Medizinische Datenflut im Krankenhaus: KI fasst Patienteninformationen in Sekunden zusammen
Zwei deutsche Kliniken testen eine KI, die Patientenakten automatisch zusammenfasst und durchsuchbar macht. Ärztinnen und Ärzte finden relevante Informationen deutlich schneller. Erste Erfahrungen zeigen spürbare Zeitgewinne im klinischen Alltag…
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In deutschen Krankenhäusern wächst die Dokumentationslast kontinuierlich und belastet den Klinikalltag. Pro Patient fallen inzwischen rund 27 Seiten Dokumentation pro Tag an, was wertvolle Zeit kostet. Die Zeit für Diagnose und Therapie sinkt dabei stetig. Ärzte erfassen zwar immer mehr Daten, doch sie können diese oft nicht vollständig auswerten.
Eine mögliche Lösung für dieses Problem bietet moderne Künstliche Intelligenz. Das Robert Bosch Krankenhaus und das Klinikum Rheine testen dafür die Anwendung „Medical Summary“. Die Software bündelt alle verfügbaren Patienteninformationen und erstellt daraus eine strukturierte Übersicht für das Personal. Mediziner stellen gezielt Fragen und erhalten sofort Antworten zu Allergien oder wichtigen Laborwerten. Die KI verlinkt dabei stets direkt auf die jeweiligen Quelldokumente.
Die größte technische Herausforderung liegt in der Struktur der medizinischen Daten selbst. Schätzungsweise 90 Prozent dieser Informationen liegen unstrukturiert vor, beispielsweise in Freitextfeldern oder in PDF-Dokumenten. Die KI muss diese Daten zunächst ordnen und in eine maschinenlesbare Form überführen. Erst danach kann das System Zusammenfassungen erstellen.
Erste Ergebnisse aus dem Bosch Health Campus zeigen bereits heute deutliche Effizienzgewinne. Ärzte finden relevante Informationen fünfmal schneller. Perspektivisch soll die Technologie die Dokumentation erleichtern und den Arbeitsaufwand in den Kliniken senken. Denkbar sind automatische Protokolle von Patientengesprächen sowie die automatisierte Erstellung von KI-gestützten Arztbriefen.
Voraussetzung für eine breite Nutzung bleibt jedoch das Vertrauen in die technischen Systeme. Absolute Fehlerfreiheit gilt in der Medizin als unrealistisch. Entscheidend sind daher transparente Quellenangaben sowie eine konsequente Prüfung der Ergebnisse durch Fachpersonal.
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