Von der Kassenfusion bis zur Krankschreibung: Linnemanns Agenda für das Gesundheitsministerium

Als neuer Bundesgesundheitsminister löst Carsten Linnemann Nina Warken ab. Der promovierte Volkswirt hat sich bereits zu Kassenfusionen, Attestpflicht und Eigenverantwortung geäußert…

29. Juli 2026
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Carsten Linnemann (CDU) tritt als neuer Bundesgesundheitsminister an ohne gesundheitspolitisches Voramt. Seine bisherigen Aussagen zu zentralen Gesundheitsthemen zeigen klare Positionen, die teils erhebliche Kritik ausgelöst haben.

Linnemann befürwortet die Attestpflicht ab dem ersten Krankheitstag und zweifelt am Nutzen der telefonischen Krankschreibung. Ärztevertreter warnen vor Praxisüberlastung und erhöhtem Infektionsrisiko. Eine Studie des Zentralinstituts für die Kassenärztliche Versorgung vom Oktober 2025 belegt, dass nicht die telefonische Krankschreibung den Krankenstand treibt, sondern die Coronapandemie und die Einführung der elektronischen Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung.

Bei der Kassenstruktur fordert Linnemann eine Reduktion von 93 auf zehn Kassen mit einer Mindestmitgliederzahl von 200.000 bis 250.000. Der GKV-Spitzenverband hält dagegen: Verwaltungskosten machen lediglich vier Prozent der GKV-Gesamtausgaben von rund 352 Milliarden Euro aus. Die GKV-Finanzkommission sieht kein nennenswertes Einsparpotenzial und verweist auf Österreich, wo eine Kassenfusion 2020 keine Kostenvorteile brachte.

Nach dem Anschlag auf den Magdeburger Weihnachtsmarkt Ende Dezember 2024 forderte Linnemann ein Register für psychisch kranke Gewalttäter. Die verkürzte Wiedergabe seiner Aussage löste breite Kritik aus. Verbände und Fachleute, darunter die Deutsche Depressionsliga und Psychiater Prof. Dr. Mazda Adli, wiesen den Vorschlag als medizinisch abwegig und ethisch empörend zurück. Linnemann präzisierte, er habe ausschließlich psychisch kranke Gewalttäter gemeint. Der CDU-Bundesvorstand nahm die Forderung nach einer neuen Gefährderkategorie wenig später in einen Beschluss auf.

Linnemann spricht sich für eine Steuerfinanzierung versicherungsfremder Leistungen aus, etwa der Krankenversicherung von Menschen mit Grundsicherung, die jährlich rund zwölf Milliarden Euro kostet. Das im Juli beschlossene GKV-Beitragssatzstabilisierungsgesetz löst dieses Problem nicht. Linnemann hatte zudem gefordert, die Sozialversicherungsbeiträge auf 40 Prozent zu begrenzen.

Als weiteres Leitmotiv nennt Linnemann Eigenverantwortung und Prävention. Kritiker wenden ein, dass mehr Eigenverantwortung als Vorwand für höhere Zuzahlungen dienen könnte, was Menschen mit niedrigem Einkommen oder chronischen Erkrankungen besonders treffen würde. Individuelle Vorsorge allein drücke zudem keine strukturellen Kostentreiber wie Klinikkosten oder Medikamentenpreise.

Verbände wie Hartmannbund, Hausärzteverband, SoVD und GKV-Spitzenverband fordern von Linnemann rasche Strukturreformen, Bürokratieabbau, die vollständige Steuerfinanzierung der Grundsicherungsversicherten, die Rückzahlung ausstehender Corona-Erstattungen für Pflegekassen von rund sechs Milliarden Euro sowie den Stopp weiterer Leistungskürzungen.

Quelle:
apotheken-umschau.de

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