Digitalisierung, Doppelstrukturen, Kassenvielfalt: Wo das System Milliarden verliert
Trotz hoher Ausgaben blockieren teure IT, Bürokratie und Doppelstrukturen dringend nötige Effizienzgewinne im Gesundheitswesen…
- Ökonomie
Rund 500 Milliarden Euro pro Jahr fließen in das deutsche Gesundheitswesen. Die Finanzierung zählt international zur Spitze, die Nutzung der Mittel jedoch nicht. Krankenhausbetten gelten oft als Symbol für Überkapazitäten. Dr. Steffen Grüner erinnert daran, dass Reserven in Pandemien Versorgung sichern und Klinikschließungen qualifiziertes Personal dauerhaft kosten.
Deutliches Sparpotenzial sieht er in der Telematik-Infrastruktur. Überteuerte Konnektoren, fehleranfällige ePA und teure Heilberufsausweise binden Milliarden, ohne die Versorgung spürbar zu verbessern. Gleichzeitig nimmt die Eigenverantwortung der Patientinnen und Patienten ab. Fehlende Gesundheitskompetenz führt zu unnötigen Praxisbesuchen. Anreizmodelle nach Schweizer Vorbild könnten präventives und regelkonformes Verhalten belohnen.
Zusätzliche Lasten entstehen durch versicherungsfremde Leistungen, die die gesetzlichen Krankenkassen nach Experteneinschätzung um bis zu 20 Milliarden Euro pro Jahr belasten. Grüner stellt zur Diskussion, ob hier Bundeszuschüsse nötig wären. Er kritisiert rund 100 Krankenkassen mit teuren Verwaltungen und eine kostspielige Doppelstruktur mit Berufsgenossenschaften. Eine Bündelung der Kassen und eine Zusammenführung der Systeme ohne Leistungsabbau für Versicherte sieht er als Hebel für spürbare Entlastung.
Gebündelt, stets aktuell und immer handverlesen werden alle Neuigkeiten gesammelt und anwenderbezogen aufbereitet.