinflussen Fallzahlen, Erlöse, Personalbedarfe und Prozessabläufe gleichermaßen – und sind unmittelbar mit der Vorhaltefinanzierung verknüpft, deren Höhe von der Zuweisung und dem Nachweis der jeweiligen Struktur-Qualitätskriterien abhängt.
Für die Steuerungsplanung ist relevant, dass 2026 und 2027 gemäß KHAG als budgetneutrale Phase gelten, gefolgt von der Konvergenzphase 2028 und 2029; die volle Finanzwirksamkeit der Vorhaltevergütung tritt erst ab 2030 ein. Die finanziellen Auswirkungen entfalten sich damit schrittweise – ein Umstand, der bei Simulationen und Mehrjahresplanungen zwingend berücksichtigt werden muss. Zudem gilt: Da das InEK die Vorhaltevolumina ausschließlich auf Basis stationärer Fallzahlen berechnet, führt jede Verlagerung von Leistungen in Hybrid-DRG-Strukturen zu einer rechnerischen Reduktion des Vorhaltevolumens – bei gleichbleibend hohen Fixkosten. Ambulantisierung und Vorhaltefinanzierung stehen damit in einer direkten Wechselwirkung, die im Controlling abgebildet werden muss.
Von Datensilos zu integrierten Steuerungsanalysen
Steuerungsfähigkeit entsteht nur dort, wo Erlös-, Kosten-, Prozess- und Leistungsdaten gemeinsam betrachtet werden. Einzelne Reports oder isolierte Kennzahlen auf Fachabteilungsebene reichen nicht mehr aus, um die wirtschaftlichen Effekte realistisch abzubilden.
Gefragt sind heute Analysen, die
- ambulante und stationäre Leistungen strategisch gemeinsam betrachten,
- wirtschaftliche Effekte von Hybrid-DRGs sowie prozessuale und strukturelle Anpassungen transparent machen,
- Auswirkungen von Leistungsverlagerungen auf das Vorhaltevolumen simulierbar machen,
- die Konsequenzen der Leistungsgruppenzuweisung auf Vorhaltevergütung und Erlösstruktur abbilden und
- Entscheidern eine belastbare Grundlage für strategische Weichenstellungen liefern.
Fazit: Steuerungsfähigkeit wird zum entscheidenden Erfolgsfaktor
Der Deutsche Krankenhaus Controllertag 2026 hat klar gezeigt: Die Anforderungen an Controlling und Management verändern sich grundlegend. Zukunftsfähig sind diejenigen Krankenhäuser, die komplexe Zusammenhänge verstehen, wirtschaftliche Risiken frühzeitig erkennen und fundierte Entscheidungen treffen können. Integrierte, datenbasierte Steuerungsansätze werden damit zum entscheidenden Erfolgsfaktor.
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