Pressemeldung

VdPkN: Neue Versorgungsrealität stellt Krankenhäuser und Reha-Einrichtungen vor große Herausforderungen

Auf einer VdPkN-Veranstaltung in Hannover diskutierten Vertreter aus Politik, Kassen und Kliniken über die wirtschaftlichen Folgen der Krankenhausreform und die Zukunft der Reha-Versorgung in Niedersachsen…

28. September 2026
  • Politik
  • Ökonomie

Wie sieht die medizinische Versorgung der Zukunft aus? Welche Auswirkungen haben die aktuellen Reformen auf Krankenhäuser und Rehabilitationseinrichtungen – und wie kann eine hochwertige Versorgung auch im ländlichen Raum gesichert werden? Mit diesen und weiteren Fragen beschäftigte sich eine Informationsveranstaltung des Verbandes der Privatkliniken Niedersachsen und Bremen e. V. (VdPkN) in Hannover.

Unter dem Titel „Die neue Versorgungsrealität für Krankenhäuser und Rehabilitationseinrichtungen“ diskutierten Vertreter aus Politik, Verbänden, Krankenhäusern, Krankenkassen, Rentenversicherung und Reha-Kliniken über die aktuellen Entwicklungen und notwendigen Veränderungen im Gesundheitswesen.

Der Vorsitzende des VdPkN, Dr. Hans-Heinrich Aldag, blickte zum Auftakt zunächst auf die Gesetzgebungsentwicklung. In Folge dieser sagten in Niedersachsen zurzeit mindestens 25 Prozent der Krankenhäuser, sie hätten nach dem Gesetzesbeschluss Schwierigkeiten, in der Solvenz zu bleiben.

Im Reha-Bereich sehe es nicht viel anders aus. Wichtig sei es auch hier bislang immer gewesen, Strukturen die gefordert gewesen seien, auch refinanzieren zu können. Aber jetzt stünde dem durch die absehbare Budgetierung einiges entgegen.

Einblicke in die aktuellen Herausforderungen und Reformprozesse gaben Dr. Christine Arbogast (Staatssekretärin im Niedersächsischen Ministerium für Soziales, Arbeit, Gesundheit und Gleichstellung), Dr. Gerald Gaß (Vorstandsvorsitzender der Deutschen Krankenhausgesellschaft), Hanno Kummer (Leiter der Landesvertretung Niedersachsen des Verbandes der Ersatzkassen), Kornelia Winnicka (Hauptabteilungsleiterin und Justiziarin bei der Deutschen Rentenversicherung Braunschweig-Hannover) sowie Thomas Bublitz (Hauptgeschäftsführer des Bundesverbandes Deutscher Privatkliniken).

Dr. Christine Arbogast machte deutlich, dass die Reform die Weichen für die kommenden Jahre stelle. Ausgangspunkt sei das Ziel einer Qualitätsverbesserung. Gleichzeitig bringe die Umsetzung erhebliche Herausforderungen mit sich. Für Niedersachsen gehe es insbesondere darum, die neuen Anforderungen so umzusetzen, dass eine flächendeckende und gut erreichbare Versorgung erhalten bleibe. Der neue niedersächsische Krankenhausplan soll künftig eine wichtige Grundlage für die Zuordnung von Leistungsgruppen bilden, so Dr. Arbogast. Dabei müsse Niedersachsen seine besonderen regionalen Gegebenheiten berücksichtigen: Neben Ballungsräumen gebe es große ländliche Gebiete, in denen die Erreichbarkeit medizinischer Angebote gewährleistet werden müsse. Ausnahmen seien deshalb dort möglich, wo sie für eine gute Versorgung notwendig seien. Als wichtigen Bestandteil der Reform bezeichnete Dr. Arbogast außerdem die zunehmende Kooperation zwischen den beteiligten Einrichtungen. Auch die Zusammenarbeit zwischen Akutversorgung und Rehabilitation werde künftig weiter an Bedeutung gewinnen. „Eine moderne Versorgung endet nicht mit der Entlassung aus dem Akutkrankenhaus“, lautete dabei eine zentrale Botschaft.

Dr. Gerald Gaß verwies auf die angespannte wirtschaftliche Situation vieler Krankenhäuser. Nach seiner Einschätzung wird sich die finanzielle Lage insbesondere ab 2027 noch weiter deutlich verschärfen. Prognosen zufolge könnten dann wesentlich weniger Krankenhäuser ein ausgeglichenes Jahresergebnis erzielen. Bundesweit seien zahlreiche Standorte wirtschaftlich gefährdet. Gleichzeitig bestehe eine erhebliche Planungsunsicherheit. Offene Fragen gebe es unter anderem bei Leistungsgruppen und der Vorhaltefinanzierung. Dr. Gaß forderte deshalb mehr Gestaltungsspielraum für die Krankenhäuser und ein stärkeres Vertrauen in die Akteure vor Ort. Die notwendigen Veränderungen müssten aus seiner Sicht gezielt und strukturiert erfolgen. Krankenhäuser müssten sich auf ihre jeweiligen Stärken konzentrieren, Standorte und Leistungsangebote müssten angepasst und die Patientensteuerung verbessert werden. Ziel müsse eine leistungsfähige und zugleich wirtschaftlich tragfähige Krankenhauslandschaft sein. Als Chance wurde der Transformationsfonds bewertet. Niedersachsen habe bereits umfangreiche Fördermittel beim Bund beantragt. Auch die Bildung von Verbünden zwischen Einrichtungen könne dazu beitragen, Strukturen zukunftsfähig weiterzuentwickeln.

Hanno Kummer vom Verband der Ersatzkassen verwies angesichts dramatischer Ausgabensteigerungen der gesetzlichen Krankenversicherung auf die Notwendigkeit von Ausgabenbegrenzungen. Zugleich machte er insbesondere auf die zunehmende Begrenzung der Zahl  von Fachkräften aufmerksam. Die demografische Entwicklung führe zu einer doppelten Herausforderung: Es gebe weniger Fachkräfte, gleichzeitig steige der Bedarf an medizinischer Versorgung. Gerade bei der Umsetzung der Leistungsgruppen werde das vorhandene Personal zu einem entscheidenden Faktor. Bereits bei der ersten Antragsrunde habe sich gezeigt, dass bestimmte Leistungen aufgrund fehlender personeller Ressourcen nicht wie vorgesehen qualitätsgesichert abgebildet werden könnten. Für Kummer führt deshalb kein Weg an einer stärkeren Konzentration und Spezialisierung vorbei. Insbesondere planbare Eingriffe seien teilweise noch auf zu viele Standorte verteilt. Deshalb seien Auswahlentscheidungen des Landes bei der Vergabe der Leistungsgruppen notwendig. Eine bessere Patientensteuerung und höhere Fallzahlen an geeigneten Standorten könnten dazu beitragen, die vorhandenen Ressourcen effizienter einzusetzen. Ausnahmen von Qualitätsanforderungen dürfe es nur im erforderlichen Umfang und mit klaren Begründungen geben. Kooperationen müssten im Versorgungsalltag belastbar sein.

Auch die Rehabilitation nahm bei der Veranstaltung breiten Raum ein. Kornelia Winnicka stellte heraus, dass Prävention und Rehabilitation angesichts des demografischen Wandels zunehmend an Bedeutung gewinnen.

Der Grundsatz „Reha vor Rente“ müsse wieder stärker in den Mittelpunkt rücken. Ziel sei es, die Erwerbsfähigkeit der Menschen möglichst lange zu erhalten und Erwerbsminderungsrenten zu vermeiden oder möglichst lange hinauszuzögern. Dabei müsse Rehabilitation stärker als Teil einer langfristigen Versorgungskette verstanden werden. Die verschiedenen Beteiligten müssten enger zusammenarbeiten. Ebenso wichtig sei es, den nachhaltigen Erfolg von Rehabilitationsmaßnahmen stärker in den Blick zu nehmen – insbesondere die Frage, inwieweit Patienten dauerhaft in das Erwerbsleben zurückkehren können.

Für den VdPkN ist zugleich die personelle Situation in den Reha-Einrichtungen von großer Bedeutung. Dr. Aldag betonte, dass Niedersachsen ein besonders wichtiger Reha-Standort sei und deshalb auch die Ausbildung von Pflegekräften in Rehabilitationseinrichtungen möglich werden müsse. Ausbildungsangebote könnten dazu beitragen, Fachkräfte frühzeitig an die Einrichtungen zu binden.

Thomas Bublitz, Hauptgeschäftsführer des Bundesverbandes Deutscher Privatkliniken, formulierte weitere Anforderungen an die zukünftige Versorgung. Notwendig seien unter anderem gut organisierte Behandlungspfade, schnellere und bessere Notfallstrukturen sowie ein konsequenter Abbau von Bürokratie. Zudem müsse die Ergebnisqualität stärker in den Mittelpunkt rücken. Statt immer detaillierter Vorgaben zur Struktur müssten die tatsächlichen Behandlungsergebnisse und die Zufriedenheit der Patienten stärker berücksichtigt werden. Bublitz appellierte an alle Entscheidungsträger im Gesundheitswesen, dass auch sie Verantwortung für besser funktionierende Strukturen trügen und darauf hinwirken müssten, dass auch ohne konkrete politische Aufträge Fortschritte erreichbar wären. Nur auf die Politik zu verweisen, sei aus seiner Sicht zu wenig.

Auch bei der Finanzierung der Rehabilitation sieht Bublitz Handlungsbedarf. Reha-Kliniken befänden sich derzeit zwischen den Anforderungen der gesetzlichen Krankenversicherung und den Vergütungsbedingungen der Deutschen Rentenversicherung. Ohne ausreichenden finanziellen Spielraum drohten fehlende Investitionen und eine Einschränkung von Angeboten.

In der abschließenden Podiumsdiskussion wurden die zentralen Themen der Veranstaltung noch einmal aufgegriffen. Dr. Gaß plädierte für ein neues Denken im Gesundheitswesen. Es müsse klar definiert werden, was tatsächlich Qualität für Patienten bringe. Gleichzeitig sollten den Einrichtungen vor Ort wieder mehr Gestaltungsmöglichkeiten eingeräumt werden.

Diskutiert wurde auch, ob anstehende Veränderungen allein durch neue gesetzliche Vorgaben bewältigt werden können.

Der VdPkN will den Reformprozess weiterhin kritisch begleiten. „Wir erleben in unseren eigenen Einrichtungen unmittelbar, wie sich das neue System in der Praxis auswirkt“, sagte Dr. Aldag. Entscheidend sei deshalb, die Reform nicht nur auf dem Papier zu betrachten, sondern ihre Auswirkungen auf die tägliche Versorgung zu überprüfen.

Die Informationsveranstaltung zeigte damit vor allem eines: Die Versorgungslandschaft steht vor tiefgreifenden Veränderungen. Für Krankenhäuser und Rehabilitationseinrichtungen wird es darauf ankommen, die notwendigen Anpassungen aktiv zu gestalten, ohne dabei die Qualität, Erreichbarkeit und Nachhaltigkeit der medizinischen Versorgung aus dem Blick zu verlieren.

Bei der Veranstaltung des Verbands der Privatkliniken Niedersachsen und Bremen referierten (von links) Dr. Hans-Heinrich Aldag (Vorsitzender des VdPkN), Thomas Bublitz (Hauptgeschäftsführer des Bundesverbandes Deutscher Privatkliniken), Dr. Christine Arbogast (Staatssekretärin im Niedersächsischen Ministerium für Soziales, Arbeit, Gesundheit und Gleichstellung), Kornelia Winnicka (Hauptabteilungsleiterin und Justiziarin bei der Deutschen Rentenversicherung Braunschweig-Hannover), Hanno Kummer (Leiter der Landesvertretung Niedersachsen des Verbandes der Ersatzkassen) und Dr. Gerald Gaß (Vorstandsvorsitzender der Deutschen Krankenhausgesellschaft). Foto: Daniel Meier/VdPkN
Quelle:
vdpkn.de

Medinfoweb
Die etablierte Informationsplattform für Informatik, Ökonomie, Marketing und Qualitätsmanagement im Gesundheitswesen.

Gebündelt, stets aktuell und immer handverlesen werden alle Neuigkeiten gesammelt und anwenderbezogen aufbereitet.