Politischer Streit um Zukunft des Jüdischen Krankenhauses Berlin verschärft sich
Im Berliner Norden steht eine traditionsreiche Klinik vor einer ungewissen Zukunft. Das Jüdische Krankenhaus befindet sich in Eigenverwaltung. Politik und Senat bekennen sich zum Erhalt, streiten jedoch über Finanzierung und Struktur. Für rund 800 Beschäftigte bleibt die Lage offen…
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Das Jüdische Krankenhaus Berlin hat im Dezember ein Insolvenzverfahren in Eigenverwaltung eingeleitet. Der Klinikbetrieb geht jedoch nach aktuellen Informationen uneingeschränkt weiter. Laut Angaben des Senats gibt es keine Einschränkungen in der Patientenversorgung. Die Geschäftsführung arbeitet bereits an einem tragfähigen Sanierungskonzept.
Ein zentraler Auslöser der Krise ist ein massiver Wasserschaden im neuen Bettenhaus. Der Neubau kostete rund 60 Millionen Euro und kann bisher nicht genutzt werden. Dadurch fehlen dem Haus die fest eingeplanten Einnahmen. Zusätzlich wurden Kredite fällig, was die finanzielle Lage der Klinik weiter verschärfte.
Senatorin Ina Czyborra sieht das Haus als notwendig für die Versorgung im Norden an. Der Senat prüft gemeinsam mit der Finanzverwaltung und landeseigenen Kliniken derzeit verschiedene Lösungen für den Standort. Im Raum steht dabei auch eine Übernahme durch Vivantes oder die Charité. Finanzsenator Stefan Evers betont jedoch die Notwendigkeit eines wirtschaftlich tragfähigen Konzepts.
Die Opposition fordert unterdessen deutlich weitergehende Schritte. Die Linksfraktion verlangt klare Unterstützung, während die CDU zur Haushaltsdisziplin mahnt und alternative Träger prüfen will. Die AfD bringt einen Überbrückungskredit ins Spiel. Die Grünen schlagen vor, das Grundstück der Klinik zur Entlastung zu erwerben.
Für mehr als 800 Beschäftigte bleibt die berufliche Perspektive vorerst völlig offen. Die Gewerkschaft Verdi fordert Planungssicherheit sowie den Erhalt von Tarifbindung und Mitbestimmung. Entscheidungen über die künftige Struktur fallen erst in einer späteren Phase des Verfahrens. Das Haus bleibt im Berliner Krankenhausplan medizinisch fest verankert. Noch ist die künftige Organisationsform unklar.
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