InEK veröffentlicht Indikationsliste für onkochirurgische Leistungen nach § 40 KHG
Das InEK veröffentlicht gemäß § 40 Abs. 1 KHG eine differenzierte Indikationsliste für onkochirurgische Leistungen auf Basis von ICD-10-GM und OPS 2025 …
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Das Institut für das Entgeltsystem im Krankenhaus (InEK) hat eine nach Indikationsbereichen gegliederte Liste für onkochirurgische Leistungen veröffentlicht. Grundlage ist § 40 Absatz 1 des Krankenhausfinanzierungsgesetzes (KHG). Die Liste definiert die Zuordnung von Behandlungsfällen anhand von Diagnosen- und Prozedurenschlüsseln gemäß ICD-10-GM und OPS, jeweils in der Version 2025.
Bösartige Neubildungen werden dabei sowohl als Haupt- als auch als Nebendiagnose berücksichtigt. Ein Behandlungsfall kann mehreren Indikationsbereichen gleichzeitig zugeordnet werden.
Bis zum 31. Dezember 2026 soll das InEK gemäß § 40 Absatz 1 Satz 6 KHG einen Grouper zertifizieren und das zugehörige Definitionshandbuch veröffentlichen. Damit wird die technische Grundlage für eine standardisierte Datenverarbeitung im Bereich der Onkochirurgie geschaffen.
Die bereitgestellten Daten des Instituts für das Entgeltsystem im Krankenhaus (InEK) beschreiben den bundesweit einheitlichen Klassifikationsstandard für onkochirurgische Leistungen gemäß § 40 Abs. 1 Krankenhausfinanzierungsgesetz (KHG) auf Basis der Klassifikationsversionen ICD-10-GM 2025 und OPS 2025.
1. Gesetzlicher und systemischer Kontext (§ 40 KHG)
- Zielsetzung: Die Veröffentlichung dient der nachvollziehbaren Abgrenzung und Zuordnung onkochirurgischer Behandlungsfälle zu spezifischen Indikationsbereichen. Bösartige Neubildungen werden dabei sowohl als Haupt- als auch als Nebendiagnosen berücksichtigt.
- Perspektive & Frist: Bis zum 31. Dezember 2026 wird das InEK gemäß § 40 Abs. 1 Satz 6 KHG eine zertifizierte Datenverarbeitungslösung (Grouper) sowie das dazugehörige Definitionshandbuch bereitstellen.
2. Die 14 Onkochirurgischen Indikationsbereiche
Das InEK definiert exakt 14 Indikationsbereiche, welche das gesamte Spektrum der operativen Onkologie abdecken:

3. Analyse der Diagnosen (ICD-10-GM 2025)
Der Diagnosenkatalog umfasst insgesamt 370 ICD-10-GM-Codes. Die Analyse offenbart eine zweistufige Zuordnungslogik:
- Primäre Indikationszuordnung (296 Diagnosen): Diagnosen, die direkt einem stammorganbezogenen Indikationsbereich zugewiesen sind (z. B. Kopf-Hals: 81 ICD-Codes; ZNS: 53; Darm und Anus: 35; Weibliche Genitalorgane: 29; Bronchien und Lunge: 20; Harnblase: 17; Mamma: 15).
- Die „Nachbarschaftsorganregelung“ (234 Diagnosen betroffen): Um der anatomischen Tumorinfiltration in benachbarte Organe gerecht zu werden, erlaubt das System, dass Diagnosen auch in Verbindung mit Prozeduren anderer Indikationsbereiche relevant werden.
- Ausschließlich nachbarorganrelevante Diagnosen (74 ICD-Codes): Bestimmte Diagnosen besitzen keinen eigenen primären Indikationsbereich, sondern entfalten ihre Wirkung im Grouper-System ausschließlich über die Nachbarschaftsorganregelung. Beispiele hierfür sind:
- C26.1 (Bösartige Neubildung der Milz): Relevant für Darm und Anus, Magen sowie Speiseröhre.
- C41.x (Knochen und Gelenkknorpel): Je nach Lokalisation (z. B. Kraniofazial, Wirbelsäule, Rippen) relevant für Kopf-Hals, ZNS oder Bronchien und Lunge.
- C62.x / C63.x (Hoden und männliche Genitalorgane): Relevant für den Indikationsbereich Prostata.
- C74.x / C79.7 (Nebennierenkarzinome / -metastasen): Relevant für den Indikationsbereich Niere.
- C81–C88 (Lymphome & MALT-Lymphome): Zuweisung zu ZNS, Kopf-Hals, Magen, Speiseröhre, Darm oder Lunge je nach Befallsmuster.
4. Analyse der Prozeduren (OPS 2025)
Der Prozedurenkatalog beinhaltet insgesamt 1.691 OPS-Codes.
Verteilung der chirurgischen Eingriffe nach Indikationsbereichen:
- Kopf-Hals (426 OPS-Codes): Höchste Differenzierung durch eine Vielzahl komplexer mikrochirurgischer, plastisch-rekonstruktiver Lappenplastiken (z. B. Glossektomien, Pharyngektomien, Mandibula-/Maxillaresektionen, Neck Dissections).
- Bronchien und Lunge (307 OPS-Codes): Reicht von atypischen/segmentalen Resektionen über radikale Lobektomien bis hin zu erweiterten Pleuropneumonektomien.
- Darm und Anus (251 OPS-Codes): Umfasst resezierende Verfahren von der Segmentresektion bis zur Proktokolektomie.
- Weibliche Genitalorgane (158 OPS-Codes)
- Magen (112 OPS-Codes)
- Leber und Gallenwege (84 OPS-Codes)
- Harnblase (82 OPS-Codes)
- Speiseröhre (73 OPS-Codes)
- Niere (67 OPS-Codes)
- Mamma (55 OPS-Codes)
- Zentrales und peripheres Nervensystem (38 OPS-Codes)
- Schilddrüse und Nebenschilddrüse (36 OPS-Codes)
- Pankreas (18 OPS-Codes): Trotz hoher operativer Komplexität geringere Code-Anzahl (fokussiert auf Kernprozeduren wie Whipple, PPPD, totale Pankreatektomie).
- Prostata (18 OPS-Codes)
Mehrfachzuordnung bei komplexen / multiviszeralen Eingriffen (23 OPS-Codes):
Das Regelwerk identifiziert exakt 23 Prozeduren, die zeitgleich mehreren Indikationsbereichen zugeordnet sind:
- 12 Gastrektomien mit Ösophagusresektion (OPS 5-438.01 bis 5-438.1x): Zuordnung zu Magen und Speiseröhre.
- 4 Beckeneviszerationen beim Mann (OPS 5-576.80 bis 5-576.8x): Zuordnung zu Harnblase, Prostata sowie Darm und Anus.
- 7 Beckenexenterationen bei der Frau (OPS 5-687.0 bis 5-687.y): Zuordnung zu Harnblase, Weibliche Genitalorgane sowie Darm und Anus.
5. Wesentliche Erkenntnisse
- Verhältnis von Diagnosen und Prozeduren: Während im Bereich Kopf-Hals auf 81 Diagnosen 426 Prozeduren kommen (aufgrund der chirurgischen Rekonstruktionstechniken), stehen bei der Mamma 15 Diagnosen 55 Prozeduren gegenüber.
- Abbildung interdisziplinärer Realität: Die Nachbarschaftsorganregelung bei Diagnosen sowie die Mehrfachzuordnung bei multiviszeralen Eingriffen stellen sicher, dass fächerübergreifende Onkochirurgie (z. B. Beckenexenterationen oder thorakoabdominale Eingriffe) im Abrechnungs- und Gruppierungssystem sachgerecht abgebildet werden
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