Kölner Pflegetalk: Warum Sparmaßnahmen allein das Gesundheitssystem nicht retten
Prof. Dr. Simon Claßen fordert auf dem EWMA-Kongress keine weiteren Sparmaßnahmen, sondern eine grundlegende Neuorganisation der ambulanten Versorgung, besonders bei chronischen Wunden…
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Das deutsche Gesundheitssystem steht unter erheblichem Finanzdruck. Die Bundesregierung plant mit dem GKV-Beitragssatzstabilisierungsgesetz eine Begrenzung der Ausgaben der gesetzlichen Krankenversicherung. Eine eigens eingerichtete Expertenkommission legte dazu dutzende Sparvorschläge vor, darunter eine Reduzierung der Verbandmittelkosten in der Wundversorgung.
Prof. Dr. Simon Claßen, ärztlicher Geschäftsführer der Kerckhoff-Klinik in Bad Nauheim und Facharzt für Gefäßchirurgie, widerspricht dem reinen Sparkurs. Im Kölner Pflegetalk mit Prof. Dr. Volker Großkopf spricht er auf dem EWMA-Kongress über Alternativen und plädiert für eine grundlegende Neuorganisation der Versorgungsstrukturen.
Claßen beschreibt ein konkretes Problem: Patienten verlassen das Krankenhaus stabil, kehren aber wenige Wochen später erneut zurück. Besonders bei chronischen Wunden werde die notwendige Kompressionsbehandlung ambulant teils nicht konsequent umgesetzt. Kleine Versorgungsfehler im Pflegeheim oder zu Hause könnten den Gesundheitszustand innerhalb weniger Tage massiv verschlechtern.
Als Lösungsansatz schlägt Claßen eine engere Vernetzung von Pflegediensten, Hausärzten und Krankenhäusern vor. Pflegefachkräfte könnten regelmäßige Fotodokumentationen von Wunden erstellen und direkt an behandelnde Experten im Krankenhaus übermitteln. So ließen sich Verschlechterungen früh erkennen und Therapien anpassen, bevor ein erneuter stationärer Aufenthalt nötig wird.
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