Ein Jahr Krankenhausreform in NRW: Patienten fahren weiter, Kliniken arbeiten spezialisierter
Ein Jahr nach Start der Krankenhausplanung in NRW arbeiten Kliniken spezialisierter. Das soll die Qualität verbessern, bringt für Patienten aber längere Wege und für Beschäftigte sowie Träger spürbare Belastungen mit sich…
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Ein Jahr nach Inkrafttreten der neuen Krankenhausplanung am 1. April 2025 hat NRW seine Kliniklandschaft spürbar umgebaut. Das Land bündelt vor allem komplexe Behandlungen auf weniger Standorte. Patientinnen und Patienten sollen dadurch in Kliniken behandelt werden, die für diese Leistungen genug Personal, Erfahrung und Ausstattung haben.
Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann bezeichnet das als Wechsel von der Bettenplanung zu einer Planung nach Bedarf, Qualitätsstandards und Erreichbarkeit. Besonders deutlich zeigt sich die Spezialisierung bei Krebstherapien sowie bei Knie- und Hüftprothesen. Für viele Patienten bedeutet das längere Wege, vor allem im ländlichen Raum. Die Grundversorgung bleibt laut Land flächendeckend erhalten. Für 90 Prozent der Menschen soll ein Krankenhaus der Grundversorgung in höchstens 20 Minuten mit dem Auto erreichbar sein.
Kritik kommt von Patientenschützern und Verdi. Die Deutsche Stiftung Patientenschutz warnt vor weiterem Druck auf kleinere Kliniken. Verdi berichtet von Standort- und Abteilungswechseln, längeren Pendelwegen und höherer Belastung für Beschäftigte.
Auch wirtschaftlich greift die Reform tief ein. Kliniken verlieren Einnahmen, wenn sie bestimmte Leistungen nicht mehr anbieten dürfen. Andere Häuser müssen für neue Schwerpunkte Personal einstellen und umbauen. Die Krankenhausgesellschaft NRW verweist zugleich auf Planungssicherheit für die 320 Kliniken bis 2030. Juristisch hält die Reform bisher weitgehend stand. Von 58 Eilverfahren am OVG Münster sind 35 entschieden, meist zugunsten des Landes. 23 Verfahren und 97 Hauptsacheverfahren laufen noch.
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