WHO-Qualitätsdefinition entlarvt strukturelle Lücke im deutschen Gesundheitssystem

Das deutsche Gesundheitssystem bietet breiten Zugang, vernachlässigt aber Prävention und Koordination. Die Folge: Notaufnahmen verzeichneten 2024 mit 13 Millionen Fällen einen Höchststand…

12. Juni 2026
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Das deutsche Gesundheitssystem erfüllt die WHO-Qualitätsdefinition nur teilweise. Breiter Zugang gilt zwar als Stärke, doch Prävention, Koordination und integrierte Versorgung bleiben strukturell unterentwickelt. Das zeigt sich an einer konkreten Zahl. Die ambulanten Behandlungen in Notaufnahmen stiegen von 9,4 Millionen im Jahr 2020 auf 13 Millionen im Jahr 2024, dem höchsten Stand seit Beginn der Erfassung 2018.

Ursache ist eine fehlgeleitete Systemlogik. Weil koordinierende Primärversorgung fehlt, suchen Patientinnen und Patienten mangels Alternativen Krankenhäuser auf. Das belastet Personal, Kosten und Versorgungssteuerung. Gleichzeitig bleibt Prävention im Vergütungssystem strukturell schwach verankert. Chronische Erkrankungen nehmen zu, vermeidbare Krankenhausaufenthalte häufen sich.

Die aktuellen Reformansätze greifen diese Entwicklung auf. Krankenhäuser sollen als regionale Versorgungszentren gestärkt werden, insbesondere dort, wo ambulante Strukturen fehlen. Die Bundesgesundheitsministerin plant ein Primärversorgungssystem, das Patientinnen und Patienten verbindlich nach medizinischer Dringlichkeit steuert.

Prof. Henriette Neumeyer (Nordakademie) und Kim Maren Klecha (Deutsche Krankenhausgesellschaft) fordern interprofessionelle Primärversorgungspraxen aus Ärztinnen und Ärzten, Pflegefachpersonen, Physician Assistants und weiteren Gesundheitsberufen. Ob die Reform greift, lässt sich messen. Sinkt die Zahl der Notaufnahmekontakte, wäre das ein belastbares Zeichen für eine wirksame Primärversorgung.

Quelle:
kma-online.de

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