Psychische Erkrankungen häufigster Krankschreibungsgrund in Hessen: Spargesetz verschärft Versorgungslücke

Psychische Erkrankungen sind in Hessen der häufigste Krankschreibungsgrund. Die Bundesregierung plant dennoch Honorarkürzungen und Budgetdeckelung für Psychotherapie…

30. Juli 2026
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Während psychische Erkrankungen im ersten Halbjahr 2026 in Hessen zur häufigsten Ursache für Fehlzeiten geworden sind, plant die Bundesregierung mit dem Beitragsstabilisierungsgesetz weitere Einschnitte in die psychotherapeutische Versorgung gesetzlich Versicherter.

Bereits im April wurden die Honorare für Psychotherapeuten um 4,5 Prozent gekürzt, ein Gerichtsverfahren zur Rechtmäßigkeit dieser Maßnahme läuft noch. Das neue Gesetz sieht zusätzlich eine Budgetdeckelung vor: Praxen erhalten künftig nur noch eine feste Jahressumme, statt wie bisher flexibel auf steigenden Bedarf reagieren zu können. Zudem sollen die Angemessenheitsprüfung und das gesetzlich garantierte Mindesthonorar abgeschafft werden.

Laut DAK stiegen Krankschreibungen wegen psychischer Erkrankungen in Hessen zuletzt um zwölf Prozent, bundesweit um neun Prozent. Der AOK-Fehlzeitenreport verzeichnet, dass psychische Erkrankungen 12,5 Prozent aller Fehlzeiten ausmachen und im Schnitt fast einen Monat dauern, doppelt so lang wie andere Krankheiten.

Laut einer Umfrage des Aktionsbündnisses Psychotherapie erwägen zwei Drittel der niedergelassenen Therapeuten eine Praxisschließung. Die Psychologin Silvia Kaps von der Hochschule Fulda schätzt, dass bis zu ein Viertel der Therapieplätze wegfallen könnte. Die durchschnittliche Wartezeit von derzeit sechs Monaten könnte auf bis zu 15 Monate steigen. Kaps warnt vor Chronifizierung von Erkrankungen, höheren Folgekosten im Gesundheitssystem sowie einer verstärkten Stigmatisierung von Therapie. Besonders betroffen seien Frauen. 77 Prozent der Psychotherapeuten sind weiblich und Frauen nehmen auch häufiger selbst Therapieangebote wahr.

Quelle:
hessenschau.de

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