TK-Studie zur Hausarztzentrierten Versorgung: Ernüchternde Bilanz befeuert Reformstreit
Die Bundesregierung plant ein verbindliches Primärversorgungssystem, doch Kassen, Ärzteverbände und Wissenschaft streiten über Steuerungsmodell, Verbindlichkeit und eine neue HzV-Evaluation…
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Die ehemalige Bundesgesundheitsministerin Nina Warken (CDU) hat Ende Januar einen Fachdialog zur Primärversorgung eröffnet und einen Referentenentwurf für den Sommer angekündigt. Das Vorhaben steht im Koalitionsvertrag, doch zwischen politischem Auftrag und funktionierendem System liegt ein dichtes Geflecht aus Interessen, offenen Definitionen und ungelösten Finanzierungsfragen.
Den schärfsten Impuls lieferte eine von der Techniker Krankenkasse beauftragte Evaluation der Hausarztzentrierten Versorgung (HzV). Gesundheitsökonom Prof. Dr. Jonas Schreyögg wertete über eine Million Einschreibungen aus den Jahren 2015 bis 2022 aus. Ergebnis: Die HzV senkt Hausarztkontakte nur leicht, fachärztliche Kontakte steigen, und die Gesamtausgaben nehmen zu. Die Ursache sieht Schreyögg nicht bei der Hausärzteschaft, sondern in der Konstruktion des Modells. Versicherte sind nicht verpflichtet, den vorgesehenen Weg einzuhalten, womit der entscheidende Steuerungshebel fehlt.
Drei Lager stehen sich gegenüber. Hausärzteverband, Bundesärztekammer und AOK-Bundesverband setzen auf die hausärztliche Praxis als verbindlichen ersten Anlaufpunkt. Facharztverbände fordern direkte Zugangswege für definierte Patientengruppen. Die TK plädiert für eine standardisierte digitale Ersteinschätzung vor jedem Arztbesuch und lehnt ein festes Primärarztsystem ab.
Alle Konzepte stoßen an dieselbe strukturelle Grenze: Ein System, das mehr als 90 Prozent der Versicherten erreichen muss, erfordert Verbindlichkeit, die freiwillige Einschreibemodelle nicht leisten können. In 24 von 38 OECD-Staaten ist Gatekeeping verpflichtend. Freiwilligkeit ohne Konsequenz ist international die Ausnahme.
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