IKK-Chef fordert kompletten Systemwechsel in der Krankenversicherung

IKK-Chef Ralf Hermes fordert statt punktueller Einsparungen einen radikalen Umbau von Kranken- und Pflegeversicherung. Kern des Modells sind 150 Euro Pauschalbeitrag, mehr Eigenbeteiligung und der Wegfall der Familienversicherung…

2. April 2026
  • Politik

Ralf Hermes, Chef der IKK Innovationskasse, fordert keinen weiteren Sparkurs im bestehenden System, sondern einen grundlegenden Umbau von Kranken- und Pflegeversicherung. Sein Konzept würde die Finanzierung neu ordnen und für Versicherte spürbare Folgen haben: einen pauschalen Beitrag von 150 Euro pro Kopf, den Wegfall der beitragsfreien Familienversicherung und zusätzliche Eigenbeteiligungen.

Hermes begründet den Vorstoß mit einer strukturellen Überforderung der gesetzlichen Krankenversicherung und der sozialen Pflegeversicherung. Er will die Pflegeversicherung auflösen und in eine solidarische Gesundheitsversicherung integrieren. Pflegekosten sollen damit nicht mehr getrennt organisiert werden.

Das Modell teilt die Versorgung in drei Säulen. Eine staatlich gestützte Grundsicherung soll teure Leistungen wie Krankenhausaufenthalte, stationäre Pflege und Notfälle absichern. Eine soziale Krankenversicherung soll die Alltagsversorgung über eine einkommensunabhängige Monatsprämie von 150 Euro finanzieren. Für Komfortleistungen und bisher abgedeckte Leistungen wie Krankengeld, Zahnersatz und schnellere Arztzugänge sieht Hermes eine private Zusatzversicherung vor.

Damit geht der Vorschlag deutlich weiter als das von der schwarz-roten Koalition geplante Reformpaket. Die Bundesregierung will mit 66 Kommissionsvorschlägen die Finanzlücke der Kassen schließen und Beitragsanstiege vermeiden. Für 2027 beziffert die Kommission die mögliche Entlastung auf bis zu 42,3 Milliarden Euro, bis 2030 auf 63,9 Milliarden Euro. Hintergrund ist ein erwartetes Defizit von rund 15 Milliarden Euro.

Quelle:
spiegel.de

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