Prävention: Epidemiologe Zeeb sieht Deutschlands Alkohol- und Tabakpolitik als Ursache für niedrige Lebenserwartung

Epidemiologe Hajo Zeeb macht Deutschlands liberale Alkohol- und Tabakpolitik für die unterdurchschnittliche Lebenserwartung mitverantwortlich und fordert mutigere Präventionsmaßnahmen…

2. September 2026
  • Politik

Deutschland liegt im OECD-Vergleich bei der Lebenserwartung im unteren Drittel. Der Epidemiologe Prof. Hajo Zeeb sieht dafür die zu liberale Alkohol- und Tabakpolitik als wesentlichen Faktor. Im Interview mit der „Taz“ kritisiert er, dass das Gesundheitssystem erst greift, wenn Menschen bereits krank sind. Prävention komme zu kurz. Vor allem die hohe Herz-Kreislauf-Sterblichkeit drücke die Lebenserwartung.

Bei Alkohol verweist Zeeb auf einen hohen Pro-Kopf-Verbrauch, niedrige Steuern und den freien Verkauf hochprozentiger Getränke auch an Tankstellen. Als Gegenbeispiel nennt er Litauen, da dort höhere Steuern, Verkaufsverbote und beschränkte Verkaufsstellen den Konsum gesenkt hätten, was sich auch bei der Herzinfarktrate zeige.

Auch bei Tabak sieht Zeeb Nachholbedarf. In den Niederlanden sei der Konsum stark reguliert worden, in Großbritannien und Irland koste eine Schachtel Zigaretten rund 20 Euro. Zeeb bemängelt zudem fehlende Vernetzung zwischen ärztlicher Versorgung und lokalen Präventionsstrukturen sowie mangelnden politischen Mut.

Bereits im März hatte Zeeb in der AOK-Beilage „Pro Dialog“ die vollständige Umsetzung der WHO-Rahmenkonvention zur Tabakkontrolle gefordert. Beim ersten Deutschen Präventionsgipfel des AOK-Bundesverbandes warb er für eine „zielgerichtete, mutige, unbequeme, evidenzbasierte“ Präventionspolitik. Die frühere Bundesgesundheitsministerin Nina Warken (CDU) kündigte dort eine nationale Präventionsstrategie an. AOK-Verbandschefin Carola Reimann forderte eine ressortübergreifende Präventionspolitik, die gesundes Verhalten im Alltag erleichtert.

Quelle:
aok.de

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