Primärversorgung neu denken: Chirurgen plädieren für digitale Triage und flexible Überweisungswege

Der Berufsverband der Deutschen Chirurgie fordert eine digitale Ersteinschätzung als Basis der Primärversorgung. Akut verletzte Personen sowie Patientinnen und Patienten mit bestehendem Behandlungsbedarf sollen weiterhin direkten Zugang zu Fachärzten erhalten…

5. März 2026
  • Digitale Klinik
  • Politik

Der Berufsverband der Deutschen Chirurgie (BDC) fordert, die geplante Primärversorgung in Deutschland auf eine digitale Ersteinschätzung aufzubauen. Nach Ansicht des Verbandes braucht ein solches System eine sichere und funktionierende digitale Infrastruktur. Ohne diese Grundlage drohten organisatorische Probleme sowie steigende Kosten und Ineffizienz.

Grundsätzlich unterstützt der BDC das Prinzip „Digital vor ambulant vor stationär“. Eine digitale Ersteinschätzung soll Patientinnen und Patienten zunächst medizinisch einordnen. Anschließend soll eine verbindliche Steuerung in die passende Versorgungsebene erfolgen. Voraussetzung ist ein flächendeckendes, sektorenübergreifendes und zertifiziertes System. Der Verband fordert, diese Anforderungen im geplanten Gesetz zur digitalen Versorgung und zum Gesundheitsdatenraum zu verankern. Zudem müsse ausreichend Zeit für Entwicklung, Erprobung und Umsetzung eingeplant werden.

Von einer verpflichtenden Primärarztsteuerung sollen bestimmte Gruppen ausgenommen bleiben. Dazu zählen insbesondere Patientinnen und Patienten mit akuten Verletzungen wie frischen Wunden oder Knochenbrüchen. Sie benötigen nach Einschätzung des BDC weiterhin einen direkten Zugang zu chirurgischen Praxen. Der Verband verweist auf das Durchgangsarztverfahren für Arbeitsunfälle als mögliches Vorbild für eine solche Steuerung. Dieses System habe sich seit Jahrzehnten bewährt.

Auch nach stationären Aufenthalten oder bei langfristigem Behandlungsbedarf sollte ein direkter Zugang zur fachärztlichen Weiterbehandlung möglich sein. Dadurch ließen sich zusätzliche Termine in Hausarztpraxen und wiederholte Ersteinschätzungen vermeiden.

Neben einem hausarztzentrierten Überweisungsmodell fordert der Verband zudem ein sogenanntes Kettenmodell. Dabei können Fachärztinnen und Fachärzte Patientinnen und Patienten untereinander weiterüberweisen. Dies soll Hausarztpraxen entlasten und Behandlungen effizienter organisieren.

Quelle:
biermann-medizin.de

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