Struktureller Sexismus im Gesundheitswesen: Charité-Studie belegt Problem seit zehn Jahren, Konsequenzen blieben aus

Auf dem Deutschen Ärztetag schilderten Studentinnen Übergriffe durch Tagungsteilnehmer. Die Bundesärztekammer beschloss Maßnahmen. Ein Problem, das seit Jahren dokumentiert ist…

8. Juni 2026
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Auf dem Deutschen Ärztetag berichteten Medizinstudentinnen öffentlich von sexuellen Übergriffen während der Veranstaltung. Berührungen, Sprüche und „Einladungen“ auf das Hotelzimmer. Das gleiche Gremium, dessen Mitglieder beschuldigt wurden, stimmte wenige Stunden später über Beschlüsse zur Prävention und Sanktionierung von Machtmissbrauch ab.

Die Bundesärztekammer benennt in ihrer Pressemitteilung die strukturelle Dimension. Machtmissbrauch äußere sich in respektlosem Umgangston, Infragestellung fachlicher Kompetenz, Mobbing und sexualisierter Belästigung, begünstigt durch Hierarchien und fehlende Ansprechstellen. Compliance-Vorgaben und Schutzkonzepte sollen nun erst entwickelt werden.

Das Problem ist seit Jahren dokumentiert. Die Berliner Charité veröffentlichte vor zehn Jahren eine Studie, in der mehr als drei Viertel der befragten Ärztinnen sexualisierte Belästigung im Berufsleben angaben. Eine aktuelle Befragung des Marburger Bundes zeigt, dass rund die Hälfte der Mitglieder in den vergangenen zwölf Monaten Machtmissbrauch erlebte, in neun von zehn Fällen durch Vorgesetzte.

An der Führungsstruktur hat sich wenig geändert. Die fortlaufende DÄB-Studie „Medical Women on Top“ zeigt im vierten Update: Der Anteil der Oberärztinnen liegt mittlerweile bei 41 Prozent, doch nur 14 Prozent der Klinikdirektoren sind weiblich. Regional sind die Unterschiede erheblich. In Dresden besetzt fast ein Drittel der Frauen Führungspositionen in der Universitätsmedizin, in Frankfurt am Main kommt auf eine Klinikdirektorin 19 Männer.

In der Pflege ist das Bild ähnlich. Obwohl vier von fünf Pflegekräften weiblich sind, leiteten 2020 laut PWC-Studie nur rund die Hälfte der Frauen eine Pflegedirektion. Im Topmanagement von Krankenhäusern waren es nur 17 Prozent, gegenüber 33 Prozent in der Vorgängerstudie fünf Jahre zuvor ein deutlicher Rückgang.

Greta Lucia Harnisch vom Jungen Forum des Deutschen Ärztinnenbundes fasste die Debatte so zusammen: Wo starke Hierarchien, Abhängigkeitsverhältnisse und fehlende Ansprechstellen zusammenträfen, entstehe ein Klima, in dem Grenzverletzungen passierten und oft folgenlos blieben. Initiativen wie „Women in Health“ fordern deshalb, weibliche Perspektiven in Führung, Forschung und Technologieentwicklung strukturell zu verankern.

Quelle:
jungewelt.de

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