„Perfide Logik“: Weniger Vergütung, mehr Anforderungen – Hessische Kliniken warnen vor weiteren Insolvenzen

Der Klinikverbund Hessen kritisiert das GKV-Beitragssatzstabilisierungsgesetz als bürokratischen Mehraufwand, der Krankenhäuser finanziell weiter belastet und Insolvenzen riskiert…

8. Juli 2026
  • Politik

Der Klinikverbund Hessen warnt vor gravierenden Folgen des GKV-Beitragssatzstabilisierungsgesetzes: Die geplanten Einsparungen gefährdeten die Krankenhausversorgung durch weitere Insolvenzen, gerade in einer Phase, in der die Krankenhausreform die Versorgungslandschaft ohnehin umstrukturiert.

Besonders scharf kritisiert Vorstandsvorsitzender Achim Neyer die geplante krankenhausübergreifende Fallzusammenführung. Mehrere Aufenthalte in verschiedenen Häusern sollen bei gleicher Diagnose künftig zu einem Fall zusammengefasst und nur einmal abgerechnet werden. Da die dafür nötigen Informationen allein bei den Krankenkassen liegen, müssten Krankenhäuser bereits gestellte Rechnungen stornieren. Ungeklärt bleibe, welches Haus abrechnen darf, wie Behandlungsdaten ausgetauscht werden und wie Erlöse aufzuteilen sind. Das Einsparpotenzial für die Kassen sei gering, der Aufwand für alle Beteiligten dagegen erheblich.

Auch die geplante Ausweitung der Abrechnungsprüfungen durch den Medizinischen Dienst stößt auf Widerstand. Laut stellvertretender Vorstandsvorsitzender Dr. Julia Hefty verbringen Ärztinnen und Ärzte bereits jetzt mehr als ein Drittel ihrer Arbeitszeit mit administrativen Aufgaben. Rund 2.500 Ärztinnen und Ärzte seien bei den Medizinischen Diensten beschäftigt und stünden der Patientenversorgung nicht mehr zur Verfügung. Eine Ausweitung verschärfe diesen Engpass weiter.

Geschäftsführer Reinhard Schaffert kritisiert zusätzlich, dass der Gesetzentwurf eine bedarfsgerechte Personalausstattung vorschreibe, gleichzeitig aber die Berücksichtigung von Tarifsteigerungen bei der Vergütung deutlich kürze. Das breche ein im Zuge der Krankenhausreform gegebenes Versprechen. Zudem würden Krankenhäuser bestraft, wenn Patienten nach verkürzter Verweildauer erneut aufgenommen werden müssen.

Quelle:
klinikverbund-hessen.de

Medinfoweb
Die etablierte Informationsplattform für Informatik, Ökonomie, Marketing und Qualitätsmanagement im Gesundheitswesen.

Gebündelt, stets aktuell und immer handverlesen werden alle Neuigkeiten gesammelt und anwenderbezogen aufbereitet.