PPP-RL zwingt Kliniken zur Leistungsreduktion trotz ausreichend Therapeuten

Dr. Maren Kentgens, Geschäftsführerin des Wahrendorff Klinikums, kritisiert die PPP-RL als veraltet, versorgungsfremd und finanziell nicht gegenfinanziert. KI sieht sie als Assistenzsystem mit Entlastungspotenzial…

4. August 2026
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Die PPP-RL entspricht nach Einschätzung von Dr. Maren Kentgens, Vorsitzende der Geschäftsführung des Wahrendorff Klinikums, nicht den Anforderungen moderner psychiatrischer Versorgung. Die Richtlinie basiert auf der Psych-PV von 1990, die 2019 ohne grundlegende Strukturänderung ersetzt wurde. Kentgens kritisiert, dass minutengenaue Personalvorgaben je Berufsgruppe faktisch die Behandlungshoheit auf den Verordnungsgeber übertragen.

Wahrendorff erfüllt die Vorgaben bei Ärzten und Psychotherapeuten deutlich, scheitert jedoch bei den Pflegevorgaben. Als zweitgrößter Anbieter tagesklinischer Versorgung in Deutschland hält das Haus mehr Therapeuten vor als vorgeschrieben, benötigt aber in Tageskliniken deutlich weniger Pflegekräfte als die PPP-RL fordert. Eine Verbesserung der Versorgungsqualität durch die Richtlinie verneint Kentgens ausdrücklich.

Zur Finanzierung stellt sie fest, dass Personalstandards, die der Verordnungsgeber selbst definiert, auch refinanziert werden müssen. Stattdessen werde öffentlich angekündigt, tarifgerechte Bezahlung und Mehraufwand nicht mehr vollständig zu erstatten.

Der Dokumentationsaufwand bindet nach Angaben von Kentgens 20 bis 40 Prozent der Arbeitszeit hochqualifizierter Mitarbeiter. Dienstplanung und Leistungserfassung sind im Haus vollständig digital und über eine BI-Lösung vernetzt, dennoch bindet die PPP-RL-Nachweisführung mindestens eine Vollkraft.

KI bewertet Kentgens als Assistenzsystem, das beziehungsferne Aufgaben übernimmt und Fachkräfte für Patientenarbeit freisetzt. Potenzial sieht sie in Dokumentationsautomatisierung, Diagnostik, Monitoring sowie in Blended-Therapy-Angeboten mit Virtual Reality. Für die nächsten Jahre erwartet sie verbesserte Interoperabilität und eine wachsende Rolle von Chatbots. Menschliche Beziehungsgestaltung und Emotion bleiben nach ihrer Einschätzung dauerhaft dem Menschen vorbehalten.

Quelle:
daskrankenhaus.de

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