KHVVG und Strukturwandel: Geburtshilfe verliert Standorte, ohne das Kostenproblem zu lösen

Drei Viertel der deutschen Geburtskliniken rechnen 2025 mit einem Defizit. Gleichzeitig hat sich die Zahl der Entbindungsstandorte seit 2000 deutlich verringert, während die Versorgungskomplexität gestiegen ist…

8. Juni 2026
  • Politik
  • Ökonomie

Drei Viertel der Krankenhäuser mit geburtshilflichen Fachabteilungen gehen für 2025 davon aus, dass ihre Kosten die Erlöse übersteigen. Das zeigt eine repräsentative Umfrage unter 218 Kliniken, die Teil des Kompendiums Geburtshilfe ist. Der negative wirtschaftliche Trend setzt sich damit seit der ersten Erfassung im Jahr 2013 ohne Unterbrechung fort.

Parallel dazu hat sich die Versorgungsstruktur grundlegend verändert. Im Jahr 2000 boten noch 52,3 Prozent aller Krankenhäuser Entbindungen an, bis 2023 sank dieser Anteil auf 39,1 Prozent. Die verbleibenden Standorte versorgen entsprechend mehr Geburten. Die durchschnittliche Zahl der Entbindungen je Krankenhaus stieg von 712 im Jahr 2000 auf 1.133 im Jahr 2024, ein Anstieg von fast 60 Prozent.

Auch das Patientenprofil hat sich verändert. Laut Befragung berichten 76 Prozent der Kliniken von älter werdenden Müttern, 70 Prozent von einem höheren Body-Mass-Index und 59 Prozent von gestiegenem psychosozialem Unterstützungsbedarf. Die Versorgung ist damit aufwändiger geworden, ohne dass die Erlöse mitgewachsen sind.

Hinzu kommt eine Verschiebung bei der Geburtsart. Der Anteil der Spontangeburten sank von 72 Prozent im Jahr 2000 auf rund 60 Prozent im Jahr 2024, der Kaiserschnittanteil stieg entsprechend. 33 Prozent der befragten Häuser haben bereits einen Hebammenkreißsaal eingerichtet, weitere 11 Prozent planen dies.

Das Kompendium, erarbeitet zwischen April 2025 und Mai 2026 auf Basis einer Sekundärdatenanalyse und der genannten Umfrage, kommt zu dem Schluss, dass die Konzentration der Geburten auf weniger Standorte das strukturelle Kostenproblem der Geburtshilfe nicht löst.

Quelle:
dki.de

Medinfoweb
Die etablierte Informationsplattform für Informatik, Ökonomie, Marketing und Qualitätsmanagement im Gesundheitswesen.

Gebündelt, stets aktuell und immer handverlesen werden alle Neuigkeiten gesammelt und anwenderbezogen aufbereitet.