Experten streiten über digitale Ersteinschätzung im geplanten Primärversorgungssystem

In einer Runde des GKV-Spitzenverbandes wurde kontrovers über digitale Tools in der Primärversorgung diskutiert, während Einigkeit über ein verbindliches Primärversorgungs- statt Primärarztsystem bestand…

22. Mai 2026
  • Digitale Klinik
  • Politik

Ob digitale Ersteinschätzung, Chatbots oder KI die Primärversorgung verbessern oder neue Hürden aufbauen, bleibt offen. Die Diskussionsrunde „GKV live“ des GKV-Spitzenverbandes vom 20. Mai 2026 zeigt, dass das geplante Primärversorgungsgesetz politisch noch nicht ausdiskutiert ist.

Jutta Bleidorn, Direktorin des Instituts für Allgemeinmedizin am Uniklinikum Jena und Vizepräsidentin der Deutschen Gesellschaft für Allgemeinmedizin und Familienmedizin, warnte vor einer Überschätzung digitaler Ersteinschätzung. Erfahrungen aus anderen Ländern zeigten, dass solche Systeme im Zweifel eher mehr Arztkontakte auslösten. Sie forderte eine belastbare Evaluation.

Grünen-Politiker Janosch Dahmen mahnte, die Reform dürfe nicht auf Technik verengt werden. Entscheidend seien die verbindliche Einschreibung in eine Primärversorgungspraxis und die Steuerung nach Dringlichkeit. Er warnte vor einer Drei-Klassen-Medizin durch Selbstzahlerleistungen.

Tino Sorge (CDU), Parlamentarischer Staatssekretär im Bundesgesundheitsministerium, kündigte für Sommer 2026 einen Gesetzentwurf an. Digitale Tools sollten den Arztkontakt ergänzen, nicht ersetzen. Das System könne je nach parlamentarischem Verfahren Anfang 2027 starten.

Stefanie Stoff-Ahnis vom GKV-Spitzenverband sprach sich für ein qualitätsgesichertes Navigationstool per Krankenkassen-App sowie für elektronische Überweisungen mit Anschluss an ein bundeseinheitliches Terminverzeichnis aus.

Quelle:
aok.de

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