Hessen prüft Klinik-Anträge bis Juli – Experten rechnen mit deutlich weniger Häusern
Die Krankenhausreform führt Leistungsgruppen und Vorhaltepauschalen ein. Experten erwarten höhere Behandlungsqualität, aber auch weniger Kliniken und offene Finanzierungsfragen…
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Die Krankenhausreform des Bundes verändert die deutsche Kliniklandschaft grundlegend. Spezialisierung, Qualitätskriterien und ein neues Finanzierungsmodell ersetzen das bisherige System der Fallpauschalen. Das war das zentrale Thema beim zweiten Medizin-Talk der Offenbach-Post.
Stefan Sydow, Leiter der Abteilung Gesundheit im hessischen Gesundheitsministerium, erläuterte den aktuellen Stand. Bis zum 31. Juli 2026 prüft Hessen die Anträge der Kliniken auf Zuweisung sogenannter Leistungsgruppen. Ab 2027 erhalten Häuser nur noch Mittel für jene Behandlungsfelder, für die das Land eine entsprechende Fachexpertise anerkennt. Vorhaltepauschalen sichern künftig die Grundversorgung, auch bei geringer Fallzahl.
Uwe Jansen, Geschäftsführer der Asklepios-Klinik Seligenstadt, betonte, dass Routineeingriffe wie Blinddarmoperationen weiterhin flächendeckend angeboten werden. Die Spezialisierung betreffe vor allem komplexe Eingriffe wie Hirn-OPs oder Tumorbehandlungen. Dr. André Althoff, Chefarzt der Pneumologie am Sana-Klinikum, ergänzte, dass selbst große Versorger künftig auf Netzwerkmedizin angewiesen seien, etwa bei der Versorgung von Lungenkrebspatienten.
Philipp Schlerkmann, Leiter des Sana-Klinikums Offenbach, schätzt, dass von derzeit 1.700 deutschen Krankenhäusern langfristig rund 1.200 verbleiben könnten. Mehr als 50 Prozent der Kliniken arbeiten bereits heute defizitär. Sydow verwies auf die demografische Entwicklung. Das aktuelle Ausgabeniveau für Krankenhäuser sei auf Dauer nicht finanzierbar.
Im Publikum blieben Fragen offen. Ein Rettungssanitäter vermisste die Arbeitnehmerperspektive auf dem Podium. Eine Pflegerin aus dem Ketteler Krankenhaus fragte nach der Zukunft weniger lukrativer Bereiche wie Kindermedizin und Urologie.
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